Ticket-Rückerstattung

Velbert: Verbraucherschützer kritisiert Fluggesellschaften

Auch die irische Billigfluglinie Ryanair steht in der Kritik, weil manche Kunden immer noch nicht eine Rückerstattung für einen annullierten Flug erhalten haben.

Auch die irische Billigfluglinie Ryanair steht in der Kritik, weil manche Kunden immer noch nicht eine Rückerstattung für einen annullierten Flug erhalten haben.

Foto: María José López / dpa

Velbert.  Noch immer warten Kunden, deren Flüge wegen Corona annulliert wurden, auf ihr Geld. Verbraucherschützer Andreas Adelberger sagt, was zu tun ist.

Gleich doppelten Grund zum Ärger hatten viele Passagiere, deren Flüge im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie annulliert wurden. Schließlich mussten sie nicht nur etwa auf ihren Urlaub verzichten, sondern zudem oft lange auf die Rückerstattung ihres Flugtickets warten – oder haben das Geld bis heute noch nicht zurückerhalten, wie Andreas Adelberger, Leiter der Verbraucherzentrale in Velbert, moniert. Besonders in der Kritik stehen Ryanair und die Lufthansa. Zumindest die Lufthansa nimmt zu den Vorwürfen Stellung.

Kritik wegen „Irreführung und Hinhaltetaktik“

So schildert Adelberger: „Die Fälle, demnach Verbraucher immer noch keine Rückerstattung für ihre stornierten Flüge erhalten haben, kommen auch in unserer Geschäftsstelle an.“ Ein Anwalt des Bundesverbandes der Verbraucherzentrale habe ebenfalls bestätigt, dass noch viele Fälle anhängig seien.

Besonders kritisiert der Verbraucherschützer die „Hinhaltetaktik und Irreführung“ der Fluggesellschaften und verweist darauf, dass sowohl Ryanair als auch Lufthansa von der Verbraucherzentrale dafür abgemahnt worden seien. Beide Fluglinien hätten auf Beschwerden der Kunden häufig nicht reagiert, „obwohl den Verbrauchern gemäß der EU-Fluggastrechte-Verordnung eine Rückerstattung des Flugpreises innerhalb von sieben Tagen zusteht, wenn der Flug von der Airline annulliert wurde“.

Mahnverfahren ist nicht unbedingt empfehlenswert

Stattdessen seien beispielsweise Gutscheine anstelle der Rückzahlung angeboten worden. „Doch diese Gutscheinlösung, wie es auch der Bundesregierung vorschwebte, hat die EU abgelehnt. Und das ist auch gut so“, schildert Adelberger weiter. Er kritisiert zudem, dass Fluglinien auf weitere Tricks zurückgegriffen hätten. Beispielsweise sei im Internet der Button, den man vermeintlich für eine Erstattung des Flugpreises anklicken sollte, so irreführend angelegt gewesen, dass der Kunde in diesem Falle selbst storniert habe – und dann lediglich Steuern und Gebühren zurückerhalten sollte. „Das ist alles sehr unerfreulich.“

Sofern noch nicht geschehen, empfiehlt Adelberger alllen Verbrauchern, die noch auf ihr Geld warten, die betreffende Fluggesellschaft per Einschreiben zur unverzüglichen Rückzahlung gemäß der EU-Richtlinie 261/2004 aufzufordern. Sollte das nicht fruchten, komme zwar ein Mahnverfahren infrage, doch: „Das ist kompliziert. Die Fluggesellschaften können zum Beispiel Widerspruch einlegen“ – dann könne sich alles in die Länge ziehen.

Schlichtungsstellen können weiterhelfen

Vielmehr empfiehlt der Verbraucherschützer, sich entweder mit der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr oder dem Luftfahrt-Bundesamt in Verbindung zu setzen (siehe Infokasten). „Dort gibt es Online-Formulare für eine Rückerstattung, in beiden Fällen ist die Schlichtung auch kostenfrei.“

Auf Anfrage teilte die Lufthansa mit, dass bereits der größte Teil der Erstattungsanträge wegen der Flugannullierungen abgearbeitet worden sei. So hätten nach aktuellen Zahlen 6,6 Millionen Kunden ihr Geld zurückbekommen, was einem Wert von 2,8 Milliarden Euro entspreche. 900.000 Anträge würden derzeit noch bearbeitet, sagte eine Sprecherin.

Ryanair reagierte nicht auf Anfrage

Sie verwies in diesem Zusammenhang aber darauf, dass in dieser Zahl auch neue Erstattungsansprüche enthalten seien. „Daher wird sich die Zahl der offenen Erstattungsanträge weiter dynamisch entwickeln, in den kommenden Wochen weiter abnehmen, aber niemals gänzlich null erreichen“, hieß es weiter.

Ryanair hingegen reagierte nicht auf eine Anfrage der WAZ.

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