Naturschutz

Unerlaubte Rodung am Velberter Gut Stock sorgt für Wirbel

Heinz Mania (l.) und Thore Liedtke kritisieren die Rodung  am Langenhorster Wald.

Heinz Mania (l.) und Thore Liedtke kritisieren die Rodung am Langenhorster Wald.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert.  Die TBV haben in der Schonzeit Brombeergehölze beschnitten. Kritiker fürchten, dass nun das Ergebnis einer Artenschutzprüfung verfälscht wird.

Nach der Rodung einer circa 300 Quadratmeter große Fläche an der Grenze zum Langenhorster Wald hat es von mehreren Seiten Kritik an den Technischen Betrieben Velbert (TBV) gegeben. Den TBV wird vorgeworfen, die Schonzeit, nicht eingehalten zu haben. Die beruht auf dem Bundesnaturschutzgesetz und legt fest, dass im Zeitraum vom 1. März bis zum 30. September keine Hecken, Gebüsche oder Bäume geschnitten werden dürfen. Die Ruhe soll den Schutz nistender und brütender Vögel und anderer Tiere gewährleisten. Trotzdem führte die TBV am 13. August den Rückschnitt der Brombeergehölze am Hülsbecker Weg durch. „Dieses mächtige und dichte Gehölzdickicht bot zweifellos vielen Kleinsäugern, Vögeln und Amphibien Lebensraum und stellt für viele ein wertvolles ökologisches Nahrungshabitat dar“, klagt Carsten Haider, NABU Verbandsmitglied und Mitglied der Grünen , an.

„Rodung unbewusst geschehen“

TBV-Vorstand Sven Lindemann spricht von einem „Fehler, der unbewusst in Eile geschah, der künftig nicht mehr passieren sollte.“ Anlass für die Rodung seien notwendige Vermessungsarbeiten gewesen. Und zwar handelt es sich bei der gerodeten Fläche um einen Teil des insgesamt 13000 Quadratmeter großen Plangebiets für einen neuen Bebauungsplan der Stadt. Dort am Hülsbecker Weg sollen zehn neue freistehende Einfamilienhäuser entstehen. Außerdem will sich die Therapieeinrichtung Gut Stock erweitern.

Weitere Artenschutzprüfung

Die Umsetzung dieser Projekte dürfte allerdings noch auf sich warten lassen, da laut Ratsbeschluss zunächst eine Artenschutzgutachten der Stufe zwei auf der Fläche vorgesehen ist. Diese soll im Vorfeld die Planung auf dem Gelände auf die Umweltverträglichkeit im Sinne des Naturschutzgesetzes prüfen. „Zunächst ist das Ergebnis der Artenschutzprüfung abzuwarten. Das Aufstellungsverfahren des Bebauungsplanes wird nach Vorliegen der Artenschutzprüfung, voraussichtlich im Sommer 2020, fortgeführt“, heißt es von Seiten der Stadt Velbert.

„Kleine Tiere werden vergrämt“

Carsten Haider befürchtet, dass durch die Rodung „das Ergebnis einer solchen Artenschutzprüfung schon im Vorfeld verfälscht wurde und zahlreiche Amphibien, brütende Vögel und Kleinsäuger getötet oder vergrämt wurden“. Thore Liedtke ist Anwohner am Hülsbecker Weg und teilt Haiders Meinung: „In diesem Gebiet gab es eine starke und ausgeprägte Pflanzen und Tiervielfalt“. Grundsätzlich habe er, so Liedtke, nichts gegen die Pläne der Stadt, schließlich soll davon die auch die ansässige Therapieeinrichtung profitieren. Für den Velberter sei es allerdings sehr wichtig, dass ein solches Vorhaben auf Grundlage einer nicht beeinflussten Artenschutzprüfung umgesetzt wird.

Wie Stadtsprecher Hans Joachim Blißenbach mitteilt, haben die Rodungen „zu keiner Verfälschung der Artenschutzprüfung führen, da die erste Begehung im Rahmen dieser bereits im Vorfeld der Rückschnitts- und Mäharbeiten durchgeführt wurden.“

Kreis verzichtet auf Strafzahlung

Die Missachtung der Schonzeit haben die Technischen Betriebe indes bei der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Mettmann selbst angezeigt. Daniela Hitzemann, Sprecherin des Kreises, erklärt diesbezüglich: „Die Technischen Betriebe haben glaubhaft vermittelt, dass die Schonzeit versehentlich und nicht gezielt missachtet wurde“. Von einer Strafzahlung würde daher abgesehen werden.

Für Haider ist der Verzicht auf eine Geldstrafe unverständlich: „Dadurch findet kein Lerneffekt statt.“

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