Demenz

Warum Pflegende auf ihre eigenen Bedürfnisse achten müssen

Die Betreuer von Demenzkranken sind besonderen Belastungen ausgesetzt.

Die Betreuer von Demenzkranken sind besonderen Belastungen ausgesetzt.

Foto: David Hecker / dpa

Velbert-Langenberg.  Wer Demenzkranke versorgt, ist besonderen Belastungen ausgesetzt. In Langenberg tauschten sich Seminarteilnehmer offen über ihre Probleme aus.

Wie wichtig es ist, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, zeigte der offiziell letzte Teil des Seminars „Begleitung und Betreuung von Menschen mit Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen“. Es ging in der Klippe 2 um das Thema „Für sich selber sorgen, eigene Bedürfnisse erkennen, Grenzen setzen und akzeptieren“.

Verena Penschinski, Erziehungswissenschaftlerin und Krankenschwester, blickte gemeinsam mit den Teilnehmern auf das vorherige Treffen und stellte fest: „Die letzte Sitzung hat viele bewegt, alles ist sehr nah.“ „Es tut gut, dass man hier so offen und ehrlich sein kann“, bekannte dann auch eine Teilnehmerin. Und Penschinski bestätigte: „Hier wird geteilt, Erfahrungen und Gefühle werden ausgetauscht.“ Nahtlos knüpfte das aktuelle Thema daran an.

Für sich selbst sorgen

Zunächst durfte sich jeder eine Karte aussuchen und erzählen, warum er genau diese Karte gewählt hatte. Die Gründe waren sehr unterschiedlich. Mal brachten die Motive Trost, mal erinnerten sie an Erlebnisse oder zeugten von inneren Sehnsüchten. Letztlich fragte Penschinski konkreter nach: „Was braucht es, um für sich selbst zu sorgen, Grenzen zu setzen?“ Symbolhaft platzierte sie eine Waage in die Mitte des Kreises, in dem alle saßen und ließ Karten ausfüllen. Darauf wurden Begriffe gesammelt zur Belastbarkeit, zu Kraftquellen und Ressourcen. „Die Gewichte sind die ‘Guten’, die Ressourcen und Hilfen. Die kleinen Steine symbolisierten die Probleme.

Gute Gefühle und Erinnerungen speichern

Manchmal helfe es schon, sich zu erinnern. Die Erfahrungen und Gefühle, die mit bestimmten Bildern verbunden sind, seien „gespeichert“. Auch wenn der Urlaub schon länger zurück liege, die Erinnerung, das Erzählen und Nachempfinden seien selbst noch einmal ein Erlebnis. Dann wurde gesammelt, was belastet. Trotz der Offenheit in der Gruppe wurden Scham und Vertrauen thematisiert. Jeder empfinde diese sehr unterschiedlich. Ebenso, wie jeder seine Belastung anders empfinde.

In der Betreuung von dementen Angehörigen kämen dann neben den sowieso bereits täglichen Sorgen noch weitere hinzu: beispielsweise das Auflösen einer Wohnung, der Abschied auf Raten vom Partner, der eigene berufliche Stress. Jeder habe sehr unterschiedliche Belastungen. Was dem einen leicht fällt, lasse den anderen fast zusammenbrechen.

Immer alles alleine erledigen müssen

Immer wieder kam durch: Alles selbst regeln zu müssen, alles alleine zu erledigen und ganz auf sich selbst gestellt zu sein, mache den größten Teil der Belastungen aus. Wenn sich in dieser Situation dann auch noch Freunde oder gar die Familie abwenden…

Wenn man sich in dieser Situation erlaube, für sich selbst zu sorgen, sei das dann Egoismus? „Nennen wir es doch Selbstfürsorge“, half die Seminarleiterin. „Manchmal ist es physikalisch der kleinste Stein, der das System zum Kippen bringt.“ Wer für sich selbst nicht ausreichend sorgt, kann letztlich nicht für den anderen da sein.

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