Neanderland-Biennale

Theaterfestival im Kreis funktioniert auch ohne Worte

Das Ensemble von „Papas Kriege“: Die Darsteller und der Regisseur stellten zusammen mit den Organisatoren das Programm der Biennale vor.

Das Ensemble von „Papas Kriege“: Die Darsteller und der Regisseur stellten zusammen mit den Organisatoren das Programm der Biennale vor.

Foto: Alexandra Roth

Kreis Mettmann.   Verständigung kann schwierig sein. Und unterhaltsam. Mit Sprachverwirrung und Volkstheater bricht die Neanderland-Biennale auf zu „Neuen Ufern“.

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Es stand schon mal besser um die europäische Verständigung. Von „schwierigen Fahrwassern“ spricht mancher. Mancher enttäuschte Europäer kommentiert die nationalen Alleingänge von EU-Mitgliedern nur noch mit: „Ohne Worte.“ Das am 23. Juni beginnende Theater-Festival Neanderland-Biennale wendet diesen verdrossenen Kommentar ins Konstruktive: Viele der polnisch-französisch-deutschen Koproduktionen kommen ohne Worte aus, etwa mit Tanz oder Pantomime. Andere schlagen aus den kulturellen Unterschieden komisches und tragisches Potenzial. Zum Beispiel die Eigenproduktion „Papas Kriege“ über Europas Kriegs-Vergangenheit, die am 24. Juni im Heiligenhauser Club Uraufführung hat.

Europa als Picknick-Tisch

Die Idee hatte Schauspieler Matthias Kuchta, der eine typisch mitteleuropäische Familiengeschichte hat: polnischer Nachname, Opa Sanitäter im Ersten Weltkrieg, „der Vater überzeugter Nationalsozialist und großer Briefeschreiber“. Kuchta sei im Nachlass auf „Briefe mit entsetzlichen Inhalten“ gestoßen. Er wollte das „mit einem Minimum an Sprache so aufarbeiten, dass Menschen verschiedener Länder ein Stück dokumentarischer Wahrheit darin finden können.“

In der Aufführung ist Europa ein klappbarer Picknick-Tisch. Ein Deutscher, ein Pole und ein Franzose kämpfen damit, aber auch gegeneinander. Immer wenn es schwierig wird, wird ein Feldpostbrief vorgetragen. „Im Moment fehlt es in Frankreich an Debatte“, bestätigt Regisseur Claude Magne eine Diagnose, die auch für Deutschland gilt. „Weil man Angst vor Konflikten hat.“ Auf der Bühne dürfen die ausgetragen werden.

Abschluss-Parade in Velbert

Schauspieler Zbyszek Moskal stichelt. „Der Regisseur befürchtet immer, dass ich die Nuancen nicht verstehe“, sagt er und bringt polnische Wurschtigkeit gegen französische in Stellung. „Aber ich habe mir gedacht: Wenn die Kollegen das mit der Europäischen Union hinbekommen haben . . . da werden auch nicht alle Feinheiten mitübersetzt.“ Auf der Bühne gebe das Surfen auf dem Missverständnis jedenfalls super Bühnen-Effekte, findet Moskal.

19 weitere Veranstaltungen bietet die Biennale. Zum Auftakt etwa gibt es am 23. Juni nach einem Bürger-Essen und einer Prozession zum Wülfrather Krappsteich drei „Uferlegenden“ zu sehen.

Enden soll die Biennale am 23. Juli dann „mit einer trinationalen Theaterparade“, die ab 16 Uhr vom Parkplatz Grünstraße durch Velbert gehen soll. Thema: Odysseus’ Irrfahrten. Auch die städtische Musik- und Kunstschule wirkt mit – mit Theater, Tanz, Bläsern, Streichern, Sängern und Trommlern, außerdem Akteure wie die Feuerwehr und die Tafel. „Eigentlich haben wir zu, weil Sommerferien sind“, erklärt Ute Kranz von der Schule, „aber wir haben gesagt: Egal, wir wollen dabei sein.“

Vorverkauf hat begonnen

Der Kartenvorverkauf für die Biennale hat auf www.neanderland-biennale.de begonnen. Vorverkaufsstellen kann man auch unter (0800) 400 4111 erfragen. Das Programm soll bald an diversen Stellen ausliegen und ist im Internet einzusehen. Wer will, kann es auch unter (02104) 99-0 oder per Mail an kulturamt@kreis-mettmann.de anfordern.

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