Denkmal-Serie

Vor rund 120 Jahren eröffnete die Langenberger Badeanstalt

Vor der Jahrhundertwende befanden sich in den meisten Häusern noch nicht in jeder Wohnung Badewannen. Ein Besuch in der Badeanstalt war ein festes Ritual.

Vor der Jahrhundertwende befanden sich in den meisten Häusern noch nicht in jeder Wohnung Badewannen. Ein Besuch in der Badeanstalt war ein festes Ritual.

Foto: Uwe Möller

Langenberg.   Weil ein Unternehmer eine Strafe bekam, fiel das Schwimmbecken in der Badeanstalt kürzer aus. Zuletzt war dort das Jugendzentrum untergebracht.

An die Alte Badeanstalt an der Vogteierstraße 28 erinnern sich bestimmt noch viele alteingesessene Langenberger. Dass man dort als Familie gemeinsam das Samstagsbad nahm, war früher selbstverständlich. Auch schwimmen lernten dort zahlreiche Kinder und Jugendliche über die Jahrzehnte hinweg.

Das 1897 im Jugendstil errichtete Gebäude war in seiner Funktion als öffentliches Bad das erste seiner Art in der ganzen Region und steht unter Denkmalschutz.

Besuch in der Badeanstalt war ein festes Ritual

Vor der Jahrhundertwende befanden sich in den meisten Häusern noch nicht in jeder Wohnung Badewannen und Duschen und ein Besuch in der Badeanstalt gehörte für viele Familien zum festen Ritual. „Man ging da gemeinsam am Wochenende hin und mietete sich dann für eine Stunde einen Baderaum“, erläutert Langenbergs Stadtführer Karl Goldmann.

Das Gebäude wurde im Bauboom der Gründerzeit errichtet, als in ganz Velbert viele Fabrikantenvillen und großbürgerliche Wohnhäuser entstanden. Doch wie finanzierte sich so ein großes öffentliches Gebäude damals? Der Verein Alt-Langenberg klärt auf: „Zwei Drittel der Kosten wurden von Langenberger Bürgern und Unternehmerfamilien wie Colsman, Hoddick, Conze und Köttgen gesammelt.“

Falsch geritten, Knöllchen kassiert

Das Grundstück stellte Unternehmer Köttgen zur Verfügung, ein 25 Meter langes Becken war geplant. Doch dann passierte es: „Als Köttgen eine Straße verbotenerweise beritt, kassierte er von der Polizei ein Knöllchen. Darauf war er so verärgert, dass er einen Teil des gestifteten Grundstücks zurückzog.“ So wurde das Schwimmbecken nur 16,67 Meter lang.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Hallendach des roten Backsteingebäudes beschädigt. Außerdem erfuhr die Fassade des Gebäudes im Zuge der in den 1950er Jahren üblichen Modernisierungen eine Überarbeitung. Leider sind durch diese Umstände die ornamentalen Rundfenster der Schwimmhalle nicht mehr erhalten. Das Schmuckfeld über der Eingangstüre hat allerdings die Zeit überdauert und erzählt in römischen Zahlen vom Baujahr.

Einige Spuren der damaligen Zeit sind noch zu finden

Heute sind in den Innenräumen vor allem die Spuren der 37 Jahre langen Nutzung als Jugendzentrum zu sehen. Doch im Bereich des Eingangs, des Flurs und in einigen ehemaligen Badezimmern sind noch die schönen ursprünglichen Ornamentfliesen aus Zement zu sehen.

Die Langenbergerin Christel Blum erinnert sich: „Das Schwimmen hat in meiner Kindheit und Jugend eine große Rolle gespielt. Ich habe in der Badeanstalt Anfang der 1960er Jahre Schwimmen gelernt und anschließend, als Mitglied der DLRG, dort meinen Fahrtenschwimmer gemacht.“

<<< LÖWENKOPF UND BADEN IM BACH

Der steinerne Löwenkopf, einst der Wasserspeier im Schwimmbecken der Alten Badeanstalt, hängt heute im Nizzabad an einer Wand.

Vor dem Bau der Badanstalt war es in den warmen Monaten üblich, Bäche anzustauen und darin zu baden. Dies war allerdings den Jungen und Männern vorbehalten.

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