Prozess

Velberter Schläger muss für fast vier Jahre ins Gefängnis

Das Justizzentrum (Eiland) in Wuppertal – hier sitzt auch das Landgericht, das nun den 21-Jährigen verurteilt hat.

Das Justizzentrum (Eiland) in Wuppertal – hier sitzt auch das Landgericht, das nun den 21-Jährigen verurteilt hat.

Foto: Uwe Möller / WAZ FotoPool

Wuppertal.  Ein 21-Jähriger Velberter muss für drei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis. Er hatte im Zug einem Mitreisenden die Nase gebrochen.

Der Fausthieb im Zug hatte einem Mitreisenden (33) die Nase gebrochen und ihn zu Boden gestreckt. Der Geschlagene weiß nicht einmal mehr, wie der Angriff im Einzelnen ablief. Er leide unter Angst und gehe ungern allein aus dem Haus.

Ein 21 Jahre alter, mehrfach vorbestrafter Velberter ist nun für die gefährliche Attacke vom Mai 2017 verurteilt: Das Landgericht in Wuppertal verlängerte eine Strafe wegen versuchten, bewaffneten Raubs um zehn Monate. Insgesamt lautet das Urteil jetzt auf drei Jahre und zehn Monate Gefängnis nach Jugendrecht. Der arbeitslose Angeklagte ist drogenkrank und deswegen in eine Entziehungsklinik eingewiesen.

Auch der Angeklagte kann sich nicht an die Tat erinnern

Erinnern kann auch er sich nicht, sagte seine Anwältin. Es liege am Konsum von Kokain und Marihuana. Der vorsitzende Richter zitierte einen Zeugen und stellte fest: „Er hat zugeschlagen wie ein Boxer.“ Die Faust habe das Opfer völlig unerwartet getroffen. Vorangegangen sein soll Ärger in einem Regionalzug: Der Angeklagte habe einen Bahnmitarbeiter „angepöbelt“ und Streit mit einer Reisegruppe begonnen.

Dann habe sich die Situation zunächst anscheinend wieder beruhigt. Beim Halt in Duisburg allerdings sei der Angeklagte ausgestiegen, sei über den Bahnsteig eine Tür weiter gelaufen und habe den 33-Jährigen angegriffen. Der hatte mit einem Begleiter den Waggon noch nicht verlassen. Der Verletzte beschrieb: „Ich bin in einer Blutlache aufgewacht, in einem Warteraum am Bahnsteig. Um mich rum waren Polizisten und Sanitäter.“

Ins Urteil wird eine Strafe wegen eines früheren Vergehens eingerechnet

Den Tathergang habe er sich später berichten lassen. Er könne sich beim bestem Willen bis heute nicht erinnern. Ebensowenig wie an die Fahrt mit einem Rettungswagen ins Krankenhaus. Der Angeklagte hat den 33-Jährigen um Entschuldigung gebeten. Es sei „gut möglich“, dass er der Täter war.

Mit eingerechnet im neuen Urteil ist eine Strafe für einen gescheiterten Überfall auf eine Spielhalle in Essen-Holsterhausen vom Februar 2016: Der Angeklagte habe am frühen Morgen mit Bekannten maskiert und mit vorgehaltenen Küchenmessern Geld verlangt. Der Spielhallenmitarbeiter allerdings habe sich völlig unbeeindruckt gezeigt. Die Tätergruppe sei geflohen.

Weitere Vorwürfe gegen den 21-Jährigen blieben außen vor

Die Polizei rief öffentlich zur Fahndung auf. Nach einem Monat soll sich die Schwester eines Mittäters gemeldet haben. Der wiederum nannte die weiteren Beteiligten. Er erhielt dafür mildere Strafe.

Außen vor blieben weitere Vorwürfe gegen den 21-Jährigen über gefährliche Attacken mit einem Messer und einer abgebrochenen Flasche gegen Bekannte in Essen und eine Prügelei im Düsseldorfer Karneval: Sie würden die Strafe nicht wesentlich erhöhen. In das Urteil bezogen die Richter eine ganze Kette von Taten ein. Zusätzlich zum versuchten Raub ging es um Handy-Diebstähle aus der Zeit um 2016 und 2017.

Sämtlich Beschaffungskriminalität, stellte das Gericht fest. Und auch der Faustschlag gehöre zum Thema Drogensucht, fügte der vorsitzende Richter hinzu: „Wenn Sie nicht konsumieren würden, hätten Sie das nicht getan.“ Steht der Angeklagte den Entzug durch, kann ein anderes Gericht ihm den Rest der Strafe zur Bewährung aussetzen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben