Natur und Umwelt

Wildschwein und Waschbär erobern die Städte – auch Velbert

Wildschweine rücken auch in Velbert immer öfter in die Gärten vor und durchpflügen sie.

Wildschweine rücken auch in Velbert immer öfter in die Gärten vor und durchpflügen sie.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Velbert.  Mittlerweile sind auch in Velbert wilde Tiere anzutreffen: Wenn das Wildschwein den Garten umgräbt oder der Waschbär auf dem Dachboden lebt.

Wildes Leben mitten in der Stadt: „Wir haben zahlreiche Wildtiere und wilde Tiere in der Stadt“, sagt Diplom-Forstwirt Peter Tunecke von den Technischen Betrieben Velbert (TBV). Seit mehreren Jahren etwa gebe es ein zunehmendes Erscheinen von Wildschweinen, die sich „östlich des Höhenrückens“ (Tönisheide bis Velbert) etabliert hätten. „Für die Tiere sind die Bedingungen natürlich super: Die Witterung wird wärmer, die Winter milder, die Maispflanzen sind sehr nachhaltig“, zählt Tunecke nur einige der Faktoren auf, die dazu führen, dass sich die Schweine in und um Velbert wohl fühlen. „Durch den hohen Nährwert der Pflanzen kommt es zu hoher Reproduktion und die Tiere dringen bis in die Vorgärten ein, wo sie Rasen mit ihrem Rüssel aufbrechen.“

In Städten gilt Jagdverbot

Nicht einmal vor Golfplätzen machten die Tiere halt, sagt Tunecke und spricht süffisant von Loch sechzehn. Sind die Tiere aber erstmal in der Stadt, ist es sehr schwierig, sie wieder loszuwerden. Denn Städte gelten als befriedet, dort gilt Jagdverbot. „Besondere Maßnahmen müssen durch die Jagdbehörde erlaubt werden und die sind sehr zurückhaltend, weil es immer um die Sicherheit und Ordnung geht“, erläutert Tunecke.

Rosen sind begehrt

Doch nicht nur Wildschweine, auch Rehwild sei häufig zu beobachten. „Wenn die Einjährigen auf Wanderschaft gehen, gehen sie auch in die Stadt, zum Beispiel in rückwärtige Gärten mit schöner Bepflanzung“. Das gefällt den Rehen, denn gewissermaßen sind sie Gourmets: zuallererst fressen sie die Rosen. Schützen können sich Menschen dagegen nur mit einem großen Zaun – ob es das aber wert ist, sei dahingestellt. Deshalb sagt Tunecke: „Es ist ein Geschenk, so viel Wildnis vor der Tür zu haben. Da darf man dann einfach nicht“, sagt Tunecke grinsend, „so teures Futter wie Rosen anpflanzen“.

Viele Orte bieten Unterschlupf

Dass sich auch Fuchs, Waschbär, Mader, Dachs und Co. in Velbert – und anderen Städten – wohl fühlen, hängt mit Siedlungsdichte und -struktur zusammen. „Es gibt Pflanzen, Hütten mit ruhigen und trockenen Fundamenten, Holzstapel, Dachböden, Fassaden, Dachstühle, Carports, Kompostierhaufen“, sagt der Forstwirt. Also viele verschiedene Orte, an denen sich wilde Tiere gerne niederlassen. Es gibt jedoch nicht nur genügend ökologische Nischen, sondern auch genügend Nahrungsquellen: Katzen- und Igelfutter oder Müllsäcke etwa, oder auch „das Nachbarhuhn im Auslauf“, wie Tunecke sagt.

Tiere verlieren mit der Zeit die Scheu

Wilde Tiere genau zu beziffern, ist schwierig. Lediglich anhand von markierten Tieren lasse sich schätzen, wie groß die Gesamtpopulation sein könnte. „Im nicht befriedeten Bezirk können die Tiere gejagt werden, was zur Seuchenbekämpfung – etwa Staupe im letzten Jahr – auch sinnvoll ist.“ In der Stadt aber ist das nicht möglich. Und gewöhnen sich die Tiere erst einmal an ihre menschlichen Nachbarn, verlieren sie die Scheu. „Es kann dann zu einer Haustierwerdung kommen“, sagt Tunecke. „Diese Tiere sind Kulturfolger, sie partizipieren an unserem Wohlstand.“

Toleranz ist gefragt

Wer wirklich einen Waschbären im Schornstein sitzen hat, dem bleibt nicht viel übrig. „Sie können gucken, wann er weg ist und machen dann schnell den Schornstein zu“, sagt Tunecke. „Sie bekommen aber keine Jagdgenehmigung und schon gar keine Ausnahmegenehmigung.“ Natürlich sollten betroffene Bürger durchaus vorsichtig sein, Waschbären etwa legen Latrinen an und es kann etwa zum Befall mit Spulwürmern kommen. „Das aber ist Natur“, sagt Tunecke. „Die Tiere hübschen die Biodiversität auf.“ Trotzdem weiß auch der Forstwirt: „Wenn Sie wegen der Waschbär-Latrinen einen ganzen Dachboden zurückbauen und alles abreißen müssen, sind Sie sicherlich nicht erfreut.“ Im Endeffekt müsse jeder Städter für sich selbst beantworten, wie hoch seine Toleranz und sein Naturschutzwille seien. „Ansonsten müssen Sie die offenen Stellen eben bautechnisch so verschließen, dass die wilden Tiere gar nicht erst eindringen können. Weitere Berichte aus Velbert lesen Sie hier.

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