Corona

Velbert: Coronakrise bremst auch Autoverwertung aus

Autoverwerter Stefan Nikolinski durchlebt schwere Zeiten – beruflich und privat.

Autoverwerter Stefan Nikolinski durchlebt schwere Zeiten – beruflich und privat.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Die Coronakrise setzt Stefan Nikolinski aus Velbert arg zu. Er betreibt Velberts einzige Autoverwertung. Doch da fehlt es schlicht an Nachschub.

Heiko Hein steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben: 500 Euro soll das AGR Ventil, das er für seinen Mercedes E-Klasse benötigt, beim Händler kosten. Nun hat er eins bei Autoverwerter Stefan Nikolinski entdeckt. Für 70 Euro kann er es haben, Selbstausbau oder nicht, das ist seine Entscheidung. „Ich vertrau dir, dass Du das kannst“, erklärt Stefan Nikolinski augenzwinkernd, „es gibt Kunden, die brauchen ein Teil und zerstören beim Ausbau alles drumherum, aber du machst das schon.“

Kunden suchen nach günstigen Ersatzteilen

Der Autoverwerter winkt eine Frau herbei, die an der Absperrkette zum Schottplatz steht – sie möchte die vorbestellte Kofferraumabdeckung für ihren Twingo abholen. Das Telefon klingelt, ein Mann will wissen, in welchem Umkreis Nikolinski seine Abschleppdienste anbietet. „Wir fahren überall hin“, teilt der Unternehmer mit und lacht, „auch ins Ausland. Alles kein Problem.“ Sein Mitarbeiter fragt nach dem Schlüssel eines Schrottfahrzeugs, dann klingelt wieder das Telefon. Ein anderer Kunde feilscht um den Preis für eine Lichtmaschine für seinen Golf 4. Vierzig Euro ist mein letztes Wort, sagt Niklolinski, der junge Mann verlässt leicht verärgert den Platz. „Mehr runter hätte ich wirklich nicht gehen können“, erläutert der Schrotthändler fast ein wenig entschuldigend, „gerade jetzt nicht, in diesen Zeiten.“

Weniger Neuwagenverkäufe, weniger Unfälle

Corona hat auch der Autoverwertungsbranche massiv zugesetzt: Bis zu 25 Prozent weniger Neuwagen wurden in den vergangenen Monaten verkauft, zudem verunfallen weniger Fahrzeuge, weil mehr Menschen im Homeoffice arbeiten. Aus dem selben Grund sieht auch die Auftragslage für sein zweites Standbein – den Pannendienst – schlecht aus.

Zudem hat er noch einen Onlinehandel mit KFZ-Teilen mit kleiner Niederlassung in Heiligenhaus. „Wir hatten schon mal eine schwere Zeit“, erinnert sich der Familienvater, „das war 2003, da lief es hier auch mehr schlecht als recht. Wir hatten damals kurz überlegt nach Kanada auszuwandern, haben es aber letztlich nicht getan.“

Nikolinski ist gelernter Koch

Seit 1997 betreibt der Heiligenhauser die Autoverwertung an der Schmalenhofer Straße, sein Vater hatte das Unternehmen 1975 gegründet. „Ich bin gelernter Koch“, erzählt der 55-Jährige, „ich wollte eigentlich nicht in die Fußstapfen meines Vaters treten, aber wie das so ist, er wurde plötzlich schwer krank und da bin ich da so reingerutscht.“

Frau wird zum Pflegefall

Lange lief alles gut, bis Nikolinskis Frau, die bis dahin den Onlinehandel und die Buchhaltung betreut hatte, vor drei Jahren von heute auf morgen wegen eines geplatzten Aneurysmas im Kopf zum Pflegefall wurde. „Abgesehen von der riesigen Sorge um meine Frau musste ich ja schauen, dass das Geschäft weiterläuft“, erinnert sich Nikolinski, „ich musste zwei zusätzliche Mitarbeiter einstellen, das alles kostet ja eine Menge Geld.“ Dazu kommt: Es wird immer mehr Elektronik verbaut, die neuen Autos werden immer komplizierter, immer mehr Hobbybastlern fehlt das nötige Know-how, sie geben auf.

Massive Existenzängste

Wie es jetzt für ihn und sein Unternehmen weitergehen soll, das weiß Nikolinski nicht: „Ich habe massive Existenzängste“, gibt er offen zu, „ich fühle mich aber nicht von der Regierung im Stich gelassen. Ich kann nur sagen, die Soforthilfe zu Beginn der Pandemie hat uns massiv geholfen, ohne wären wir garantiert unter die Räder gekommen.“

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