Gesundheit

Velberter Apotheken stellen einige Arzneien selbst her

Dr. Jasmin Schrobang-Ley von der Adler Apotheke Langenberg. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Apotheker selber Arzneimittel herstellen.

Dr. Jasmin Schrobang-Ley von der Adler Apotheke Langenberg. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Apotheker selber Arzneimittel herstellen.

Foto: Uwe Möller

Velbert.   In manchen Fällen stellen Apotheker Medikamente selber her. Damit können sie Bedürfnisse von Kunden präziser abdecken.

Der Gang zur Apotheke (nach einem Arztbesuch) ist für jeden selbstverständlich und auch, dass das gewünschte Arzneimittel nach kurzer Zeit zur Verfügung steht. Doch ob es dabei um industriell gefertigte Medikamente oder eigens hergestellte Arzneien geht, ist für die Apotheken ein großer Unterschied.

Angebot auf Bedürfnisse der Kunden zuschneiden

„Trotz des großen Aufwands gehört es zum Auftrag aller Apotheke diese Rezepturarzneimittel anzufertigen“, erläutert Apothekerin Martina Bellers, Besitzerin der Sonnen Apotheke in Neviges. Erst durch die Anfertigung von Rezepturen können die Apotheken das Angebot der Medikamente auf dem Markt abrunden und genau auf die Bedürfnisse der Kunden abstimmen: „Gerade bei speziellen Dosierungen, etwa bei Arzneimitteln für Kinder, bereiten wir regelmäßig Rezepturen selbst zu. Denn viele Medikamente gibt es nicht für Kinder, deshalb fertigen wir diese selbst und setzen etwa die Dosierung herunter“, erklärt Apothekerin Jasmin Schrobang-Ley von der Adler Apotheke Langenberg.

Gute Möglichkeit, um bei Unverträglichkeiten zu helfen

Bei welchen Rezepturen dies vor allem vorkommt? „Gerade stark wirksame Epilepsie-Medikamente, die es nur für Erwachsene auf dem Markt gibt, werden für Kinder erst durch die Verarbeitung und Herabdosierung durch die Apotheke verträglich“, so die Apothekerin. Auch seien Rezepturarzneimittel eine gute Möglichkeit, bei Unverträglichkeiten den gewünschten Wirkstoff ohne industriell beigemischte Zusätze zu erhalten.

Dass die Anmischung von Salben, Tinkturen, Kapseln und Lösungen zwar eine wichtige, aber auch sehr aufwendige Aufgabe ist, darin sind sich alle Apotheker und Angestellten einig.

Dokumentation ist sehr aufwendig

„Das Anmischen selbst ist nicht das Problem“, beschreibt Cornelia Hucke, PTA der Rosen Apotheke die Herausforderung, „doch das Dokumentieren jedes Vorgangs und überprüfen der Zutaten braucht viel Zeit und Mühe. Mit dem Vier-Augen-Prinzip sichern wir uns bei der Zubereitung von Arzneien oft zusätzlich ab.“ „Schwierigkeiten sind neben Aufwand und Zeit manchmal die Beschaffung der einzelnen Zutaten, die manchmal schwer erhältlich oder sehr teuer sein können“, sagt Martina Beller.

Art der Herstellung hängt vom Arztumfeld ab

Welche Rezepturarzneimittel die Apotheken am häufigsten Anfertigen, hängt vor allem vom direkte Umfeld der Ärzte ab. Die Sonnen-Apotheke stellt etwa immer wieder homöopathische Salben her und bedient damit die Nachfrage von Heilpraktiker-Patienten. Durch die Nähe zum Hautarzt stehen bei der Adler-Apotheke in Langenberg Salben, Cremes und Lösungen hoch im Kurs: „Wir fertigen etwa sechs bis acht Rezepturen pro Tag an“, überschlägt Schrobang-Ley „und haben dafür eine extra spezialisierte PTA.“

So hängt die Auftragslage und auch Spezialisierung der verschiedenen Apotheke stark vom unmittelbaren medizinischen Umfeld ab. „Nicht in jeder Apotheke werden etwa hoch aufwendige Krebsmedikamente hergestellt, da man dafür eigene Ausrüstung und Kenntnisse benötigt“, beschreibt Apothekerin Schrobang-Ley die Situation.

>>APOTHEKER JOCHEN PFEIFER INFORMIERT

  • „Bei Rezepturarzneimitteln geht es um Arzneimittel, die in der Apotheke im Einzelfall aufgrund einer Verschreibung oder auf sonstige Anforderung einer einzelnen Person und nicht im Voraus hergestellt werden.
  • Aus diesem Grund ist eine Rezeptur auch nicht sofort fertig, sie wird für jeden Patienten individuell hergestellt. Daher können individuell hergestellte Rezepturen oft nicht sofort mitgenommen werden.
  • Am häufigsten werden Cremes und Salben für die Behandlung von Hauterkrankungen hergestellt Auch Cremes für Patienten mit Neurodermitis, Ekzemen oder offenen Wunden gehören hierzu.“

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