Natur und Umwelt

Wildernde Hunde sind auch in Velbert ein Problem

Freilaufende Hunde hetzen Rehe oft zu Tode oder aber sie reißen sie.

Freilaufende Hunde hetzen Rehe oft zu Tode oder aber sie reißen sie.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Velbert.  Diplom-Forstwirt Peter Tunecke nimmt immer mehr Angriffe von Hunden auf Wild wahr. Hauptgrund: Die Tiere laufen ohne Leine durch den Wald.

Hunde müssen eigentlich stets im Einwirkungsbereich des Halters bleiben, manche Halter interessiert das aber nicht. „Wir haben vermehrt Hundeangriffe auf Wild“, sagt Diplom-Forstwirt Peter Tunecke von den Technischen Betrieben Velbert (TBV).

Vor allem in der so genannten Setz- und Aufzuchtzeit komme es vor, dass Hunde Wild reißen würden. Das liege daran, dass vor allem die Jungtiere noch keine Fluchtinstinkte hätten. Ein junges Reh etwa flüchte bei Gefahr nicht, sondern drücke sich lediglich – bei Hunden mit stark ausgeprägtem Jagdinstinkt eine tödliche Verhaltensweise.

Spaziergänger rufen an

Ist ein „Stück“ Wild, wie es im Fachjargon heißt, erst einmal tödlich verletzt, riefen oft Spaziergänger an. „Die sagen dann oft: ‚Hier liegt ein Reh, das ist irgendwie komisch, bewegt sich aber noch.’“ Tunecke und seine Kollegen sind dann gefordert. „Wir müssen agieren“, sagt er. „Aber es ist schon schade um das Stück, dass dann so zur Strecke kommt.“https://www.waz.de/staedte/velbert/jetzt-den-newsletter-mit-velberter-nachrichten-abonnieren-id227896281.html

Nur auf ausgebauten Wege

Um diese Fälle zu minimieren, sei es notwendig, dass Hundehalter ihrem Tier eine ordentliche Erziehung angedeihen ließen. „Es ist nicht mit dem Recht vereinbar, wenn Hunde in aufwuchsbefindlichen Wiesen, Weiden und Getreidefeldern rumstromern, wenn sie unangeleint in Waldflächen agieren“, sagt der Forstwirt. Denn nur auf ausgebauten Wegen und dort auch nur im so genannten Einwirkungsbereich – also dort, wo der Hund noch auf seinen Halter hören kann – dürfe er ohne Leine sein.

Jäger leiden

Die Beschwerde übrigens, dass zu viel Wild von Hunden gerissen werde, sei keine explizite Beschwerde der Förster, obwohl sie „das sicherlich mittragen“. Vor allem die Jäger litten sehr unter dem Phänomen. Denn die Reviere, in denen gejagt werden darf, gehören genossenschaftlich organisierten Grundeigentümern, die an die Jäger verpachten. Wenn es also in einem Revier regelmäßig zum Wildriss durch Hunde kommt, hat auch der Jäger Probleme, denn er bezahlt und ist eigentlich derjenige, der den Wildbestand gesund halten muss. „Es ist inakzeptabel, wenn wildernde Hunde das erledigen.“

Halter drohen Strafen

Wird ein Hund beim Reißen erwischt, drohen dem Halter Strafen, das Reißen ist meldepflichtig. Um dem aber zu entgehen, sind Tunecke unglaubliche Verhaltensweisen bekannt: „Es sind auch schon Fälle gemeldet worden im Wald, wo der Hundehalter, wenn der Hund etwa ein Rehkitz apportiert, in die andere Richtung geht, weil er sich nicht zu dem Hund zugehörig erklären möchte.“

Wenn der Halter aber festgestellt werden kann, besteht die Möglichkeit, das gravierende Fehlverhalten des Hundes dem Ordnungsamt anzuzeigen. Das kann verschiedene Maßnahmen anordnen, etwa einen Maulkorb oder Leinenpflicht verhängen. In manchen Fällen drohen sogar empfindliche Geldstrafen. „Diese Hunde, die auf andere Tiere hetzen, verletzen tierschutzrechtliche Bestimmungen“, erklärt Tunecke. Deshalb mahnt der Forstwirt, das Gebot der Rücksichtnahme einzuhalten. „Hundehalter sollten Rücksicht nehmen. Wir haben einen multifunktionalen und vielfältig genutzten Wald. „Wenn sich jeder an die Spielregeln hält, hat jeder seinen vollen Nutzen“, sagt Tunecke. Weitere Berichte aus Velbert lesen Sie hier.

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