Verbraucher

Verbraucherberater in Velbert soll Verstärkung bekommen

Andreas Adelberger (54) leitet die Beratungsstelle vor Ort schon seit 2001. Im vergangenen Jahr kamen fast 4700 Ratsuchende zu ihm.

Andreas Adelberger (54) leitet die Beratungsstelle vor Ort schon seit 2001. Im vergangenen Jahr kamen fast 4700 Ratsuchende zu ihm.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Die Fortführung und Ausweitung der Angebote der Verbraucherberatungsstelle ist jetzt Thema in Kreistagsgremien. Es gibt aber zwei Vorbehalte.

Wohl kaum eine andere Einrichtung hat einen solchen Zustrom und wird so dermaßen überrannt wie die Velberter Beratungsstelle der Verbraucherzentrale (VZ) NRW. Für fast 4700 „Kunden“ war sie 2018 eine gefragte Anlaufstelle. Die Themen und Probleme sind vielfältig: untergejubelte Verträge für Strom und Gas, dreiste Abzocke im Netz oder auch übertriebene Forderungen von Inkassounternehmen. Bislang wuppt der Leiter, Andreas Adelberger, das alles ganz alleine. Aber es besteht Aussicht auf Entspannung. Details werden unter dem doppelt verheißungsvollen Tagesordnungspunkt „Fortführung und Ausweitung der Beratungsangebote“ am nächsten Donnerstag vorberaten.

Jetziger Vertrag läuft zum Jahresende aus

Dann tagt in Mettmann der Fachausschuss des Kreistags für Ordnungsangelegenheiten und Verbraucherschutz; die Beschlussfassung erfolgt am 8. Juli im Mettmanner Kreistag. Der aktuelle Vertrag läuft zum Jahresende aus. Nun steht in den Gremien zur Diskussion und Abstimmung, dass erstens die finanzielle Unterstützung der Beratungsstelle durch den Kreis fortgeführt wird. Zweitens heißt es in der Vorlage: Zur Stärkung der Verbraucherberatung im Norden des Kreisgebietes wird die Förderung der Beratungsstelle in Velbert ab dem Jahr 2020 ausgeweitet, um die Einstellung einer zweiten Beratungskraft zu ermöglichen.

Es gibt drei Vertragsparteien bei der Finanzierung. Bisher trägt das Land die Hälfte der Kosten; von dem kommunalen Anteil zahlen rund 92 Prozent der Kreis und rund acht die Stadt Velbert. Die neue Marschrichtung steht ausdrücklich unter zwei Vorbehalten: Das Land soll weiter seine 50 Prozent kofinanzieren. Und die Bezirksregierung Düsseldorf – sie ist schließlich die für die Stärkungspakt-Kommunen zuständige Genehmigungsbehörde – muss erst einmal den Velberter Vorschlag absegnen, sich selbst stärker zu beteiligen und den kommunalen Part künftig mit 90 Prozent auf den Kreis und mit zehn auf Velbert aufzuteilen.

Nachfrage nach Beratung ist groß

Der Vorstoß für eine weitere Kraft stammt von der VZ, die das mit der hohen Nachfrage nach Beratung begründet. Das findet vor Ort Rückhalt, im Kreishaus sieht man das ebenfalls durch die Auslastungszahlen als gerechtfertigt an. So gab es im letzten Jahr insgesamt 4674 Anfragen in der allgemeinen Verbraucherberatung. Ohne die Leistungen in der Energieberatung seien 661 allgemeine Beratungen, 453 Rechtsberatungen und 265 Rechtsvertretungen geleistet worden. Nach Auskunft von Andreas Adelberger – „Ich kann mich net vierteilen“ – hat sich zuletzt u. a. die Zahl aufwändiger Rechtsvertretungen, die mit umfangreichem Schriftverkehr verbunden seien, mehr als verdoppelt, kommt er kaum noch dazu, Vorträge zu halten.

Wartende hören Gespräche zwangsläufig mit

Prinzipiell würden die Fachgebiete immer komplizierter, die Fälle und die Recherchearbeit zunehmend schwieriger: „Aber wir wollen ja schließlich gute Arbeit leisten.“ Der 54-Jährige leitet die Einrichtung seit 2001. Er hat eine halbe Bürokraft; als Honorarkräfte gibt es zudem Anwälte, z. B. für Mietrecht, Versicherungen oder Reiserecht. Nicht zuletzt wünscht sich Adelberger ein Plus an Diskretion. Denn während er an der Theke ein Ehepaar berät, bekommen das die Wartenden zwangsläufig mit. Das mag bei Handwerker-Knatsch kein Problem sein, sieht bei existenziellen Fragen, Trennung oder Schulden aber schon ganz anders aus. Ach ja, und binnen knapp zehn Minuten klingelt vier Mal das Telefon. Dabei ist es „ein ruhiger Freitag“.

Von einer weiteren Beratungskraft versprechen sich die Befürworter u. a. mehr Flexibilität und eine leichtere Organisation von Vertretungen. Überdies gibt es Überlegungen, in Teilen auch Beratungen in anderen nördlichen Städten des Kreisgebietes anzubieten. Das würde es Menschen, die nicht mobil seien und nicht nach Velbert kommen könnten, ermöglichen, dennoch die Verbraucherberatungsangebote nutzen zu können.

Bedingung erfüllen für Kofinanzierung

Die jährliche Förderleistung des Kreises beträgt bisher 70.300 Euro. Sie würde ab dem kommenden Jahr auf 132.000 Euro steigen. Sollte die Bezirksregierung die Förderpläne von Velbert ganz oder oder teilweise missbilligen, so würde die Förderleistung des Kreises im Maximalfall auf 146.800 Euro klettern. Diese Summe muss von kommunaler Seite erreicht werden, um die Bedingungen für die 50-prozentige Kofinanzierung des Landes zu erfüllen. Der neue Vertrag soll über fünf Jahre laufen. Bleiben alle Partner bei der Stange, verlängert er sich jeweils automatisch um fünf weitere.

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