Eurythmisches Projekt

Velberter Schüler führen Michael Endes Momo schweigend auf

Ohne auch nur ein Wort zu reden, führten die Schüler der Windrather Talschule auf eindrucksvolle Weise das Stück Momo von Michael Ende auf.

Ohne auch nur ein Wort zu reden, führten die Schüler der Windrather Talschule auf eindrucksvolle Weise das Stück Momo von Michael Ende auf.

Foto: Ulrich Bangert

Langenberg.   Beim eurythmischen Tanzprojekt der Windrather Talschule brauchte es keine Worte, um das Publikum zu begeistern. Wie das funktionieren kann.

Weil schöne Geschichten meist schöne Enden haben, ist es in manchen Fällen erlaubt, das Erzählen dieser Geschichten mit ihrem Ende zu beginnen. Am Ende dieser Geschichte hier erhebt sich ein ganzer Saal vor der Eurythmie-Darbietung von Michael Endes Roman Momo.

Die 80 Schüler der Windrather Talschule, die an diesem Abend die Geschichte des kleinen Mädchens und der Schildkröte Kassiopeia aufführen, hatten über ein Jahr lang unter Anleitung von Lehrerin Katharina Adam geprobt. Im Scheinwerferlicht des Deilbachsaals trug Momo ein rosafarbenes Kleid; natürlich, musste die Hauptdarstellerin doch aus der Masse herausstechen.

Das aber war nicht einfach, denn farbenfroh zeigten sich alle Protagonisten: Gelb, blau, grün – die Kleider der Darsteller glichen einem Regenbogen. Während Lehrerin Adam und zwei weitere Lektoren das Stück vorlasen, blieben die Kinder stumm. Ihnen reichte zur Aufführung ausschließlich Bewegung. Beeindruckend klar wurde die Geschichte Momos so vorgetragen.

Roman von 1973

Momo, das ist ein kleines Mädchen, das derart gut zuhören kann, dass die Menschen ihm alles anvertrauen. Irgendwann fallen die „Grauen Herren“ in ihre Stadt ein. Sie versuchen, die Menschen zum Sparen der Zeit zu bewegen, um diese für später sicher aufzubewahren. In Wahrheit aber werden die Menschen um ihre Zeit betrogen.

Momo kommt den Machenschaften der grauen Neu-Ankömmlinge auf die Spur und rückt dadurch ins Fadenkreuz der Zeit-Diebe. Nur dank ihrer Freundin, der Schildkröte Kassiopeia, und dem Hüter der Zeit, Meister Hora, schafft Momo es schließlich, den Gaunereien der „Grauen Herren“ Einhalt zu bieten.

Kinderbuch hat viel Stoff auch für Erwachsene

Leichte Kost ist Endes Roman von 1973 nicht, obwohl er oft als Kinder-Roman verklärt wird. Viel arbeitet der Autor mit versteckter Symbolik, kritisiert latent das moderne Banken-System – und hat nebenbei eine Hommage an das Nutzen der Lebenszeit geschrieben. Genau diesen Aspekt bringen die Kinder des Eurythmie-Kurses gekonnt auf die Bühne. „Es gibt Reichtümer, an denen man zugrunde geht, wenn man sie nicht mit anderen teilen kann“, heißt es etwa an einer Stelle im Deilbachsaal. „Zeit“ ist hier das Stichwort. Denn in der Isolation, ohne die Freuden des Lebens mit den Freunden des Lebens zu teilen, treibt die Zeit den Menschen in die Verzweiflung. „Denn Zeit ist Leben. Und das Leben wohnt im Herzen.“

Die Geschichte von Momo ist eine schöne, sie hat aber wie die meisten schönen Geschichten eine traurige Seite: Für Eurythmie-Lehrerin Katharina Adam war es die letzte Aufführung, die Pädagogin tritt in den Ruhestand. „Ich freue mich schon auf die Pension“, sagt sie. Viel Zeit wird sie dann haben. Möge ihr Momo gelehrt haben, wie sie zu nutzen ist.

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