Prozess

Velberter telefonierten über Straßenraub: Polizei hörte mit

Die beiden Angeklagten müssen sich vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten.

Die beiden Angeklagten müssen sich vor dem Wuppertaler Landgericht verantworten.

Foto: Jan-Philipp Strobel / dpa

Wuppertal.  Zwei Männer stehen vor dem Wuppertaler Landgericht. Sie sollen einem 21-Jährigen mit Waffengewalt sein Handy geraubt haben.

In einem Prozess um bewaffneten Straßenraub belasten Aufnahmen aus einer Telefonüberwachung der Polizei die beiden 19 und 24 Jahre alten Angeklagten aus Velbert. Die beiden Brüder sollen im August 2018 einem dritten Beteiligten (21) mit vorgehaltener Pistole ein Handy abgepresst haben. Das Landgericht in Wuppertal muss die Vorwürfe prüfen.

Das Telefon soll einem Hintermann des 21-Jährigen gehört haben. Der ist einer von drei mutmaßlichen Drahtziehern einer Gruppe schwer bewaffneter Velberter Marihuana-Händler. In dem geraubten Handy sollen reihenweise Nummern von Abnehmern und Lieferanten des Drogen-Netzwerks gespeichert gewesen sein. Die Überwachung mehrerer Telefone lief wegen Ermittlungen gegen die Händler. Das Landgericht spielte die Aufnahmen öffentlich vor.

Massive Drohungen gegen Angehörige

Darin beschreibt ein Mitglied der Gruppe seine Annahmen vom Ablauf der Tat nur Minuten nach dem Geschehen aufgeregt einem der Bosse: „Die haben zu dritt im Auto gesessen. Einer hat meinem Jungen ‘ne Knarre an den Kopf gehalten.“ Der zweite Angeklagte soll zusätzlich mit einem Radmutternschlüssel gedroht haben, um das Handy zu erhalten. Der Streit zwischen den Gruppen schaukelte sich laut Mitschnitten über zwei Tage auf - vom gelangweilten „Du machst meinen Abend kompliziert“ eines Chefs bis zu massiven Drohungen sogar gegen Angehörige.

Die Leute wussten nicht, dass sie abgehört wurden

Den Erklärungsversuch eines Angeklagten, er habe das Telefon nicht weggenommen, wischte einer der Gegner weg: „Warum hast Du das Handy dann? Du verstehst mich, oder?“ Schließlich einigte man sich auf eine friedliche Übergabe, nachts auf einem Schulhof.

Ein Ermittlungsrichter kommentierte bei seiner Aussage im Landgericht: „Das macht die Arbeit sehr komfortabel, wenn man die Telefonmitschnitte schon vor sich liegen hat. Die Leute wussten nicht, dass sie abgehört wurden. Das ist ja das Besondere. Die haben es so erzählt, wie es war.“

Der Version der Angeklagten zufolge gab der 21-Jährige das Gerät freiwillig ab, als Pfand für Schulden. Das Gericht will am 28. Oktober weiter verhandeln und voraussichtlich am selben Tag sein Urteil verkünden.

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