Pflege

Wenn Demenzpatienten die Sprache nicht mehr verstehen

Die Pflege von Demenzpatienten, die nicht die deusche Muttersprache haben, fordert die Pflegedienste.

Die Pflege von Demenzpatienten, die nicht die deusche Muttersprache haben, fordert die Pflegedienste.

Foto: Mascha Brichta / dpa-tmn

Velbert-Mitte.  Der Umgang mit Demenzkranken ist so schon nicht einfach. Doch was tun, wenn der Patient plötzlich kein Deutsch mehr spricht?

Die kleine Handkarte ist praktisch für den Pfleger: Auf der einen Seite steht ein Satz auf Deutsch, direkt gegenüber die Übersetzung ins Russische. Er zeigt auf den deutschen Satz, der Patient liest den Part in seiner Muttersprache und antwortet auf die gleiche Art und Weise.

Hilfsmittel wie diese sind für Menschen, die in der Pflege tätig sind, Gold wert. Denn nicht jeder Patient ist Muttersprachler, kann sich problemlos auf Deutsch verständigen. Und nicht jede Pflegekraft spricht eine oder gar mehrere Fremdsprachen.

Dennoch müssen diese Menschen versorgt werden. Noch schwieriger wird es, wenn Demenz ins Spiel kommt und Patienten, die mal mehr oder weniger gut Deutsch konnten, plötzlich nur noch in ihrer Muttersprache reden. „Und die Zahl der fremdsprachigen Patienten nimmt zu“, sagt Aysel Tok, Inhaberin des Pflegedienstes „Schwestern mit Herz“.

Mitarbeiter sprechen verschiedene Sprachen

Und was können Pflegekräfte da machen? „Es gibt mehrere Möglichkeiten, damit umzugehen“, erläutert Aysel Tok. Einmal könne man – wie sie – Glück haben: „Ich selber spreche Türkisch, eine Mitarbeiterin kann Arabisch, eine andere Polnisch.“ Und ihr Bruder als Verwaltungsleiter spreche sehr gut Englisch, was gerade beim Umgang mit Flüchtlingen sehr hilfreich sei.

Wenn solche Kapazitäten allerdings nicht zur Verfügung stehen, dann könne man auch „viel über Mimik und Gestik sowie mit Hilfsmitteln“ schaffen. Aysel Tok erinnert sich an einen Patienten, der zwar Türkisch sprach, aber schwerhörig war. „Dem habe ich ein Bild gezeigt von einem Menschen, der gewaschen wird. Da wusste er: ,Jetzt geht’s los’.“

Wichtig sei immer, „dass der Patient über alle Schritte informiert ist, die ich unternehme.“ Das gehe soweit, dass sie einfach nur auf einen Zettel „Ich pflege Sie jetzt“ schreibt. „Hauptsache, die Patienten bleiben nicht ahnungslos.“

Wissen über Serviceangebote fehlt oft

Ein viel schwerwiegenderes Problem hat Aysel Tok an anderer Stelle ausgemacht: „Viele Familien wissen gar nicht, welchen Service es rund um die Pflege gibt oder welchen Anspruch sie haben.“ Zwar würde etwa der Soziale Dienst in Krankenhäusern informieren, auch an die Pflegedienste verweisen. Aber das reiche nicht.

Deswegen bietet die Unternehmerin Infoveranstaltungen an, zum Beispiel in Moscheen. „Eine Familie klagte etwa mal, dass sie einen benötigten Rollstuhl nicht bezahlen könne“, berichtet Aysel Tok. Sie habe dann erläutert, dass dafür die Krankenkasse zuständig sei.

Sie und ihre Kolleginnen helfen auch dabei, Anträge auszufüllen. Oder bei der Medikamenteneinnahme: „Weil manche Menschen, die keine Muttersprachler sind, zum Beispiel die Beipackzettel nicht verstehen.“

Bekanntheitsgrad nimmt stetig zu

Allerdings: Langsam aber sicher ändere sich die Lage, die Anfragen an sie und ihren Pflegedienst nehmen zu, sagt Aysel Tok. „Flüchtlingsfamilien kommen auf uns zu. Oder welche aus Bulgarien, weil die auch oft Türkisch sprechen.“ Sie sehe das als gutes Zeichen. Einerseits.

Denn andererseits sieht es bei den „Schwestern mit Herz“ nicht anders aus als bei anderen Pflegediensten: „Es ist schwierig, Personal zu finden“, sagt Aysel Tok. „Aber das betrifft ja die ganze Branche.“ Und so fahre sie auch oft selbst mit raus. „Das hat den Vorteil, dass ich immer auf dem aktuellen Stand bin, was den Zustand unserer Patienten betrifft.“

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