Grippeschutzimpfung

Velbert: Massive Engpässe bei Grippeimpfstoff

Vincent Nyamosi, Inhaber der Funguo Apotheke, zeigt den Stapel an Rezepten von Kunden, die dringend auf den Grippeimpfstoff warten.

Vincent Nyamosi, Inhaber der Funguo Apotheke, zeigt den Stapel an Rezepten von Kunden, die dringend auf den Grippeimpfstoff warten.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Wer sich derzeit in Velbert gegen die Grippe impfen lassen möchte, muss vermutlich viel Geduld mitbringen – es fehlt der Nachschub an Impfstoff.

Mitte Oktober hatte der Bundesgesundheitsminister groß für die Grippeschutzimpfung geworben: „Je weniger Menschen an Grippe erkranken, desto mehr Kapazitäten stehen für andere Patienten und vor allem Covid-19-Erkrankte zur Verfügung“, hatte Jens Spahn am 14. Oktober verkündet, kurz zuvor hatte er selbst sich in der Berliner Charite´ impfen lassen. Und: Deutschland sei mit 26 Millionen Impfstoffdosen gut aufgestellt, sechs Millionen mehr als im Vorjahr.

Über 100 Kunden auf der Warteliste

Hava Kul kann nur den Kopf schütteln, wenn sie an diese Worte zurückdenkt. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, beklagt die Pharmazeutin, Mitarbeiterin der Velberter Apotheke „Zum Schlotschmet“. Seid bereits zwei Wochen müsse sie Kunden mit Rezept vertrösten, alle Impfstoffdosen seien ausverkauft, wann nachgeliefert wird stehe in den Sternen. „Wir haben mittlerweile rund 100 Kunden auf unserer Warteliste“, erklärt die Apothekerin, „das heißt, wir rufen sie der Reihe nach an, wenn wir Nachschub bekommen haben. Mir tut das so leid, ich hatte heute morgen bestimmt schon sieben ältere Kunden, die ganz verzweifelt sind, weil ich ihnen nicht weiterhelfen konnte.“ Angeblich soll etwa Mitte November Impfstoff vom französischen Pharmakonzern Sanofi geliefert werden, ob dabei alle und falls nicht, welche Apotheken genau berücksichtigt werden, ist noch unklar.

250 Portionen Impfstoff nachbestellt

„Ich habe 250 Portionen Impfstoff nachbestellt und kann nur hoffen, dass zumindest ein Teil davon auch ankommt, schließlich habe ich mittlerweile auch rund sechzig Rezepte hier liegen“, bestätigt auch Vincent Nyamosi, Inhaber der Funguo-Apotheke an der Noldestraße, „und dazu werden ja auch noch die Arztpraxen mit Impfstoff versorgt.“ Die Eichendorff Apotheke dagegen verfügt noch über einen kleinen Vorrat. „Das kann aber nächste Woche auch schon wieder ganz anders aussehen“, weiß Oliver Sailer, Inhaber der Eichendorff Apotheke, „eine solche Nachfrage hatten wir bislang noch nie.“

Nachfrage in diesem Jahr enorm

Impfstoffengpässe – Einzelfälle sind dies nicht, weiß Inge Funke, Sprecherin des Apothekerverbandes Nordrhein für Velbert, Mettmann und Ratingen: „In diesem Jahr ist die Nachfrage enorm gestiegen, die Menschen haben einfach Sorge, an Corona und an der Grippe zu erkranken und wollen sich dagegen zurecht schützen.“ Das Problem aber sei, dass jede Apotheke die Menge an Impfstoff, die sie benötigt, immer Anfang des Jahres angeben muss. „Damals konnten wir ja gar nicht ahnen, was auf uns zukommen würde“, erläutert Funke.

Lieferungen aus Frankreich erwartet

Und – so hatte es im Übrigen auch der Bundesgesundheitsminister angekündigt, es würden die Impfstoffe immer nach und nach und nicht alle auf einmal ausgeliefert. „Dazu bräuchten wir Apotheken ja auch die Lagermöglichkeiten und müssten alles auf einmal vorfinanzieren“, informiert die Sprecherin, selbst Apothekerin in Hilden, weiter. Sollten die Lieferungen aus Frankreich im November kommen, sei dies eigentlich ein optimaler Zeitpunkt, um sich impfen zu lassen. „Meistens ist es so, dass die ersten richtigen Grippeerkrankungen in der ersten Adventswoche verstärkt auftreten, wenn man bedenkt, dass die Impfung nach einer Woche ihre volle Wirkung entfaltet, passt das zeitlich recht gut.“

BGM könnte den Notstand erklären

Sollte die Gesamtmenge von 26 Millionen tatsächlich nicht ausreichen, gibt es noch die Möglichkeit, dass das Bundesgesundheitsministerium den Notstand erklärt. Dann könnte auch Impfstoff eingesetzt werden, dessen Herstellung nicht für den deutschen Markt vorgesehen war. „Wir hatten das im Frühjahr schon mal bei den Pneumokokken-Impfstoffen“, erinnert sich Funke, „bislang aber würde ich derzeit erst mal nur von einem Mangel sprechen.“

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