Freizeit

Velbert: Jugendzentrum-Team organisiert Spaß mit Abstand

Ein gutes Team, das den Alltag im städtischen Jugendzentrum organisiert (v. l.): Brigitte Bittner, Corinna Schulz und Laura Gundermann freuen sich, dass die Einrichtung jetzt wieder geöffnet ist. Die Fotos unter der Platte hatten ihnen die Jugendlichen während des Lockdowns geschickt.

Ein gutes Team, das den Alltag im städtischen Jugendzentrum organisiert (v. l.): Brigitte Bittner, Corinna Schulz und Laura Gundermann freuen sich, dass die Einrichtung jetzt wieder geöffnet ist. Die Fotos unter der Platte hatten ihnen die Jugendlichen während des Lockdowns geschickt.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Neviges.  Mit viel Engagement meistert das Team im Jugendzentrum Neviges eine besondere Aufgabe: Spaß erlauben und dabei ganz viele Auflagen erfüllen.

Sie telefonieren mit Eltern, trösten enttäuschte Kinder, stellen immer wieder neue Spiele auf die Beine und schaffen es sogar, dass sich Teenies „anteilig auspowern“, wie es Corinna Schulz vom Team des Jugendzentrums Lessingstraße nennt. Dabei muss sie selbst lachen. Alltag im Jugendzentrum in der Corona-Krise – das verlangt dem engagierten Trio jede Menge Kreativität ab. Ja, man müsse zurzeit schon sehr erfinderisch sein, denn vieles, was den Kindern und Jugendlichen immer Spaß mache, sei zurzeit einfach nicht möglich. Aber Auflagen des Landes hin, Verbote her: „Wir sind wieder da und wir freuen uns riesig, jeden Einzelnen hier wiederzusehen“, sagt Brigitte Bittner.

Nur mit Anmeldung um Treff

Und deshalb tut es den Dreien – Laura Gundermann macht das Trio komplett – auch in der Seele weh, dass sie zurzeit viele wieder nach Hause schicken oder am Telefon absagen müssen. Denn einfach wie bisher in den gemütlichen Raum stapfen, sich aufs Sofa plumpsen lassen, quatschen, kickern oder am runden Tisch spielen, all das ist ohne Anmeldung zurzeit nicht möglich. „Wir haben hier oben zwei große Räume, da dürfen sich maximal je fünf Leute aufhalten. Und unten im Probenraum drei“, zählt Corinna Schulz auf. Und das bedeute: Jedes Kind könne etwa einmal im Monat hier spielen und sich mit Freunden treffen.

Basteln am Einzeltisch

Etwa 30 kleine Besucher zwischen sechs und elf Jahren gehören zum festen Stamm, dazu kommen 30 Jugendliche, die den Treff im Siepen als ihr zweites Zuhause sehen. Das Angebot ist natürlich völlig verschieden. Zunächst zu den Jüngeren: „Da basteln wir im Moment viel, Schmuck und so weiter. Pro Tisch darf nur ein Kind sitzen, wir stellen also fünf Tische in einen Raum“, erzählt Corinna Schulz. Denn neben gründlichem Händewaschen direkt am Eingang ist das A und O, zueinander Abstand zu halten. Köpfe zusammen stecken, tuscheln, sich dabei gegenseitig helfen, die bunten Perlen aufzuziehen – alles nicht möglich. Aber zumindest dürfen die Kinder überhaupt wieder in ihren Jugendtreff, und das wuppt das Trio mit viel Fingerspitzengefühl.

Freude über Hausaufgaben

„Wir stellen Gruppen zusammen, damit alle mal drankommen. Dabei geht es natürlich um die Reihenfolge und auch darum, wer zu wem passt“, so Corinna Schulz. Ist die Liste erstellt, werden die Eltern angerufen und über den Termin informiert. „Die Kinder möchten natürlich deutlich mehr“, ergänzt Brigitte Bittner, der das Absagen und Vertrösten immer schwer falle. Erst kürzlich habe ein kleines Mädchen fröhlich gesagt: „Also dann bis übermorgen“. Ja, es sei schon ein ganz anderes Arbeiten. Auch zur Hausaufgabenhilfe dürfen die Kinder im Moment nur einzeln kommen. „Aber die freuen sich total. Ich meine, Hausaufgaben! Das muss man sich mal vorstellen“, so Bettina Bittner.

Tanzen mit der Limbo-Stange

Der Kicker ist zwar gesperrt, aber ein bisschen Sport und Bewegung muss sein. Bei „Spaß mit Abstand“ kommt Mitarbeiterin Laura Gundermann ganz groß raus: „Wenn Laura die Disco-Lichter anwirft und die Anlage aufdreht, dann geht’s hier ab“, meint Corinna Schulz, und ihre junge Kollegin strahlt über beide Backen. Disco im Jugendzentrum, da tanzt dann jeder eben wild um seinen eigenen Tisch. „Sieht das nicht aus wie Party?“, habe die neunjährige Louisa dabei kürzlich selig geschrien. „Ja, bei Disco, da rasten die völlig aus“, sagt Laura Gundermann, die auch schon mal selbst mit tanzt: „Mit der Limbo-Stange in der Hand, und dabei rufe ich immer: Abstand, Abstand.“

Der „Kochklub“ trifft sich via Skype

Verrückte Zeiten sind das, die das Team mit großem Engagement wuppt. Bei den Jugendlichen müsse man kaum Programm machen, nur eben darauf achten, dass sie nicht zu eng zusammen glucken. „Die reden in erster Linie, da reicht das schon, wenn sie sich im Garten treffen können“, sagt Corinna Schulz. Man merke einfach: „Die haben sich hier seit Jahren eingerichtet, kennen das nicht anders.“

Ein bisschen Programm gibt es aber schon für die Älteren: Über Skype trifft sich zum einen der „Kochklub“ jeden Dienstag von 18 bis 19.30 Uhr: Da wird in der eigenen Küche zuhause gekocht, Rezept und die Zutatenliste wurden vorab in den Gruppen-Chat gestellt. Darüber hinaus kann man beim „Runden Tisch“ jeden Freitag von 9.45 bis 11 Uhr beim virtuellen Frühstück über alles reden, was einem so auf der Seele liegt.

Das gut eingespielte Dreier-Team war übrigens auch täglich im Jugendzentrum, als die Einrichtung acht Wochen geschlossen hatte. Da wurde der Garten auf Vordermann gebracht, aus Paletten Gartenmöbel gebaut, die Spiele-Ecke neu sortiert und vieles mehr. Corinna Schulz: „Die Jugendlichen hatten uns in der Zeit Fotos geschickt, die haben wir unter die Tisch-Glasplatte gelegt. So hatten wir sie immer bei uns.“

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