Nationalsozialismus

Stadt, Parteien und Schüler gedachten der NS-Opfer

Der stellvertretende Bürgermeister Emil Weise mahnte die Schüler bei der Gedenkveranstaltung wachsam zu sein.

Der stellvertretende Bürgermeister Emil Weise mahnte die Schüler bei der Gedenkveranstaltung wachsam zu sein.

Foto: Heinz-Werner Rieck

Velbert-Mitte.   Erinnerung an die Pogromnacht vom 9. November 1938. In den folgenden Jahren wurden in Velbert 100 Juden ermordet.

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Hundert jüdische Mitbürger waren es allein in Velbert, die im Dritten Reich von den Nazis umgebracht wurden. Und auch in Velbert malträtierten die Nazischergen in der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 Menschen, die nach ihrer Rassenlehre Juden waren. An die schrecklichen Geschehenisse vor 79 Jahren erinnerte die Stadt Velbert gestern am Gedenkstein neben der Alten Kirche.

Viele junge Menschen auf der Gedenkfeier

Eine ganze Schar junger Menschen hatte sich zur Gedenkfeier eingefunden. Die jungen Männer und Frauen sind Schüler der 12. Jahrgangsstufe der Gesamtschule und nehmen an zwei Geschichts-Projektkursen teil. Sie werden im Frühjahr das Konzentrationslager in Auschwitz besuchen. „Das Interesse sich mit der NS-Zeit und der Judenverfolgung zu beschäftigen ist nach wie vor groß“, berichtete ihr Lehrer Thomas Badstieber. Und so stießen auch die Worte des stellvertretenden Bürgermeisters Emil Weise, der sich in sehr persönlichen Worten an die Schüler wandte, auf großes Interesse.

Weiße Rosen

Ihm gehe das Wort „Auschwitz“ immer noch schwer über die Lippen, bekannte der Politiker, der erst nach dem Krieg geboren wurde. Aber er habe aber immer wissen wollen, in wieweit sein Vater an den Gräueltaten beteiligt gewesen war. Der habe aber zumindest, wie so viele andere auch, dem schlimmen Taten der Nazis zugesehen.

Und dann zog er auch Parallelen zu heutigen Zeit. Rassismus und Fremdenfeindlichkeit seien wieder auf dem Vormarsch. Da sei es wichtig, sich immer wieder vor Augen zu führen, zu was das geführt habe. Und er empfahl einen Besuch der Gedenkstätte Alte Synagoge in Wuppertal. Dort werden zahlreiche Einzelschicksale von Juden aus der Region dokumentiert.

Erinnerung an die Familie Aaron

Die Jugendlichen hingen auch an den Lippen von Reiner Köster. Der Linken-Politiker nannte die Zahlen der Juden, die allein in unserer Stadt umgebracht wurden. In Velbert-Mitte waren es 50-60, sowie 20 in Langenberg und 25 in Neviges. An den „Stolpersteinen“ legte er weiße Rosen nieder.

Gleich um die Ecke, beim Schuhhaus, nur wenige Meter vom Gedenkstein entfernt, liegt der nächste. Er erinnert an die Familie Aaron, die dort ihr Geschäft und ihre Wohnung hatte. In der Velberter Zeitung von 1963 berichtete ein Augenzeuge: „Das Grundstück sah aus wie ein Müllkippe. Die Täter mussten die gesamte Wohnungseinrichtung der Familie nach unten auf die Straße geworfen haben.“ Auch das Geschäft habe ein Bild wüster Zerstörung geboten. Weiter die Friedrichstraße hinauf, seien die Nazis dem Geschäft Salomon zu Leibe gerückt. Es habe lichterloh gebrannt.

Kränze niedergelegt

Damit es nie wieder zu solchen Szenen in unserer Stadt kommt, legten unter anderem die Stadt, Linke, DKP und auch die Schüler der Gesamtschule Kränze und Blumen am Gedenkstein nieder.

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