Velberter Prüfinstitut

Wo Einbruchsversuche in Velbert ganz legal sind

Leiterin Andrea Horsthemke und der Geschäftsführer Stephan Schmidt stehen vor einer Maschine, die den Kippmechanismus einer Terassentür einem Dauertest unterzieht.

Leiterin Andrea Horsthemke und der Geschäftsführer Stephan Schmidt stehen vor einer Maschine, die den Kippmechanismus einer Terassentür einem Dauertest unterzieht.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert  Im Velberter Prüfinstitut PIV werden Schlösser und Beschläge sowie Fenster und Türen getestet. Auch auf ihre Widerstandsfähigkeit gegen Einbrüche.

. Der große Schrank in der Velberter Firmenhalle sieht aus wie das gut gefüllte Werkzeugdepot eines professionellen Einbrechers. Oben lagern kleine Hämmer, Schraubenzieher und Brecheisen. Nach unten hin werden die Geräte immer martialischer, bis auf dem untersten Brett ein Fünf-Kilo-Vorschlaghammer und eine Flex liegen. Die Werkzeuge werden beinahe täglich für Einbrüche genutzt und das ganz legal. Sie gehören zum Inventar des Prüfinstituts Schlösser und Beschläge, Fenster und Türen (PIV).

In dem Gebäudekomplex an der Wallstraße werden seit nunmehr 40 Jahren die Hauptprodukte der Velberter Industrie auf Herz und Nieren geprüft. „Wir haben pro Jahr 1500 Prüfvorgänge im Institut, es werden 80 Prüfnormen getestet und zertifiziert“, sagt Stephan Schmidt. Er ist Geschäftsführer des in Velbert beheimateten Fachverbands der Schloss- und Beschlagindustrie und auch des Prüfinstitutes. In der Halle mit den Einbruchswerkzeugen macht sich einer der zwölf Mitarbeiter des PIV mit leichtem und schwerem Gerät an einem Fenster zu schaffen. Es wird auf Einbruchsicherheit getestet. Mit dem Hammer wird die Scheibe bearbeitet, das Brecheisen am Rahmen eingesetzt. Obwohl das Fenster ziemlich lädiert aussieht, ein Durchkommen gab es nicht.

Zehntausende Mal wird die Tür geöffnet und wieder geschlossen

In einer anderen Halle wird gerade eine Balkontüre geprüft, die in einen Rahmen eingespannt wurde. Zehntausende Mal wird sie auf und wieder zugemacht, geschaut, ob sie dieser Dauerbelastung standhält. „Den Kippmechanismus haben wir schon getestet,“ sagt Andrea Horsthemke. Die 34-Jährige leitet das PIV seit Januar. Nebenan machen sich in einem durchsichtigen Kasten mehrere Maschinen an Schließzylindern zu schaffen, drehen sie auf und zu, auf und zu, tausende Male. Über den „Prüflingen“ leuchten grüne Lampen, alles in Ordnung also.

Nebenan sind Türklinken eingespannt, auch die werden unzählige Male geöffnet. „Die Produkte kommen von Firmen hier aus dem Niederbergischen, aber auch Firmen aus dem Ausland, sogar aus Kanada nehmen unsere Prüfdienste in Anspruch“, erklärt Stephan Schmidt. So haben die Velberter fünf mal fünf Meter große Fenster geprüft, die in ein Moskauer Hochhaus eingebaut wurden. An dieser Prüfstation wird das Produkt der Witterungsbelastung ausgesetzt. „Wir können hier Windstärken bis zum Hurrikan simulieren“, sagt Andrea Horsthemke. Mit künstlichem Regen und Nebel wird zudem auch die Wasserfestigkeit der Produkte überprüft. Nicht alle Prüfobjekte halten den Belastungen stand, wie Fotos eindrucksvoll belegen.

Im Schneewittchensarg rieselt Salzlauge auf die Produkte

In der nächsten Halle der insgesamt 1000 Quadratmeter Prüffläche steht der Schneewittchensarg. Eine große Wanne, in der Schlösser und Beschläge mit einer Salzlauge auf ihre Korrosionsanfälligkeit geprüft werden. „Die Produkte sind ja auch Seeluft oder Luft in Tunneln ausgesetzt“, erklärt Andrea Horsthemke. Die heutigen Testprodukte haben bestanden, sie blitzen weiter in klarem Stahlsilber. In einem anderen werden Schlösser, auch elektromechanische, einem Wasserbad ausgesetzt. Schließlich sollen die Schlösser ja auch bei Nässe funktionieren.

In der Wärmekammer werden die Produkte extremer Kälte und Hitze ausgesetzt, in der Staubkammer werden Schlösser und Co. mit Puder berieselt. Ein Shaker simuliert extrem starke Vibrationen. Ihnen werden beispielsweise mechatronische Schlüssel ausgesetzt. „Das ist so ähnlich, wenn sie auf den Boden fallen“, sagt Stephan Schmidt. Und schließlich können in einem weiteren Raum die Produkte starken Blitzen ausgesetzt werden. Man will ja nicht, dass das mechatronische Türschloss sich bei Gewitter von selbst öffnet.

Prüfinstitut besteht seit gut 40 Jahren

Das Prüfinstitut prüft, zertifiziert und überwacht seit nunmehr 40 Jahren Schlösser, Beschläge, Fenster und Türen. Das Institut arbeitet zudem in den nationalen und internationalen Normungsgremien dieser Produktgruppe mit, Das PIV CERT ist auch eine Produktzertifizierungsstelle für Bauprodukte: Für Fenster und Türen ist eine Zertifizierung der Einbruchshemmung möglich.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben