Gesundheit

Velbert: Auf dieser Station haben nur Frauen etwas zu sagen

Die leitende Oberärztin Anette Overbeck, v.l. die Gefäßassistentin Eva Palm, die Medizinstudentin Juliane Thyssen, die Chefärztin Dr. Gabriele Kischel-Augart, die Oberärztin Katrin Hähner, die Ärztin Sophia Göll und die Chefarzt-Sekretärin Susanne Wenze: Sie sind das Team der Gefäßchirurgie. Die Abteilung im Helios Klinikum Niederberg wird nur von Frauen geleitet.

Die leitende Oberärztin Anette Overbeck, v.l. die Gefäßassistentin Eva Palm, die Medizinstudentin Juliane Thyssen, die Chefärztin Dr. Gabriele Kischel-Augart, die Oberärztin Katrin Hähner, die Ärztin Sophia Göll und die Chefarzt-Sekretärin Susanne Wenze: Sie sind das Team der Gefäßchirurgie. Die Abteilung im Helios Klinikum Niederberg wird nur von Frauen geleitet.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Das Team der gefäßchirurgischen Abteilung im Helios-Klinikum ist komplett weiblich. Das wissen die Ärztinnen und die Patienten zu schätzen.

Klischees bestimmen vielfach noch immer das Bild von Chirurgen und vor allem von den Chefärzten: gesetztes Alter, über allen Dingen stehend und vor allem männlich. Damit räumt zumindest eine Fachabteilung im Helios Klinikum Niederberg gründlich auf. Das Team der Gefäßchirurgie ist komplett weiblich.

Das beginnt mit der Chefärztin Dr. Gabriele Kischel-Augart, geht weiter mit zwei Oberärztinnen, auch die beiden Assistenzärztinnen sind weiblich, ebenso die Studentin im praktischen Jahr und auch die Sekretärin – also eine ganz ungewöhnliche Abteilung.

Seit vier Jahren in Velbert

Kischel-Augart ist seit rund vier Jahren Chefärztin in Velbert, ihre Abteilung für Gefäßchirurgie wurde damals neu eingerichtet. Eine Oberärztin, mit der sie bereits an ihrer vorigen Wirkungsstätte zusammen gearbeitet hatte, brachte sie mit und komplettierte ihre Ärzteteam mit Frauen. „Es hat halt gerade immer gut gepasst“, sagt die Chefärztin. Dass gerade in ihrer Abteilung so viele Frauen tätig sind, mag auch an der Fachrichtung liegen.

Ein besonderes Händchen

„Natürlich gibt es auch gute männliche Gefäßchirurgen, aber Frauen scheinen ein besonderes Händchen für diese chirurgische Feinarbeit zu haben,“ sagt die Chefärztin, die eine der führenden Gefäßchirurginnen Deutschlands ist. So seien beispielsweise die Fäden mit denen hier genäht werde, so dünn wie ein menschliches Haar.

Ein spezielles Klima

In der „Frauenabteilung“ herrscht ein ganz besonderes Klima, das finden die Mitarbeiterinnen, aber auch die Patienten. Die Hierarchien seien flacher als in Abteilungen, die von Männern geführt werden. „Ich verrichte auch Arbeiten, die eine Chefärztin normalerweise nicht macht, wenn es gerade notwendig ist“, sagt die Chefin. „Und wenn mir eine meiner Ärztinnen sagt, möchtest Du Deine Entscheidung nicht noch einmal überdenken, dann mache ich das in der Regel auch.“ Zudem blieben alle Ärztinnen, auch die Chefin, bis zum Schluss gemeinsam bei einer OP, berichtet Oberärztin Katrin Hähner.

In von Männern dominierten Abteilungen hätten es Frauen immer noch schwerer, auf der Karriereleiter hoch zu steigen. „70 Prozent der Medizinstudentinnen sind weiblich. Auf den Chefarztsesseln in der Chirurgie sieht das noch ganz anders aus“, sagt Oberärztin Hähner.

Es geht familiär zu

Es gehe in der Abteilung etwas familiärer zu. „Wir kümmern uns umeinander und wir feiern auch schon mal zusammen“, sagt Ärztin Sophia Göll. „Viele Patienten sagen, dass bei uns eine gute Stimmung herrscht. Sie fühlen sich wohl in der Abteilung“ sagt Kischel-Augart. Die Kranken wüssten genau, wer für sie zuständig sei, mit ihnen würde die Behandlung ausführlich besprochen.

Mittlerweile wundern sie sich auch nicht mehr, dass sie von eine Frau behandelt werden. „Zu Beginn meiner Zeit fragten sie mich dann schon mal, ob auch der Doktor noch kommt. Und wenn ich mit einem Pfleger am Bett stand, wurde er als Herr Doktor angesprochen“, erzählt Katrin Hähner. Ganz im Gegenteil, manche Patienten freuen sich heute über die weibliche Doktorenschar. „Vor allem muslimische Frauen wollen sich nur ungern von einem Mann behandeln lassen“, fügt Hähner hinzu.

Verständnis für Probleme in den Familien

Familiär ist das Klima in der Abteilung auch deshalb, weil es untereinander Verständnis für die familiären Angelegenheiten der Beschäftigten gibt. Kischel-Augart ist selbst Mutter und kann nachvollziehen, wenn eine der Ärztinnen wegen eines eigenen kranken Kindes den Dienst verschieben muss. Alle Ärztinnen sind sich aber einig, dass ohne einen verständnisvollen (Ehe)-Partner ihr anspruchsvoller Job nicht funktionieren würde. „Er darf eben nicht sauer sein, wenn wir wieder einmal erst spät am Abend nach Hause kommen oder am Wochenende in die Klinik müssen“, sagt Katrin Hähner.

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