Bundestagswahl

Vier Jungwähler und der Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat ist seit zwei Jahren regelmäßig vor Wahlen online – für manche Entscheidungshilfe, für manche ein nettes Spielzeug.

Der Wahl-O-Mat ist seit zwei Jahren regelmäßig vor Wahlen online – für manche Entscheidungshilfe, für manche ein nettes Spielzeug.

Foto: Annika Dederichs

Velbert-Mitte.  Vier Jungwähler klicken sich durch den Wahl-O-Maten. 38 Fragen, 38 Entscheidungen. Mit dabei sind zwei Nachwuchspolitiker aus Velbert.

Seit 2002 bietet die Bundeszentrale für politische Bildung den Wahl-O-Maten an. Diese Web-Anwendung soll als Entscheidungshilfe bei Wahlen dienen – und ist inzwischen so beliebt, dass die Seite regelmäßig in den ersten Stunden nicht zu erreichen ist, wenn sie vor einer Wahl online geht. Für uns haben sich vier Jungwähler mit dem Tool auseinandergesetzt.

Moritz Weßling, Junge Union Velbert

Moritz ist 21 und Vorsitzender der Jungen Union in Velbert. Ihm ist aufgefallen, dass zu dieser Bundestagswahl einige Fragen im Wahl-O-Maten auftauchen, „die eindeutig durch Themen der AfD geprägt sind“ – etwa die nach der Erinnerungskultur. Moritz allerdings findet gut, dass es solche Fragen gibt: „Hier kann man sich klar von der AfD abgrenzen.“ Durch die insgesamt 38 Fragen klickt er sich relativ zügig. „Natürlich weiß ich was ich klicken muss, damit am Ende CDU rauskommt“, sagt er lachend. Aber „ich habe versucht, das auszublenden.“ So sind dem JU-Vorsitzenden die Themen Bildung und Finanzen wichtig. „Ich finde es Wahnsinn, dass große Unternehmen sich in Steueroasen zurück ziehen.“ Das müsse sich ändern. Und Steuerüberschüsse sollten – wenn überhaupt – in die Bildung investiert werden. Am Ende stimmt das Ergebnis bei Moritz doch mit der Parteizugehörigkeit überein (77 % CDU). Und was den Erfolg der AfD anbelangt – „da müssen sich alle Parteien an die eigene Nase fassen. Es gibt zu viele Menschen in Deutschland, die sich nicht beachtet fühlen.“

Kevin Rahn, Jusos Kreis Mettmann

Kevin, 23, ist stellvertretender Vorsitzender der Jusos im Kreis Mettmann. Was sowohl ihm als auch seinem JU-Kollegen aufgefallen ist: Die Antwortmöglichkeiten „stimme zu“, „stimme nicht zu“ und „neutral“ seien manchmal nicht ausreichend. „Ich würde bei manchen Fragen auch gerne mit ,ja, aber’ antworten“, sagt der 23-Jährige. Auch er klickt sich zügig durch die Fragen. Das bedingungslose Grundeinkommen sei interessant, aber „ich bin noch nicht überzeugt von dem Konzept.“ Die Frage zur EU findet er die schlechteste Frage – „denn alle Parteien haben etwas zu dem Thema zu sagen, alle wollen etwas verändern.“ Er sei jedenfalls überzeugter Europäer. Schwerpunkte setzt er genauso wie Moritz unter anderem bei der Bildungspolitik – und ist dann vom Ergebnis überrascht: Denn der Wahl-O-Mat spuckt aus, dass er die Grünen wählen sollte (80 %). Die SPD landet „nur“ auf Platz zwei (75 %). „Dabei habe ich doch bei den Umweltfragen eher neutral oder dagegen geklickt“, kommentiert er lachend. Trotzdem „ist das Ergebnis in Ordnung.“

Die Jungwähler

Merle ist 17 ¾ Jahre alt und drei Wochen trennen sie von der ersten Stimmabgabe bei einer Wahl. Für Politik interessiert sich die Gymnasiastin aber dennoch und so klickt sie sich recht schnell durch den Wahl-o-maten. Sie antwortet spontan. Bei manchen Fragen fällt ihr die Antwort schwerer. Was bitte ist die Grunderwerbssteuer? Und auch mit dem Braunkohletagebau kann die Schülerin wenig anfangen, auch die Rente liegt für sie noch in weiter Ferne. Ganz klar ist sie aber gegen mehr Videoüberwachung und gegen den Einsatz der Bundeswehr im Innern. Und Bafög sollte unabhängig vom Einkommen der Eltern gezahlt werden, damit die jungen Leute in der Ausbildung nicht mehr von ihren Eltern abhängig sind. Nach den 38 Fragen steht ihr Resultat fest. Sie landet bei den Piraten. Ob sie die wählen würden? Vielleicht! aber wählen gehen will sie bei der nächsten Wahl auf jeden Fall. Merle bemängelt, dass am Ende nur acht Parteien ausgewählt werden können. Besser fände sie ein Vergleich mit allen Parteien, damit man wirklich die Wahl habe und auch mal die anderen kennenlernen.

Joel ist Student und fast 22 Jahre alt. Gewählt hat er schon öfter, hat an jeder möglichen Wahl teilgenommen. Auch er klickt sich flott durch die Wahl-o-mat-Fragen. Er ist für eine starken Staat, möchte die Banken verstaatlichen und die Vermögenssteuer; die Grunderwerbssteuer sollte bleiben, schließlich brauche der Staat Geld. Die Staatsverschuldung möchte er nicht abbauen, weil mehr Geld in die Bildung fließen soll. Er ist für ein bedingungslosen Grundeinkommen. Das Resultat überrascht nicht: zwischen Linke und Grünen. Ob er auch so wählt? Noch keine Ahnung. Aber seine Stimme will er auf jeden Fall abgeben.

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