Kultur

Verein erweckt marode Freilichtbühne zu neuem Leben

Stellen mit Herzblut eine alte Kulturstätte wieder her (v.l.): Andreas Bangemann, Holger Kreft, Jonathan Ries mit Lebensgefährtin Daniela Saleth und Tochter Kosma und Tanja Adam-Heusler.

Foto: Uwe Möller

Stellen mit Herzblut eine alte Kulturstätte wieder her (v.l.): Andreas Bangemann, Holger Kreft, Jonathan Ries mit Lebensgefährtin Daniela Saleth und Tochter Kosma und Tanja Adam-Heusler. Foto: Uwe Möller

Neviges.   Auf der Grenze zwischen Neviges und Wuppertal erweckt ein Verein eine Freilichtbühne zu neuem Leben. Der Ort fasziniert seit jeher die Menschen.

Sie alle haben eine Vision. Und einen konkreten Termin, diese Vision der Öffentlichkeit zu präsentieren: Auf dem Gelände der Silvio-Gesell-Tagungsstätte am Schanzenweg, auf der Grenze zwischen Neviges und Wuppertal, restaurieren Mitglieder des Vereins „Freiwirtschaftlicher Jugendverband Deutschland“ (FJVD) eine Freilichtbühne aus den 20er Jahren. Die ersten Aufführungen sind bereits für Ende Juni geplant.

Die ersten Aufführungen sind im Juni geplant

An dem Wochenende 23. bis 25. Juni werden Bands aus der Region sowie Vertreter der freien Theaterszene auftreten, so freut sich Tanja Adam-Heusler, die in der hier ansässigen „Akademie im Lernort Wuppertal“ diverse Projekte betreut. Bis dahin ist noch viel zu tun an diesem Ort, der schon in den zwanziger Jahren kulturinteressierte Menschen in seinen Bann gezogen hat – und das bis heute.

Einer von ihnen ist Jonathan Ries, der sich selbst als „Kreativwanderer“ bezeichnet. „Ich wollte eigentlich nur drei Tage bleiben“, erzählt Ries, der einst Sportwissenschaft studierte und ein besonderes Faible für das Bewegungstheater hat. Aus den drei Tagen wurden fünf Jahre: Als Ries bei einem Kunstprojekt im Jahr 2012 auf dem Gelände der Silvio Gesell-Tagungsstätte – Anlass war der 150. Geburtstag des Namensgebers – die heruntergekommene Freilichtbühne entdeckte, da war es um ihn geschehen: „Das war ein magischer Ort. Ich wusste, hier kann man etwas bewegen.“ Ries blieb, genau wie seine Lebensgefährtin Daniela Saleth, die auf dem idyllischen Gelände unter anderem das Projekt „Lerngarten“ betreut.

Ein magischer Ort – das fand in den zwanziger Jahren auch ein Kreis junger Menschen, der sich auf dem Gelände des alten Steinbruchs traf. Die Anhänger der „Freiwirtschaftslehre“, als dessen Begründer der Ökonom und Sozialreformer Johann Silvio Gesell gilt, trafen sich hier zum wandern, musizieren, diskutieren.

Gärtner spendete 1000 Bäume

Im April des Jahres 1927 gründete sich daraus der Verein „Freiwirtschaftlicher Jugendverband Deutschland“, der auch die Freilichtbühne schuf. 1932 wurde das Theater eingeweiht, in jenem Jahr stiftete ein Hamburger Gärtner auch rund 1000 Bäume, die bis heute die wunderschöne Kulisse bilden. 1937 wurde der Verein von den Nazis aufgelöst, die auch große Teile der Bühne zerstörten.

Verein garantiert behutsame Restaurierung

In den 50er Jahren gründete sich der Verein neu - und zum 90-jährigen Bestehen soll auch die Freilichtbühne wieder Kulturschaffenden eine Plattform bieten. „Wir gehen bei der Restaurierung sehr behutsam vor“, betont Andreas Bangemann, 1. Vorsitzender des Vereins und Pächter des Geländes. Einst verfügte die Bühne über sieben Ränge, die sich jedoch voraussichtlich nicht alle wiederherstellen lassen. Von der Arbeitskraft ganz zu schweigen, kommen auch Kosten auf den Verein zu: Im Moment laufen gerade Verhandlungen mit einem Steinbruch aus der Region über die Lieferung von Muschelkalk-Steinen.

Eine schöne Finanzspritze wäre da der Gewinn des mit 5000 Euro dotierten Impuls-Award von „Wuppertal aktiv“, um den sich der Verein beworben hat. Auch freiwillige Helfer sind auf dem Gelände der Silvio Gesell-Tagungsstätte, Schanzenweg 86, gern gesehen. Bei Interesse bitte melden unter der Telefonnummer 02053/42 37 66.

Ökonom Silvio Gesell stellte 1916 seine Theorie vor

In seinem Buch „Die natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld“, stellte der Ökonom Silvio Gesell 1916 seine Theorie vor. Dieses Werk ist bis heute wesentliche Grundlage der Freiwirtschaftslehre. Silvio Gesell vertrat eine weltbürgerliche Einstellung. Nach seiner Überzeugung sollte die Erde allen Menschen gleichermaßen gehören, ohne Unterschied von Geschlecht, Stand, Vermögen, Religion, Alter oder Leistungsfähigkeit. Landesgrenzen müssten überflüssig werden.

Das Geld dem Menschen und der Gesellschaft dienlich zu machzen, dies gehörte ebenfalls zu den Grundsätzen des Kaufmanns, der in Argentinien, in der Schweiz und Deutschland lebte. Oberstes Ziel Gesells war eine Wirtschaft ohne störende Konjunkturschwankungen und eine gerechte soziale Ordnung. Dazu gehörte für ihn der Abbau aller ererbten und gesetzlichen Vorrechte. Jeder sollte einzig seine persönlichen Fähigkeiten einsetzen, damit aber auch sein Auskommen finden können.

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