Starkregen-Vorsorge

TBV zeigen Gefahren durch Starkregen in Velbert auf

Tobias Kemper, Netzwerker Klimafolgenanpassung bei der Energieagentur NRW, belegte eindrucksvoll: Der Klimawandel ist da. Und zwar massiv. Also muss dringend auch Vorsorge getroffen werden.

Tobias Kemper, Netzwerker Klimafolgenanpassung bei der Energieagentur NRW, belegte eindrucksvoll: Der Klimawandel ist da. Und zwar massiv. Also muss dringend auch Vorsorge getroffen werden.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Velbert.  Der nächste Starkregen kommt bestimmt. Eine Analyse zeigt jetzt auf, an welchen Stellen im Stadtgebiet von Velbert das gefährlich werden kann.

Hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger. Damit sich die Velberter jedoch rechtzeitig für den Fall wappnen können, wenn der Himmel seine Schleusen mal wieder so richtig weit öffnet und sich schon vorher schlau machen, haben die Technischen Betriebe Velbert (TBV) eine Analyse zur Starkregengefahr für das komplette Stadtgebiet erstellen lassen. Ihre Resultate sind in einer so genannten Starkregengefahrenkarte zusammengefasst.

Fließwege des Wassers sind dargestellt

Sie zeigt auf, wo sich die Wassermengen ihren Weg suchen und bahnen, wenn das Kanalnetz in Nullkommanix überlastet ist und Straßenzüge zu Bachläufen geworden sind, und sie weist die Risikobereiche aus, in denen die Gefahr besonders hoch ist, dass zum Beispiel der Keller vollläuft. Anhand der Fließwege ist abzulesen, welche Gebäude jeweils ggf. gefährdet sind.

Stadt und TBV hatten dazu jetzt einen sehr gut besuchten Infoabend „Starkregengefahr und -vorsorge in Velbert“ am Sitz der TBV ausgerichtet. Neben dem Klimaschutzmanager Marian Osterhoff und Carmen Sauerwein (TBV-Sachgebietsleiterin Entwässerung) waren am Mittwochabend Tobias Kemper (Energieagentur NRW), Holger Ackermann von einem Essener Ingenieurbüro und der Versicherungsfachmann Dirk Schole als Referenten und Experten mit von der Partie.

Wetterextreme werden zur Normalität

Handeln ist geboten. Das machte Kemper klar, der den fortschreitenden Klimawandel u. a. mittels der Temperaturentwicklung über Jahrzehnte belegte. Und zwar auch runtergezoomt auf den Kreis Mettmann und das Bergische Land. Man müsse sich auf Wetterextreme einrichten, zwischen Sturzfluten und Niedrigwasser, zwischen Starkregen und Trockenphasen. „Wir sollten das Ganze auf keinen Fall unterschätzen“, mahnte er. Klimaschutz alleine reiche nicht aus, eine Anpassung an die Klimafolgen sei ebenfalls vonnöten. Das bedeute auch sowohl eine städtische als auch eine private Überflutungsvorsorge. „Die Stadt für das Klima von morgen muss heute gebaut werden.“

Immense Mengen in kurzer Zeit

Von Starkregen wird per Definition dann gesprochen, wenn immens große Niederschlagsmengen in kurzer Zeit herabprasseln, häufig auch räumlich sehr begrenzt auf nur einen Stadtteil oder ein Quartier. Im schlimmsten Fall hat das massive Überflutungen zur Folge, können dadurch besonders in Siedlungsgebieten beträchtliche Sach- und Personenschäden entstehen. 2008 traf es Velbert geradezu katastrophal, als damals im Juli Land unter herrschte. Die Schäden waren immens, sind bis heute unvergessen. Tagelang wurde anschließend extra Sperrmüll abgefahren. Im vergangenen Jahr gab es im benachbarten Wuppertal chaotische Zustände, und erst vor wenigen Monaten wateten Dortmunder in ihrer Stadt durchs Wasser.

Nach Auskunft von Carmen Sauerwein kann es vor allem für Häuser in Senken richtig prekär werden, wo sich letztlich die Fluten sammeln. Auf Keller, zugehörige Treppen, Lichtschächte und Souterrainräume müsse man besonders acht geben. Eine Vergrößerung des Kanalnetzes komme nicht in Betracht; man bevorzuge eine Lösung über den Straßenraum und das Fluten von Frei- sowie Spielflächen, führte sie aus.

Alte Versprechen gebrochen

Aus dem Publikum kam die Empfehlung, doch lieber den Rat ausführlich über das Starkregen-Thema aufzuklären, bevor weitere Flächen wie das Areal Große Feld versiegelt würden. In Velbert werde erst reagiert, wenn Kinder zu Schaden kämen, meinte ein Bürger aus dem Hefel, offenbar in Anspielung auf das tragische Rinderbach-Unglück. Er habe in seinen 80 Lebensjahren bereits drei so genannte Jahrhundert-Regen mitgemacht, erzählte er. Und monierte, dass die einst im Zuge der Schaffung des Gewerbegebietes Röbbeck den Bürgern versprochenen zwei Regenrückhaltebecken nie gebaut worden seien.

Wachsam ohne Hysterie

Klug beraten ist auf jeden Fall jeder Hausbesitzer, der z. B. die Rückschlagklappen gegen das Eindringen von im Kanalnetz aufgestautem Wasser und das Funktionieren seiner Heberanlage kontrolliert. Man müsse unbedingt Bau-, Verhaltens- und Risikovorsorge treffen, riet Holger Ackermann: „Seien Sie wachsam, aber nicht hysterisch!“

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