Literatur

Velbert: So erleben auch Nevigeser die Pandemie

Nicht ohne meinen Basko: Autorin Tanja Heinze liebt es, zusammen mit ihrem Münsterländer in Velbert-Neviges auf Ideensuche zu gehen.

Nicht ohne meinen Basko: Autorin Tanja Heinze liebt es, zusammen mit ihrem Münsterländer in Velbert-Neviges auf Ideensuche zu gehen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Neviges.  „Spuren der Seelen“ heißt das neue Buch von Tanja Heinze. Darin beschreibt sie, wie Mitmenschen die Pandemie erleben – darunter auch Nevigeser.

Eigentlich wollte sie im Frühjahr ihren Krimi „Traumfänger“ weiterschreiben – aber dann kam alles anders. Der 16. März, Lockdown. Um Menschen in dieser schweren Zeit ein Geschenk zu machen, wie sie erzählt, schrieb Autorin Tanja Heinze zunächst spontan einen neuen Krimi mit dem Titel „Globuli“. „Den stellte ich kostenlos für meine Leser ins Netz, damit sie nicht raus müssen. Dabei hab ich auch gemerkt, dass nicht so einfach weitermachen kann.“ Eine Freundin riet ihr, sich doch mit dem Thema Corona auseinanderzusetzen Und Tanja Heinze schrieb ein Buch, „dass mich so bewegt hat wie keines zuvor“, sagt die 45-jährige Autorin, die zwar in Wuppertal lebt, aber die Inspirationen für ihre Krimis und Romane immer in Neviges findet Das war so in „Aralandia“, oder auch in „Panik-Gen“. Und jetzt eben in „Spuren der Seelen“, einer Sammlung von sechs wahren Geschichten, in denen Menschen erzählen, wie sie die Corona-Pandemie erlebt haben und noch erleben.

Recherche nur am Telefon

Für „Spuren der Seelen“ sprach sie ausführlich unter anderem auch mit Nevigesern. „Aber nur am Telefon, ich wollte extra niemanden treffen in den letzten Monaten.“ Da alle sechs Geschichten sehr persönliche Befindlichkeiten und Erlebnisse schildern, bleiben alle Personen anonym. Die Geschichten beginnen im März mit dem Lockdown und enden im Juli: Da bleibt ein Ehepaar wegen der wieder aufflackernden Infektionszahlen zuhause und erlebt hier Dinge, die es nie vergessen wird.

Anfrage im Internet gestellt

Als Tanja Heinze im Frühjahr im Internet eine Anfrage startete, wer denn Lust habe, ihr zu erzählen, wie er mit der Krise umgehe, da war sie überwältigt von der Resonanz. „Es war Wahnsinn, bestimmt 30 Leute, ich hab nur am Telefon gehangen.“ Und ganz schnell habe sich für sie herauskristallisiert, „dass es ganz stark mit der individuellen Vergangenheit zusammen hängt, wie jemand diese Krise bewältigt“, so ist Tanja Heinze überzeugt. „Man muss das Leben im Ganzen betrachten.“ Unter diesem Aspekt fischte sie sich aus den vielen Gesprächen sechs Schicksale heraus. Warum gerade diese sechs? „Das Gefühl war einfach da. Eine innere Gewissheit sagte mir: Die Geschichte ist perfekt für dieses Buch.“

„Lupine“ hat Corona überwunden

Die Protagonistin der ersten Geschichte „Lupine“ begleitet Tanja Heinze zu diesem Gespräch mit der WAZ. Lupine, auch dieser Name ist natürlich geändert, war infiziert, ebenso wie ihr Mann. „Es ist wichtig, dass die Leute wissen, was diese Krankheit mit einem macht. Und dass wir nach wie vor sehr auf der Hut sein müssen“, erzählt die 55-Jährige. Während ihr Mann an starken Kopfschmerzen und Fieber gelitten habe, sei sie völlig fieberfrei gewesen. „Ich war nur furchtbar müde, hatte starke Gliederschmerzen.“ Und sie habe von Jetzt auf Gleich nichts mehr riechen und schmecken können. In Panik geriet sie, als dieser Zustand monatelang anhielt – denn das sei ungewöhnlich.

Monatelang nichts gerochen und geschmeckt

„Ich habe erst im Juni wieder richtig riechen und schmecken können. Und ich hatte furchtbare Angst, dass das so bleibt. Ich habe in eine Zitronenscheibe gebissen und nichts, absolut nicht gemerkt.“ Auch im Gesundheitsamt des Kreises Mettmann sei man über die Dauer dieses Zustandes besorgt gewesen. „Die waren dort alle sehr nett, ich habe mich die ganze Zeit gut aufgehoben gefühlt.“ Die vier Wochen, die sie mit ihrem Mann – er hatte sich wahrscheinlich bei einem Arbeitskollegen angesteckt – in Quarantäne verbrachte, seien eine ganz besondere, sehr wichtige Zeit gewesen: „Vieles aus der Vergangenheit hat mich wieder eingeholt, ich habe viel nachgedacht. Und ich bin sicher: Alles im Leben hat einen Sinn.“

Ein Pool für den Garten gekauft

Was sie noch immer bewegt: „Es ist doch unglaublich, was auf einmal möglich war und ist. Die Wirtschaft wird runter gefahren. Bundesliga fällt aus. Menschen arbeiten plötzlich von Zuhause aus. Das ist doch wirklich Wahnsinn.“ Für sie sei die Pandemie ein Zeichen, etwas ändern zu müssen. „Ich lebe viel bewusster. Ich habe es uns zuhause schön gemacht, wir haben uns einen Pool für unser Grundstück gekauft.

Lupine – eine von sechs sehr verschiedenen Geschichten. Im Kapitel „Familienbande“ geht es um eine Großfamilie, die von ihrer Mutter verlassen wurde. Hier erzählen der Vater und sein 13-jähriger Sohn Tim jeweils aus ihrer Perspektive, wie sie diese an sich schon belastende Situation erleben – und dann noch in Corona-Zeiten. „Es gibt aber auch sehr viel Hoffnung, sehr viel Schönes in den Geschichten“, sagt Tanja Heinze. „Dieses Buch wird auch mein Leben verändern.“ Hier lesen Sie weitere Berichte aus Velbert.

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