Kultur

Velbert: Pottgold rockt heimische Wohnzimmer via Livestream

Ein Konzert der besonderen Art: Nur wenige Zuschauer sind im Alldiekunst-Haus vor Ort, während die Coverband „Pottgold“ die Bühne rockt. Alle anderen Fans können das Geschehen via Livestream verfolgen.

Ein Konzert der besonderen Art: Nur wenige Zuschauer sind im Alldiekunst-Haus vor Ort, während die Coverband „Pottgold“ die Bühne rockt. Alle anderen Fans können das Geschehen via Livestream verfolgen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Die Coverband „Pottgold“ hat viele Fans, aber – coronabedingt – nur wenige Zuschauer bei ihrem Livegig im Alldiekunst-Haus. Doch es gibt Abhilfe.

„An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“, dröhnt es mit hämmerndem Bass durch das Alldiekunst-Haus. Dabei wirkt der Text des Toten Hosen-Hits, den die Coverband Pottgold gerade für Ihren Auftritt probt, fast schon ein wenig zynisch: Schließlich wünscht sich das Essener Viergespann nichts sehnlicher, als dass die Corona-Krise un die damit verbundenen Einschränkungen endlich der Vergangenheit angehören.

Livestream ist Neuland

Der Gig im Alldiekunst-Haus ist ein erster Lichtblick, bei dem die Musiker nicht nur auf der Bühne vor rund 30 Zuschauern performen, sondern das Konzert auch noch via Live-Cam in heimische Wohnzimmer übertragen wird. Eine echte Herausforderung: „So ein Livestream ist schon ziemliches Neuland für uns“, erzählt Paul Wallraff, Schlagzeuger – „Drummer“ – der knapp sechs Monate jungen Coverband. Dazu kommt, dass Proben in den letzten Monaten natürlich unmöglich waren. Erst seit zwei Wochen bereiten sich die vier auf ihr Konzert vor, dennoch sei die Stimmung neutral bis positiv. Schließlich ginge es um den „Spaß an der Musik“, findet Gitarrist und Sänger Frank Wirth. Der wird durch das leere Haus leider ein wenig getrübt, wie die Gruppe bei ihrer Generalprobe gemerkt hat.

Vier Kameras werden eingesetzt

Für Achim Peter ist diese besondere Veranstaltung nichts Unbekanntes. Als Vorsitzender des Alldiekunst-Hauses kam er schon oft mit Filmrequisiten in Berührung. Heute ist er in seiner Funktion als Aufnahmeleiter der Wecom GmBH mit dabei und fängt souverän das Bühnengeschehen mit der Kamera ein. „Am wichtigsten ist es, dass die Kameras sehr genau installiert werden“, erklärt er konzentriert und wirft noch einen prüfenden Blick auf den Bildschirm. Drei feste Kameras und eine bewegliche sollen am kommenden Abend den Auftritt der Coverband protokollieren.

Mischpult wird alles optimal geregelt

Auch am Mischpult muss noch einiges „geregelt“ werden, der Ton soll schließlich auch via heimische Lautsprecher möglichst überzeugen. Trotzdem fürchtet die Gruppe, dass keine richtige Partystimmung aufkommen könnte. „So Kultur zu machen ist auf die Dauer nicht gut“, findet Gitarrist Volkmar Ehlen, der sich um das Szeneleben sorgt, Livestreams oder Autokinos seien wirklich nur Alternative während der Krise.

Zweite Veranstaltung dieser Art

Die Idee des Livestreamings von Veranstaltungen im Alldiekunst-Haus hatte übrigens Achim Peter, das Pottgold-Konzert ist bereits das zweite dieser Art. Schon im vorangegangenen Monat konnte der Vorsitzende bei der Komödie „Das Tagebuch von Adam und Eva“ zu einem reibungslosen Ablauf beitragen. „Aus technischer Sicht unterscheiden sich ein Schauspiel/Theaterstück und ein Konzert eigentlich gar nicht so sehr“, erklärt er.

Alldiekunst schmiedet bereits Zukunftspläne

Nach dem positiven Feedback der ersten Streaming-Veranstaltung ist er nun zuversichtlich, dass auch der Pottgold-Gig ein Erfolg wird. Und: Es gibt schon auch schon weitere Zukunftspläne, unter anderem geht es darum den populären Vinylabend in die Häuser zu bringen. Vier rote Sessel auf der Bühne, eine Handvoll Experten und Gespräche über die besten Platten sollen das Kernstück dieses neuen „Vinyl-Talks“ werden. Wenn sich alles wie geplant entwickelt, können Freunde des Alldiekunst-Hauses auf etwa zwei Veranstaltungen im Monat hoffen.

Viel positives Feedback

Trotz aller Ideen: Die Ehrenamtler wünschen sich ein Ende der Krisenzeit herbei. „Eine gewisse Grundresignation ist natürlich immer vorhanden“, findet Peter, „Aber wenn die Leute das annehmen – und wir haben im Chat schon viel positive Rückmeldung erhalten – dann ist das im Augenblick eine gute Möglichkeit.“

Livestream bietet Vorteil

Und tatsächlich: Auch beim Livestream des Pottgold-Konzerts am Freitagabend hagelt es begeisterte und dankbare Kommentare, fast 250 Zuschauer haben den Stream aufgerufen. Rund 80 Minuten lang haben die Musiker live und an den Bildschirmen abgeliefert. Natürlich lässt sich der Besuch eines Livekonzertes durch nichts ersetzen, ein Stream allerdings hat trotzdem einen ganz besonderen Vorteil: Man kann ihn immer wieder anhören.

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