Verkehr

Velbert ist Schwerpunkt für Motorradlärm in der Region

Auch an der  Kuhlendahler Straße in Neviges fühlen sich Anwohner durch Motorrad-Lärm gestört.

Auch an der Kuhlendahler Straße in Neviges fühlen sich Anwohner durch Motorrad-Lärm gestört.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  In der Schloss-Stadt besonders viele laute Motorräder angehalten. Grund ist wohl die Geografie und die Lage zwischen großen Biker-Treffpunkten.

Sie sind der Traum so mancher Motorradfahrer und der Albtraum vieler Menschen, die an befahrenen Straßen leben: Laute, lärmende Motorräder. 48 Prozent der Bundesbürger, das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, ärgern sich über Motorrad-Geräusche. In Velbert registriert die Kreispolizei eine besonders hohe Lärmbelästigung durch Motorräder.

Hintergrund der Meinungsumfrage war eine Bitte des Bundesrates an die Bundesregierung, Regelungen bezüglich des Motorenlärms anzupassen und diesen auf 80 Dezibel zu beschränken. Zudem wurden Rufe nach einem Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen laut.

Lärmtests im Labor

Kurios: Der Bundesrat fordert 80 Dezibel als Obergrenze, doch im Moment dürfen Motorräder schon eigentlich nur noch 77 Dezibel laut sein. Diese vermeintliche Diskrepanz liegt daran, dass Motorradlautstärken im Labor getestet werden, unter Bedingungen, die wenig mit dem Fahrspaß im echten Leben zu tun haben. Dort unterbieten die Motorräder die gesetzlich geregelten 77 Dezibel locker, besonders im Standgeräusch; und dieses wird schließlich in die Fahrzeugpapiere eingetragen.

Kaum gerichtsverwertbare Messung möglich

Das aber gibt keine Auskunft über tatsächliche Lautstärke bei voller Fahrt. Ist ein Zweirad also mit beispielsweise 75 Dezibel Standlautstärke in den Papieren vermerkt, kann es bei Vollgas deutlich lauter sein. „Eine gerichtsverwertbare Messung ist aufgrund der gesetzlichen Vorgaben vor Ort [bei einer Verkehrskontrolle; Anm. d. Red.] kaum möglich“, heißt es vonseiten der Kreispolizeibehörde Mettmann. Denn gemäß der Richtlinie zur Durchführung einer Standgeräuschmessung „müssen vor Ort bestimmte Voraussetzungen, unter anderem in Bezug auf den Geräuschpegel im Umfeld, den Messwinkel, die Messentfernung und den Untergrund, vorliegen“, wie die Mettmanner Behörde mitteilt. „Diese Voraussetzungen in der Praxis an der Kontrollörtlichkeit tatsächlich zu schaffen, ist aufgrund der örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten kaum möglich.“

Hinweise auf Manipulationen

Deshalb suchen die Beamten – wenn sie meinen, es möglicherweise mit einem zu lauten Zweirad zu tun haben – erstmal nach Hinweisen auf Manipulation, zum Beispiel ein unzulässiger Umbau des Auspuffs. Sollten diese Untersuchungen nichts ergeben, kann die Polizei mit einem „mobilen Schallpegelmessgerät“ einen Vortest zur Lautstärke durchführen. Sollte danach „eine gerichtsverwertbare Messung im Einzelfall notwendig sein, so wird das Fahrzeug umgehend einem Sachverständigen vorgeführt und dazu notfalls auch sichergestellt“. Zwar führt die zuständige Mettmanner Kreispolizeibehörde keine Statistiken zu aus dem Verkehr gezogenen überlauten Maschinen, trotzdem werden immer wieder Fälle bekannt.

Motorradfahrer erwischt

So etwa erst Ende August, als ein 58-jähriger Motorradfahrer auf der Friedrich-Ebert-Straße angehalten wurde – mit einer Harley, die beim Lautstärketest auf 113 Dezibel kam. Und am 11. September hielt die Polizei in Langenberg zwei 54 und 56 Jahre alte Krad-Fahrer an. Im Rahmen der Überprüfung wurden zunächst unzulässige Umbauten an den Krafträdern festgestellt. Auch ein vor Ort angebrachtes Schallpegelmessgerät zeigte eine deutliche Überschreitung der zulässigen Geräuschentwicklung an, so dass beide Motorräder sichergestellt wurden. Wie sich dann in vergangenen Woche nach einer Prüfung durch einen Gutachter herausstellte, wurde die Lautstärkenüberschreitung um 22 db/A beziehungsweise um 20 db/a bestätigt und führte zu einer sofortigen Erlöschung der Betriebserlaubnis für die Harley Davidson sowie dem Thunderbike.

Klappenauspuff in modernen Zweirädern

Der technische Grund, warum die Motorräder überhaupt so laut sind, liegt meist im so genannten Klappenauspuff, der in vielen modernen Zweirädern verbaut ist: Er öffnet sich bei Vollgas und sorgt so für das altbekannte Knattern auf der Straße. Bei vielen Lärmtests aber – auch hier wird oft nur die Standlautstärke gemessen oder die Geräuschbelastung bei geringer Geschwindigkeit – bleibt der Klappenauspuff geschlossen; das volle Geräuschpotenzial der Maschinen kann sich also im Test oftmals gar nicht entfalten.

Zwischen den Motorradtreffpunkten

Die Polizei kontrolliert immer wieder an besonders neuralgischen Punkten. In Velbert seien diese laut Polizei die „kurvenreichen und bergigen Strecken zwischen Velbert und Essen“. Die Schloss-Stadt sei ein Schwerpunkt der Lärmbelästigung im Kreis Mettmann – wegen ihrer exponierten Lage „zwischen den bekannten Motorradtreffpunkten am Baldeneysee in Essen sowie in Solingen“.

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