You Tube Stars

Wasserrutschen-Tester aus Velbert haben weltweit Fans

Auf der Erfolgswelle schwimmen die beiden Rutschen-Tester (v.l.) Julian und Luca Tschech.

Auf der Erfolgswelle schwimmen die beiden Rutschen-Tester (v.l.) Julian und Luca Tschech.

Foto: Carsten Klein / FUNKE Foto Service

Neviges.  Julian und Luca Tschech testen weltweit Wasserrutsche und zeigen sie auf dem YouTube-Kanal „Tuberides“. Unvergessen: ein Erlebnis in Thailand.

Bunte Röhren, klackende Hydraulik, aufspritzendes Wasser und hohe Geschwindigkeit – das ist die Welt von Julian (26) und Luca Tschech (21). Die beiden filmen sich dabei, wie sie Wasserrutschen testen. Mit enormem Erfolg.

Die meisten Fans kommen aus den USA

Über eine Millionen Abonnenten haben sie auf YouTube, gerundet eine Milliarde Aufrufe – und die meisten Fans kommen aus den USA. „Die haben einen riesen Markt für Freizeitgestaltung. Außerdem finden die Amerikaner die deutschen Rutschen sogar noch besser als ihre. Drüben kommt es fast nur auf die Geschwindigkeit an; hier in Deutschland wird aus dem Rutschen durch Design und Lichteffekte ein richtiges Erlebnis“, erzählt Julian Tschech. Zusammen mit seinem Bruder Luca eröffnete er im Juni 2009 den YouTube-Kanal „Tuberides“.

Eltern waren anfangs skeptisch

„Damals gab es noch keine wasserfesten Kameras, die irgendwie bezahlbar waren“, erinnert sich Luca. Deshalb schweißten sie einfach einen herkömmlichen Camcorder in eine Plastik-Hülle ein und drehten ihr erstes Video in einem Spaßbad in den Niederlanden. Nach und nach besuchten die YouTuber mehr Spaßbäder in der Region, wurden zunehmend von den Inhabern persönlich eingeladen und fast wie von selbst baute sich der Kanal immer weiter auf. „Unsere Eltern waren anfangs skeptisch“, erinnert sich Luca. „Doch das Studium kann man auch noch später nachholen, zurzeit läuft es ja gut“. Die beiden haben in Essen am Gymnasium Borbeck das Abitur gemacht und zogen 2013 nach Neviges.

100.000 neue Abonnenten pro Monat

„Den meisten Zuwachs haben wir letztes Jahr bekommen“, sagt Julian, der Management in Bochum studiert. Bis zu 100.000 neue Abonnenten seien pro Monat dazu gekommen. Auf ihrer Website veröffentlichen sie hin und wieder auch Berichte und produzieren auch Videos auf Kundenauftrag. Die Reichweite ermöglicht den Brüdern zudem nicht nur auf Messen zu gehen und freien Eintritt in die Schwimmbäder, bevor die Badegäste kommen, sondern auch das Reisen in ferne Länder: „Wir sind dieses Jahr zum ersten Mal nach Australien geflogen. Ein sehr interessantes Land“, meint Julian.

Die spektakulärste Rutschen gibt’s in Florida

Nur war das Drehen dort problematisch: „Viele Inhaber wollten nicht, dass wir filmen. Hauptsächlich wegen der leicht bekleideten Badegäste oder des Verletzungsrisikos“. Mit diesen Problemen haben sie auch in Deutschland zu kämpfen. Nur in den USA ist es mit den Regeln entspannter: „Da bekommen wir so viele Angebote, dass wir schon nach einem Urlaub den Inhalt für ein Dreivierteljahr im Kasten haben. Die spektakulärsten Rutschen gibt es in Florida. Dort sind die Parks atemberaubend“, erzählen die YouTuber. Auch die Firma GoPro, die Actioncams, also wasserdichte Sport-Kameras herstellt, sei an die beiden herangetreten.

Sekundenlang durch die Luft geflogen

Nach gut 3000 Rutschen und über 30 besuchten Ländern haben die beiden die Angst vor besonders steilen und schnellen Röhren schon lange verloren. „Nur eine Rutsche würde ich nicht wieder besuchen“, erinnert sich Julian. „In Thailand stand eine, die ab der Hälfte abgeschnitten war. Da flog man viele Sekunden durch die Luft und ich bin sehr ungünstig gelandet“. Die beiden lachen.

Ein Lebenstraum wurde wahr

Zurzeit ziehen die Videoproduzenten um. Zurück nach Essen, in ein größeres Haus. Die Millionen-Marke erreicht zu haben freut die beiden, aber viel wird sich nicht verändern. „Wir werden immer weitermachen, solang es Zuschauer gibt“, sagt Luca Tschech. Auch seien sie, im Gegensatz zu vielen anderen YouTubern, nicht Personen des öffentlichen Lebens. Das finden die beiden aber gut so: „Ich fänd es nicht schön, keinen Meter gehen zu können, ohne angesprochen und um ein Foto gebeten zu werden“, sagt Julian. Rutschen zu testen und generell sich mit der Freizeitindustrie zu beschäftigen, ist ein Lebenstraum der YouTuber.

Von den Einnahmen können sie leben

Luca würde, wenn der Kanal plötzlich nicht mehr laufen würde, seinem ursprünglichen Plan, Informatik zu studieren, nachgehen; Julian aber hat sein Gebiet gefunden.
Die zehn Jahre haben sich gelohnt, heute können die Brüder von den Einnahmen ihres YouTube-Kanals leben. Und auch die Sorge, die Spaßbäder könnten irgendwann zur Neige gehen, seien unbegründet: „Wir bekommen mehr Anfragen, als wir tatsächlich annehmen können“, sagt Julian.


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