Seniorenarbeit

Warum Muskeln und Bewegung im Alter wichtig sind

Ein Dutzend Besucher und Besucherinnen hörten den Ausführungen von Physiotherapeut Oliver Emmerling in der Begegnungsstätte St. Michael zu.

Ein Dutzend Besucher und Besucherinnen hörten den Ausführungen von Physiotherapeut Oliver Emmerling in der Begegnungsstätte St. Michael zu.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Physiotherapeut Oliver Emmerling war zu Gast in der Langenberger Begegnungsstätte St. Michael. Er empfahl, sich seinen Sport genau auszusuchen.

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Vor fünf Jahren übernahm der Heiligenhauser Oliver Emmerling die Physiotherapiepraxis Physioplus in der Kamper Straße. Nun referierte der 43-Jährige vor einem Dutzend Interessierter in der Aktiv-Begegnungsstätte St. Michael im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mehr Gesundheit für Jung und Alt“.

„Grundsätzlich alles Diagnosen hinterfragen“

„Mein Tipp für alle: Man sollte grundsätzlich alles Hinterfragen. Wenn es heißt, es muss operiert werden: Fragen Sie nicht wann, sondern warum!“. Dann erläuterte er das derzeitige Gesundheitssystem. 2002 gab es eine große Gesundheitsreform, bis dahin seien die Möglichkeiten recht stark ausgeschöpft und teilweise auch über Gebühr ausgenutzt worden. Damals wurde der bis heute existierende Heilmittelkatalog erstellt. Je nach Arzt und Budget gibt es gerade für gesetzlich Versicherte Einschränkungen in der Verordnung: „Wenn der Arzt sagt, er dürfe nicht mehr verschreiben… Rufen Sie doch bei Ihrer Krankenkasse an.“

Keinen homogenen Gruppen im Reha-Sport

Mit der Gesundheitsreform seien Regelfälle definiert worden. Praxen machten zu, doch inzwischen habe sich der Markt reguliert. „Aus meiner Sicht arbeitet man zu wenig für den Patienten,“ sagt Emmerling und leitet damit zum Reha-Sport über, dessen größtes Manko es sei, dass es dort keine homogenen Gruppen gebe und dort möglicherweise zu Lasten der eigenen Problematik gearbeitet werde.

Auf manuelle Therapie konzentriert

„Mein Beruf wird oft aufs Massieren reduziert, früher war es mehr Krankengymnastik.“ Allerdings bedeutet der Beruf des Physiotherapeuten vor allem, sich fortzubilden. Physiotherapeuten behandeln Menschen jeden Alters, vom Säugling bis ins hohe Alter. „Ich habe mich auf manuelle Therapie konzentriert und manuelle Lymphdrainage“. Eine neues Themenfeld sei CMD (Craniomandibulärer Dysfunktion). Gemeint ist eine Fehlfunktion im Bereich zwischen Schädel (Cranium) und Kiefer (Mandibula) sowie alle Beschwerden, die darauf zurückgeführt werden können.

Ausreden fürs Aufhören

Grundsätzlich kann jeder Physiotherapie bekommen, egal ob gesetzlich oder privat versichert. Während des Berufslebens würde weniger Probleme auftauchen, da man da in Bewegung sei. Nicht jeder Sport eigne sich aber für jeden. Wenn ihm Patienten erzählten, sie würden doch schon so viel machen, dann antworte er: „Wenn Sie alles richtig machen würden, wären Sie nicht bei mir.“ Die meisten würden nur so lang ihre Übungen machen, wie sie Beschwerden hätten. Bei den Ausreden fürs Aufhören konnten auch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen lachend einige beisteuern.

Ein weiteres Problem sei, dass gerade bei der Diagnose die Patienten kaum noch angefasst und getestet würden und Bild gebende Verfahren immer häufiger zur Diagnose führten. Gleichzeitig bricht Emmerling auch die Lanze für die Ärzte, die kaum noch Zeit hätten für ihre Patienten. Schlimm seien die Medien, die pauschale, angebliche Diagnosehilfen geben.

Die Bewegung muss Spaß machen

Bei allen guten Tipps stand aber im Vordergrund: „Es muss Spaß machen. Es gibt keine falsche Bewegung, nur einen Körper, der die Belastung durch die Bewegung gerade nicht halten kann.“ Es gebe auch nicht den richtigen Stuhl und der Heiligenhauser erzählt von Studien. Alle Dreiviertelstunde sei bei sitzendem Personal eine bestimmte Übung auf dem Bildschirm angeordnet worden: „40 Prozent der Beschwerden gingen zurück.“ Oder Springer in der Automobilfertigung, die in der Zeit, in der sie auf ihren Einsatz warten, sportliche Übungen machten. Auch da seien die Beschwerden zurück gegangen.

Letztlich gab Oliver Emmerling den Tipp, sich selbst zu analysieren: „Wenn ich nach zwei Stunden Bügeln Beschwerden bekomme, dann hören Sie vorher auf.“ Man solle Übungen machen, um die Muskulatur zu stärken: „Wenn es nicht anstrengt, bringt es nichts. Muskeln kriegt man nicht geschenkt.“

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