Stadtentwicklung

Was Ratsmitglieder in ihrem Neviges bewirken wollen

Die Altstadt von Neviges, hier ein Blick von der Stadtkirche auf den Kirchplatz, ist ebenso reizvoll wie problematisch. So ist die Fußgängerzone auch an Werktagen oft wie leer gefegt.

Die Altstadt von Neviges, hier ein Blick von der Stadtkirche auf den Kirchplatz, ist ebenso reizvoll wie problematisch. So ist die Fußgängerzone auch an Werktagen oft wie leer gefegt.

Foto: Ulrich Bangert / WAZ FotoPool

Neviges.  Die einen wollen den Busverkehr verbessern, andere die Gastronomie stärken. Die WAZ fragte Ratsmitglieder, was sie in Neviges bewirken wollen.

Die nächsten fünf Jahre vertreten sie im Stadtrat ihre Partei oder Wählergemeinschaft, wurden von Nevigesern und Tönisheidern gewählt und leben auch in dem Stadtteil. Die WAZ fragte fünf Ratsmitglieder, was ihnen an ihrem Heimatort am Herzen liegt, was sie künftig ändern oder auch bewahren wollen.

Für Andreas Kanschat (Bündnis 90/Grüne) gibt es im Prinzip zwei große Projekte, für die er sich in Zukunft stark machen will. „Zum einen das Schloss-Projekt. Es ist wichtig, dass das ganze Areal stimmig und vernünftig hergerichtet wird. Dazu gehören auch alle Grünanlagen und der Parkplatz.“ Schloss Hardenberg soll als „Erlebniszentrum Natur“ Touristen nach Neviges locken. Bei dem zweiten wichtigen Projekt, der Bekämpfung des Leerstandes in der Altstadt, „da bin ich skeptisch“, sagt Kanschat unumwunden. „Was macht man mit dieser Innenstadt? Macht das überhaupt noch Sinn, die toten Geschäfte wieder zu beleben oder müssen wir umdenken und stattdessen hier mehr Wohnbebauung fördern?“ Klar sei dagegen, dass „das Radwegenetz in Neviges ausgebaut werden muss“.

Zweite Ausfahrt für den Wimmersberg

Ratsfrau Marlies Ammann (CDU), die seit Jahrzehnten in Tönisheide lebt und im Rat sitzt, freut sich, auch weiterhin die Interessen „ihrer Tönisheider“ zu vertreten. Ihr „allergrößter Wunsch“, für den sie sich mit „aller Kraft“ stark machen will, ist eine zweite Ausfahrtstraße für das Wohngebiet Wimmersberg. „Jetzt, wo hier so viel gebaut wurde, ist das nötiger denn je. Letztens musste mal die Feuerwehr kommen, da war die ganze Zeit die Straße komplett gesperrt. Stundenlang kam niemand rein und niemand raus, so etwas geht einfach nicht.“

Durch die Neubaugebiete Meiberger Weg und „Südblick“ sei zudem der Verkehr stark angestiegen. Eine zweite Zufahrt, etwa über die Wülfrather Straße, müsse her.

Bus soll häufiger fahren

Der Sportplatz Hohenbruchstraße liegt Matthias Gohr (SPD) besonders am Herzen. Der letzte Aschenplatz in Velbert soll bald der Vergangenheit angehören, die Sportfreunde Siepen und alle Jugendlichen aus dem Viertel sollen auf Kunstrasen kicken. „Und die Buslinie 649 nach Velbert-Mitte beziehungsweise nach Wuppertal sollte häufiger fahren.“ Zurzeit verkehrt der 649er im 20-Minuten-Takt, Ziel sind 15 Minuten. Auch dürfe man in den nächsten fünf Jahren das Projekt „Neviges am Wasser“ mit Freilegung des Hardenberger Baches nicht aus den Augen verlieren. „Der Busbahnhof sollte dann verlegt werden in Richtung S-Bahnhof, dann hätten wir dort ein Verkehrszentrum.“ Auch für das Thema „Sicherer Schulweg“ will sich die SPD weiter stark machen. So sei es wichtig, dass es durch die Sanierung der Hohenbruchstraße bald auch eine bessere Querung für die Kinder der Sonnenschule und Regenbogenschule gebe.

In Tönisheide weiter am Ball bleiben

Wilbert Hager (UVB) ist Tönisheider mit Leib und Seele, sein Blumengeschäft an der Kuhlendahler Straße besteht seit 50 Jahren. „Ich wohne hier und natürlich setze ich mich für Tönisheide ein, aber ich arbeite auch für die ganze Stadt, da hab ich keine Scheuklappen auf.“ Zum Glück gebe es in Tönisheide, was den Einzelhandel betreffe, nicht so gravierende Probleme wie in Neviges. Und er werde alles tun, damit das so bleibe. „Steht ein Laden leer, muss da ganz schnell ein neuer rein. Das ist wichtig, dass sowas fix geht.“ Und man dürfe die Gastronomie nicht aus den Augen verlieren. „Wir haben hier im Ort gute Lokale und dann unsere Kleine Schweiz, die ist einfach phantastisch. Und das muss so bleiben. Nur bei den Pinten, da könnten wir noch was gebrauchen, da arbeiten wir dran.“

Zudem hoffe er, dass auch in Zukunft die Zusammenarbeit mit den Technischen Betrieben Velbert (TBV) und den Abteilungen der Stadtverwaltung so gut laufe. „Die Leute hier auf der Straße oder auch Kunden sprechen mich immer mal wieder an, wenn sie etwas stört. Oft kann ich das dann auf dem ganz kleinen Dienstweg regeln, das klappt wirklich gut.“ So sei für viele das Thema „Sauberkeit“ wichtig, da hätten die TBV oft schnell und unkompliziert geholfen.

Enttäuschung über Wahlergebnis

Wie sehr August-Friedrich Tonscheid, Bürgermeister-Kandidat und Vorsitzender der Wählergemeinschaft Velbert anders, für sein Neviges brennt, wie sehr ihm sein Stadtteil am Herzen liegt, beweist er unermüdlich in den Sitzungen des Bezirksausschusses. Aber einen Tag nach dem Urnengang, da sagt das kämpferische Nevigeser Urgestein sarkastisch nur: „Anpacken? Ich werde hier nichts anpacken. Wenn man sich die Programme der anderen anguckt, da findet man so dolle Vorschläge, die kann ich gar nicht mehr toppen.“

Tief sitzt die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden. „Ja, ich habe viel bewegt, habe zum Beispiel auch viele Mitglieder im Bürgerverein Neviges-Hardenberg gewonnen. Und ich habe nie, wirklich nie, da Politik gemacht.“ Unter seinem Vorsitz hat sich die Zahl der Mitglieder mehr als verdreifacht. Was die Zukunft von Neviges betreffe, sagt Tonscheid: „Jetzt sind die am Zug, die die Wahl gewonnen haben.“

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