Schnelles Internet

Stadtwerke knüpfen ein Glasfaser-Netz für ganz Velbert

Murat Tirkiz und Perry Freund (re.) von der Firma STG installieren im Auftrag der Stadtwerke Velbert ein Glasfaserkabel in der Röbbeck. Das Industriegebiet zählt vor Ort zu den Pilot-Bereichen.

Murat Tirkiz und Perry Freund (re.) von der Firma STG installieren im Auftrag der Stadtwerke Velbert ein Glasfaserkabel in der Röbbeck. Das Industriegebiet zählt vor Ort zu den Pilot-Bereichen.

Foto: Alexandra Roth

Velbert.   2025 wollen die Stadtwerke Velbert den Glasfaser-Ausbau abschließen. Im ersten Cluster startet der Vertrieb. Geschäft fordert einen langen Atem.

Spektakulär sehen sie absolut nicht aus, aber Glasfaserkabel sind echte Könner, sorgen sie doch für eine wesentlich schnellere Internetleitung. So ermöglicht die Glasfaser-Technologie bis 1000 MBit pro Sekunde, während im Fall einer herkömmlichen DSL-Leitung bei maximal 100 MBit pro Sekunde Feierabend ist. Ganz im Gegensatz zu dem hohen Tempo steht das ebenso zeitraubende wie aufwändige Geschäft, die nötige Infrastruktur zu schaffen und dafür überhaupt erst einmal ein Glasfaser-Netz zu knüpfen. Nach einem Grundsatzbeschluss ihres Aufsichtsrates haben die Stadtwerke Velbert diese Aufgabe in Angriff genommen. „Wir planen den Ausbau für ganz Velbert“, sagt Stefan Freitag, „bis 2025 sollen zumindest 95 Prozent der Einwohner die Chance haben, die Produkte zu nutzen.“ Schließlich sei das Verlangen nach schnellem Internet in den letzten Jahren immer größer geworden.

Beim Ausbau müsse man sich zunächst mit dem Eigentümer der jeweiligen Straße ins Benehm setzen, so der Geschäftsführer weiter. Das seien hier in der Regel die Technischen Betriebe. Im zweiten Schritt müsse mit jedem einzelnen Grundstückseigentümer ein Nutzungsvertrag geschlossen werden, damit auf dessen Grund und Boden gebuddelt und die Glasfaserleitung verlegt werden dürfe. Und natürlich der Hausanschluss bis ins Innere. Drittens gehe es an den Kundenvertrag. Will er das Produkt mit den Offerten TV, Internet und Telefon? „Das alles macht es viel komplizierter als beim Strom-, Gas- und Wassernetz“, sagt Freitag, „und ist auch für uns Neuland.“

Drei Cluster sind die Vorreiter

Als Piloten haben die Stadtwerke ein Gewerbe- bzw. Industriegebiet und Privatkundenmärkte ausgewählt, wo noch keine Hochleistungsversorgung existierte. Freitag: „Hier herrscht der größte Nachholbedarf.“ Drei so genannte Cluster sind das. Im Bereich Neviges (komplett bis auf Windrath und Nordrath) wurden bislang 1480 Nutzungsverträge geschlossen, in Tönisheide sind’s 705 und in der Röbbeck liegt der Stand bei 138. Die Hausanschluss-Raten rangieren aktuell in den Gebieten bei 20, neun und 93 Prozent in Abhängigkeit vom Ausbaustatus und sie steigen täglich. Betreiber des Breitbandnetzes wird ein Dienstleister im Auftrag der Stadtwerke; der Anschluss der Schulen ans Netz bis 2020 läuft als Sonderauftrag quasi nebenher.

Baukolonnen gehen von Haus zu Haus

Neviges ist das größte Gebiet. Die Baukolonnen gehen dort von Haus zu Haus und machen vier bis zehn Anschlüsse pro Woche“, berichtet Bert Gruber. Das sei dann kostenlos, wenn die Kolonne in der Straße sei, erläutert der Stadtwerke-Prokurist und Vertriebsleiter für das Glasfaser-Produkt „ComBert“. Später werde ein Hausanschluss 2500 bis 3000 Euro kosten. In den drei Clustern seien für die Trassen in den Straßen 50 von 78 Kilometern erledigt; bei den Tiefbauarbeiten werde bis auf wenige Leerrohre eigentlich immer neu verlegt.

Für die drei Pilot-Bereiche investieren die Stadtwerke über Jahre verteilt 20 Millionen Euro. „Aus eigener Kraft“, wie Stefan Freitag ergänzt. „Wir verstehen uns als der Infrastrukturanbieter in Velbert“, begründet er auf Nachfrage das Glasfaser-Engagement, das bundesweit bereits über ein Drittel aller Stadtwerke eingegangen seien. Zudem verzeichne man leicht zurückgehende Margen bei Strom und Wasser und sei davon überzeugt, dass das Breitbandgeschäft eine zukunftsfähige Sparte sei. „Das erfordert langen Atem, aber wir können und dürfen ja langfristig rechnen.“ Die Sparte sei in das Gesamtunternehmen integriert und bewusst nicht als Tochterunternehmen ausgegründet, man habe teilweise Know-How zugekauft und auch durch Neueinstellungen sowie Fort- und Weiterbildung hinzugewonnen.

Sowohl betriebsbereit als auch vertriebsbereit

„Der Markt ist echt leer“, sagt Bert Gruber zur Verfügbarkeit entsprechender Fachkräfte. Aus seiner Sicht trumpft Glasfaser vor allem „durch die unbegrenzte Bandbreite bzw. Geschwindigkeit von Up- und Downloads“ auf; ein weiteres Plus sei der „deutlich geringere Stromverbrauch“.

Abfolge weiterer Gebiete wird noch festgelegt

Die reine Bautätigkeit liege etwa im Plan, sagt Stefan Freitag und betont das Grundprinzip: „Wenn wir mit einem Produkt auf den Markt gehen, dann hat das zu funktionieren.“ Aktuell laufe in der Röbbeck die Vermarktung bei den Gewerbe-Kunden an: „Wir sind betriebsbereit und damit auch vertriebsbereit.“ Die Abfolge weiterer Ausbaugebiete werde bis Mitte des Jahres „nach streng sachlichen Kriterien“ festgelegt.

Auf www.stadtwerke-velbert.de/combert weisen die Stadtwerke den Weg zur Glasfaser und klären Fragen.

>>Präsentation zum Thema im Fachausschuss

  • Der Ratsausschuss für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing tagt am Donnerstag, 14. März, um 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke (Kettwiger Straße 2). Hauptthema ist der Ausbau des Glasfasernetzes. Die Stadtwerke präsentieren den Ausbaufortschritt mit Schwerpunkt der Darstellung im Industriegebiet Röbbeck, nennen technische Details zur Technik und erläutern die Produktmerkmale.
  • Bürger sind zur Teilnahme an der öffentlichen Sitzung eingeladen. Die vollständige Tagesordnung einschließlich der veröffentlichten Beratungsvorlagen kann im Ratsinformationssystem auf velbert.ratsinfomanagement.net eingesehen werden.

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