Naturschutz in Velbert

Velbert: Die Schonzeit für Bäume beginnt im März

Der Obst und Gartenbauverein Neviges zeigt regelmäßig, wie Bäume richtig beschnitten werden. Dies ist nur im Herbst und Winter erlaubt.

Der Obst und Gartenbauverein Neviges zeigt regelmäßig, wie Bäume richtig beschnitten werden. Dies ist nur im Herbst und Winter erlaubt.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert.  Ab März verbietet das Naturschutzgesetz sowohl das starke Stutzen als auch das Fällen von Pflanzen. Der Grund sind nistende und ruhende Tiere.

Mit dem langsam endenden Winter erhält bald der Frühling Einzug. Dann brüten viele Vögel in Baumkronen, Hecken und Gebüschen. Deshalb, darauf weist der Kreis Mettmann ausführlich hin, sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz ab dem 1. März nur schonende Form- und Pflegeschnitte erlaubt.

Zwischen Anfang des kommenden Monats und dem 30. September darf demnach kein Grün stark beschnitten oder gar komplett entfernt werden. Roland Schmidt von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann sagt: „Man muss der Vollständigkeit halber sagen, dass es eine Ordnungswidrigkeit darstellt, wenn man gegen solche Regelungen verstößt.“ Denn diese Regelungen machten artenschutzrechtlich und fachlich Sinn.

Jahreszuwachs darf geschnitten werden

Doch was darf denn überhaupt in der Schonzeit zwischen März und September geschnitten werden? Das weiß Diplom-Forstwirt Peter Tunecke von den Technischen Betrieben Velbert (TBV): „Den Jahreszuwachs darf man immer abschneiden.“ Das bedeutet: alles, was innerhalb eines Jahres hinzugewachsen ist, darf auch zwischen März und September beschnitten werden. „Das Problem ist“, erklärt Tunecke den Gedanken hinter dem Gesetz, „dass es - wenn erstmal zu viel beschnitten ist - kein Alternativbiotop mehr für die Heckenbrüter gibt.“ Mit anderen Worten: ist eine Hecke zu stark beschnitten, weiß der Vogel nicht mehr, wo er noch nisten soll.

Die Natur kennt keine festen Termine

Förster Tunecke weist allerdings auch darauf hin, dass die Natur sich nicht an menschengemachte Gesetze halten muss. „Wir hatten schon sehr warme Februare, in denen viele Vögel schon gebrütet haben, aber auch sehr kalte April, in denen noch kein Vogel ins Brutgeschäft eingestiegen ist.“ Deshalb sollte auch außerhalb der gesetzlich verordneten Sperr-Frist immer nachgeschaut werden, ob sich nicht doch noch ein Tier in das zu beschneidende Grün verirrt haben könnte.

Vögel fliegen in die Hecken

Holger Pieren von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises erklärt, woran erkannt werden kann, ob sich noch Vögel in den Hecken befinden. „Die Vögel singen einerseits und fliegen zum anderen auch in die Hecken rein, zur Futterzeit besonders.“ Deshalb rät er allen Gartenbesitzern: „Achten Sie einfach darauf und seien Sie vorsichtig. Halten Sie Ihre Vögel in der Hecke.“

Auch Amphibien im Unterschlupf

Doch nicht nur Vögel nisten im satten Grün. Laut NABU fänden in den Pflanzen auch immer wieder Säugetiere und Amphibien Unterschlupf, die dort - gut versteckt - ihren Nachwuchs großzögen oder ein Schläfchen hielten.

Leben gibt es auch in totem Grün

Übrigens: das Problem besteht nicht nur bei lebendem Grün. Werden etwa bereits geschnittene Äste den Sommer über liegengelassen, ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich dort ebenfalls Vögel, Säugetiere und Amphibien einnisten. Bekanntestes Beispiel hierfür ist sicherlich der Igel. Werden diese Äste dann im Herbst sorglos entfernt oder gar abgebrannt, können sie schnell zur Falle werden. Deshalb: Geschnittenes Holz schnell abtransportieren oder – bei längerem Liegenlassen – vor der Entsorgung genau inspizieren. Denn wer weiß, ob nicht irgendwo ein zusammengerollter Igel drin liegt.

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