Kriminalität

So ziehen Betrüger im Kreis Senioren mit dem Enkeltrick ab

Niemals sollte man fremden Menschen an der Hautür Bargeld übergeben, so die Polizei.

Niemals sollte man fremden Menschen an der Hautür Bargeld übergeben, so die Polizei.

Foto: imago

Velbert/Kreis Mettmann.   Kaum ein Tag vergeht, ohne dass die Polizei auf die miesen Maschen von Kriminellen hinweist. Auch ein Velberter ist unter den Opfern.

Kaum ein Tag vergeht derzeit, ohne dass die Polizei auf Betrugsversuche oder geglückte Abzockereien im Kreisgebiet hinweist - insbesondere Senioren geraten dabei in das Visier der Kriminellen. Nachdem es auch in Velbert vermehrt zu Fällen mit falschen Polizisten gekommen war (WAZ vom 31.01.), wurden nun einige ältere Menschen Opfer des sogenannten Enkeltricks. Zudem treiben im Kreis wieder Betrüger ihr Unwesen, die sich an der Haustür etwa als Handwerker, Stromableser oder Wasserwerker ausgeben und dann – nachdem sie sich Zutritt verschafft haben – die Wohnung oder das Haus plündern.

Anrufer geben sich als Familienangehörige aus

Bei dem Enkeltrick rufen Kriminelle vorzugsweise bei Senioren an und geben sich zumeist als Familienangehörige aus. Dabei berichten sie von einer finanziellen Notlage oder davon, dass sie für eine Anschaffung ganz spontan Geld bräuchten. Anschließend werden die Angerufenen gebeten, Bares zu besorgen und dies später einem Boten zu übergeben. Die Betrüger täuschen die in der Regel betagten Menschen auch gleich eingangs mit einem Trick, wie Kriminalhauptkommissar Bernd Hildebrand von der Dienstelle Kriminalprävention/Opferschutz der Kreispolizei berichtet: „Sie sagen beispielsweise: ,Hallo, ich bin’s’ oder ,Rate mal, wer hier spricht“. Sobald das Opfer einen Namen nennt, steigen sie ein und bauen eine Legende auf.“

Beispielsweise in dem Fall einer Seniorin in Hilden hatte sich ein Betrüger Ende Januar als Sohn ausgegeben. Er konnte die Dame durch geschicktes Reden dazu bringen, kurz darauf einer ihr völlig unbekannten Botin 15.000 Euro zu übergeben. Erfolg hatte auch ein Krimineller, der zur gleichen Zeit mit einer ähnlichen Masche eine 87-Jährige in Wülfrath um 12.000 Euro brachte.

Polizist rät auch Banken zur Wachsamkeit

Kriminalhauptkommissar Hildebrand rät, in solchen Fällen sofort aufzulegen und das Familienmitglied zu kontaktieren, das vermeintlich angerufen hatte. Danach solle umgehend die Polizei informiert werden, sollte es sich um einen Betrugsversuch gehandelt haben. Und: „Man sollte niemals Geld oder Wertgegenstände an irgendwelche unbekannten Menschen übergeben.“ Hilfreich sei es zudem, mit den Familienangehörigen gegebenenfalls ein Kennwort auszumachen. Dieses könne dann zur Sicherheit genannt werden, um eine Abzocke auszuschließen.

Hildebrand ruft daneben auch Banken zur Wachsamkeit auf: „Gerade wenn Senioren eine auffallend hohe Summe abheben wollen oder gegen sonstige Gewohnheiten verstoßen, sollten die Mitarbeiter aufmerksam sein und nachfragen.“ So seien auch bereits Taten verhindert worden.

Falsche Handwerker stahlen Schmuckstücke

Der Polizist warnt aus aktuellem Anlass zudem vor Betrügern, die an der Haustür beispielsweise als Handwerker auftreten. Darauf fiel am Montag, 28. Januar, eine Hildenerin rein: Sie ließ einen Mann in ihre Wohnung, der angab, die Wasserleitungen überprüfen zu wollen. Als das Ganze der 82-Jährigen aber komisch vorkam, wollte sie den Betrüger zur Tür begleiten – dabei kam aus ihrem Wohnzimmer ein Komplize, der dort Goldringe entwendet hatte. Die beiden verließen daraufhin fluchtartig die Wohnung. Vermutlich hatte der vermeintliche Handwerker entweder den anderen Mann unbemerkt hereingelassen oder die Haustür angelehnt.

Niemals Fremde einfach so in die Wohnung lassen

Bernd Hildebrand von der Kreispolizei empfiehlt, im Verdachtsfall die Tür zu schließen und sich von der Identität eines Handwerkers zu überzeugen. Dies solle erfolgen, indem man bei der Dienststelle anrufe, von der die Person angeblich kommt. „Allerdings sollte nicht eine Telefonnummer gewählt werden, die der vermeintliche Handwerker einem hinhält. Dahinter kann sich ein Mittäter verbergen.“

Grundsätzlich solle man auch keine Fremden in die Wohnung lassen und die Tür nicht einfach öffnen, sondern nur einen Spalt breit öffnen und diese etwa mit einer Türkette sichern. „Auch sollte man, wenn vorhanden, über eine Gegensprechanlage kommunizieren und den Türspion zu Sicherheit nutzen“, sagt Hildebrand.

>>DIE MASCHE MIT DEN FALSCHEN POLIZISTEN

  • Bei der Masche mit den falschen Polizisten rufen Betrüger vornehmlich bei Senioren an und geben sich als Ordnungshüter aus. Dabei warnen sie davor, dass Diebesbanden unterwegs und weder die Wohnung noch die Bank sicher seien. Daher werde ein Beamter bald kommen, um Bargeld und Wertgegenstände zur geschützten Verwahrung entgegenzunehmen. In Velbert ging auch ein Senior den Kriminellen am 22. Januar auf den Leim und gab ihnen „eine sehr hohe Summe“ an Bargeld, wie die Polizei mitteilte – aus ermittlungstaktischen Gründen wurde die genaue Höhe nicht genannt.
  • Wer Fragen zu solchen Betrügereien hat, wozu etwa auch der Enkeltrick zählt oder die Masche, dass Betrüger sich an der Haustür als Handwerker ausgeben, kann sich jederzeit an die Dienststelle Kriminalprävention/Opferschutz wenden. Kreisweiter Ansprechpartner ist Kriminalhauptkommissar Holger Kersken, der unter der Telefonnummer (02104) 982 -7717 zu erreichen ist.

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