Glauben

Velberter Christen missionieren Flüchtlinge

Die Christen der Allianz geben vor, keinen Zwang auf die Flüchtlinge auszuüben.

Die Christen der Allianz geben vor, keinen Zwang auf die Flüchtlinge auszuüben.

Foto: WAZ FotoPool

Velbert.   Die Evangelische Allianz vermittelt Sprachkurse, bietet in einem Café aber auch Gespräche über den christlichen Glauben an.

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Für die soziale Integration von Flüchtlingen in Velbert wird einiges getan, angefangen bei der Begleitung zu Behörden bis hin zur Organisation von Kleider- und Sachspenden.

Auch der Arbeitskreis Migration und Integration (AMIN) der evangelischen Allianz Velbert beteiligt sich, bietet unter anderem Deutsch- und Sportkurse an. Außerdem haben einige Mitglieder das Café International ins Leben gerufen, das jeden Donnerstag in den Räumen der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Hofstraße stattfindet. Dort geht vor allem darum, mit Flüchtlingen über den christlichen Glauben zu sprechen. So wird jedes Mal eine kleine Andacht gehalten, schwerpunktmäßig auf Deutsch, in Teilen auf Englisch. Mitarbeiter übersetzen darüber hinaus in andere Sprachen. Bei dem Angebot gehe es jedoch keineswegs darum, Flüchtlingen das Christentum aufzuzwingen. „Es kommen auch Moslems zu uns, die sich zwischendurch zurückziehen, um ihr tägliches Gebet zu sprechen“, berichtet Wolfgang Hager, Koordinator von AMIN. „Wir sagen nicht, ihr seid nur willkommen, wenn ihr unseren Glauben annehmt. Nirgendwo in der Bibel steht, dass das richtig wäre.“ Dem Vorwurf Missionierung setzt er entgegen: „Wenn Missionierung heißt, das Angebot Gottes den Menschen weiterzugeben, ja, dann missionieren wir. Aber ohne Druck und Erwartungen.“

Flüchtlinge, die über die Andachten im Café hinaus Interesse zeigen, können an Glaubenskursen in unterschiedlichen Sprachen teilnehmen. Ein Kurs lässt sich mit einem Hauskreis vergleichen – die Teilnehmer tauschen sich aus, lesen gemeinsam aus der Bibel. Bei einigen kommen die Worte „nicht nur im Kopf, sondern auch im Herzen an“. Sie lassen sich taufen. „Es ist aber nicht so, dass sie zehn Einheiten mitmachen und sich dann entscheiden müssen. Das bleibt ganz ihnen selbst überlassen“, sagt Hager.

Keine Auskünfte zu Interessierten

In welchen Gemeinden wie viele Flüchtlinge bislang getauft wurden, möchte er zum Schutz der Menschen nicht preisgeben. Denn sie könnten Schwierigkeiten in ihren Heimatländern oder mit ihren Landsleuten hier bekommen, sollte die Konversion bekannt werden. Pfarrer Martin Schmerkotte hat bislang keine Flüchtlinge getauft – allerdings hat er die Erfahrung gemacht, dass manche gerne über den christlichen Glauben sprechen. „Die Sprachbarriere ist meistens groß“, sagt er. Die Flüchtlinge, die ihn ansprachen, haben sich nun mit einem Ehepaar aus ihrem Heimatland zu einem kleinen christlichen Hauskreis zusammengeschlossen.

Glaubenswechsel wird geprüft

Häufig wird die Kritik laut, Flüchtlinge ließen sich nur taufen, um in Deutschland bleiben zu können. Claudia Müller, Pressesprecherin beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erklärt, dass die Konversion eines Asylbewerbers im Verfahren durchaus berücksichtigt werde.

Die Entscheider (Asylsachbearbeiter) prüfen in einer persönlichen Anhörung die näheren Umstände des Glaubenswechsels: Zunächst müssen die Bewerber einen Nachweis vorlegen, etwa eine Taufbescheinigung. Anschließend werde im Gespräch geklärt, mit welchen Gefahren Konvertiten bei der Rückkehr in ihre Herkunftsländer rechnen müssen. Antragsteller müssen glaubhaft machen, dass sie ihre neue Religion in ihrem Heimatland tatsächlich ausüben werden und ihnen deswegen asylrelevante Verfolgung droht.

Beweggründe deutlich machen

Dann wird ihnen in Deutschland Schutz gewährt. „Für die Befragungen in der Anhörung zur Konversion gilt, dass sie nicht auf ein Glaubensexamen hinauslaufen dürfen“, erklärt Claudia Müller. Vielmehr gehe es um die Person: Warum hat sie ihren Glauben gewechselt? Und wie wichtig ist ihr der neue, der christliche Glaube? „In diesem Zusammenhang wird vom Konvertit aber durchaus erwartet, dass er ausführlich schildern kann, welche Beweggründe er für die Konversion hatte und welche Bedeutung die neue Religion für ihn persönlich hat“, so die Pressesprecherin weiter.

Aus der Gesamtschau heraus werde dann eine Prognose des Verhaltens und die voraussichtliche Reaktion des Heimatlandes darauf getroffen, sagt Claudia Müller vom BAMF.

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