Serie „Am Büdchen“

„Weinhalle“ in Velbert-Neviges bietet auch Blumiges

Ausflug in die Botanik: Auch wer schnell mal ein Sträußchen Blumen braucht, ist bei Sebnem Catak in Neviges an der richtigen Adresse.

Foto: Uwe Möller

Ausflug in die Botanik: Auch wer schnell mal ein Sträußchen Blumen braucht, ist bei Sebnem Catak in Neviges an der richtigen Adresse.

Neviges.   Sebnem Catak betreibt den Kiosk an der Bushaltestelle Goethestraße in Neviges. Dort gibt es im Winter sogar Tannenbäume zu kaufen – auch Grillfleisch ist da.

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Steigt man an der Bushaltestelle Goethestraße in Neviges aus, könnte man meinen, vor einem Blumenladen zu stehen. Denn unter dem Carport des Kiosks „Kleine Weinhalle“ mitten im Siepen kann man zwischen Blumensträußen, Topfpflanzen, und Ostergestecken wählen – im Winter stehen auch Weihnachtsbäume zum Verkauf, im Sommer auch Grillkohle. „Ich wurde mal gefragt, ob wir Grillfleisch hätten, seitdem habe ich immer drei Kilo Lammkoteletts im Tiefkühlfach“, erklärt Betreiberin Sebnem Catak und lacht. „Die Leute trauen uns alles zu.“

Catak nimmt es als Kompliment auf, dass ihr Kiosk als Anlaufstelle für „alles, was man gerade so braucht“ gilt. Von eingelegtem Sauerkraut und Sprühsahne über Pralinen und Parfümsets bis hin zu Hygieneartikel ist alles da. „Ursprünglich kommen die Vorläufer des Kiosks aus dem osmanischen Raum“, erklärt Sebnem Catak. Dort konnte man sich unter Pavillons vor der Sonne schützen und Erfrischungen genießen. „Heute ist Kiosk Kult“, findet sie.

Dabei stellt Catak klar: „Ein Kiosk ist erst dann gut, wenn er für mehr als sein Angebot steht. Ich bin auch manchmal Psychologin, die sich alles anhört.“ Man bekomme teils sehr Privates von den Leuten erzählt. Das bestätigt Kundin Petra Adomat: „Das Verhältnis ist freundschaftlich, ich komme fast jeden Tag, wohne ja auch gleich um die Ecke. Hier kann man auch mal sein Herz ausschütten.“

Bis zu 200 Stammkunden jeden Tag

Bevor Sebnem Catak vor acht Jahren die „Kleine Weinhalle“, wie der Kiosk offiziell heißt, übernahm, arbeitete sie als Arzthelferin. „Ich muss mit Menschen zu tun haben, im Büro würde ich es nicht aushalten.“ Mit dabei im Kiosk ist immer Hund Pamuk und in den Ferien zurzeit auch Tochter Isil Su. Sie übt sich fleißig im Kassieren. „Mensch, du wirst ja immer hübscher, Süße“ wird Isil Su von einer Stammkundin begrüßt.

Komplimente geben die Siepener laut Catak viel. Bis zu 200 Stammkunden kommen auch jeden Tag an Sebnem Cataks Büdchen vorbei. Viele kennen sich und verweilen für einen Plausch bei Kaffee oder Zigarette, meist vor und nach der Arbeit. In der Zwischenzeit schauen Erzieher, Lehrer, Mütter und viele Kinder aus der Siedlung und der Schule vorbei. Jugendliche kämen vor allem zu ihr, weil sie zu bequem seien, bis zum Supermarkt zu laufen, vermutet die Inhaberin.

Was sie stört, ist die große Überschneidung des Angebots mit Supermärkten: „Die Großen bieten mittlerweile leider auch alles an, was man als Kiosk so verkauft.“ Deshalb müssten Leute, die Kioske erhalten wollten, dort auch weiterhin einkaufen, „vor allem Ware, die überall gleich teuer ist wie Tabakwaren oder Zeitungen.“ So viele Büdchen hätten schon schließen müssen. „Unmöglich“, findet Catak das und appelliert: „Lasst die kleinen Lädchen leben!“

Der Kiosk ist montags bis freitags von 4 bis 19 Uhr, samstags von 5.30 bis 18 Uhr und sonntags von 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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