Insolvenzverfahren

Velbert: Schwere Vorwürfe nach Insolvenz von Küpper

Die Firma Küpper Metallverarbeitung sitzt an der Haberstraße in Velbert-Mitte und hat zum bereits dritten Mal Insolvenz angemeldet.

Die Firma Küpper Metallverarbeitung sitzt an der Haberstraße in Velbert-Mitte und hat zum bereits dritten Mal Insolvenz angemeldet.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  Der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Velbert, Hakan Civelek, übt scharfe Kritik an Küpper-Investoren. Sie sind nicht die einzigen, die er angeht.

Nach der erneuten Insolvenz der Firma Küpper Metallverarbeitung (WAZ vom 10. 2.) erhebt der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Velbert, Hakan Civelek, schwere Vorwürfe gegen die Gramax-Gruppe – das Unternehmen hatte den Velberter Automobilzulieferer erst im Frühjahr 2019 übernommen. Auch der Restrukturierungsverantwortliche Dr. Dirk Andres, der im vergangenen Jahr dem Gläubigerausschuss Gramax als neuen Investor nahe gelegt habe, wird scharf kritisiert.

Neuer Investor „war eine schlechte Wahl“

Laut Civelek habe die IG Metall von Anfang an davor gewarnt, dass gegen die Geschäftsführer von Gramax Capital, Achim Pfeffer und Alexander Schwarz, bei der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ein Ermittlungsverfahren wegen des „Verdachts der Untreue zu Lasten des Minderheitsgesellschafters“ laufe. „Somit war es eine schlechte Wahl, ihnen das Unternehmen zu übergeben.“

Dem Investor sei es nur darum gegangen, möglichst viel Geld aus Küpper zu ziehen, sagt der Gewerkschafter weiter. So habe die neue Geschäftsführung bei Kunden versucht, massive Preiserhöhungen durchzusetzen, man habe „auf eine unseriöse Art und Weise in kürzester Zeit hohe Gewinne erzielen“ wollen.

„Massive Preiserhöhungen“ nicht durchgesetzt

Dabei habe sich das neue Management aber verkalkuliert – es sei wohl davon ausgegangen, dass die Kunden in der Kürze der Zeit keine neuen Lieferanten aufbauen könnten. Civelek: „Die Kunden hatten aber bereits ihre Schäfchen im Trockenen und wechselten den Lieferanten.“ Zu Beginn des Jahres übernahm dann eine Schweizer Beteiligungsgesellschaft Küpper von Gramax.

Gramax weist Schuld von sich

Auf Anfrage wies Achim Pfeffer von Gramax die Vorwürfe zurück: Nach der Übernahme 2019 habe man festgestellt, dass „die uns im Rahmen der Transaktion zur Verfügung gestellten Informationen und Planungen zur finanziellen und wirtschaftlichen Lage und Entwicklung nicht vollumfänglich den Tatsachen entsprachen“. Insbesondere die Angaben zu Zusagen der Kunden hinsichtlich der Erhöhung der Abnahmemenge hätten sich als falsch herausgestellt.

Und: „Der Grund für die Insolvenz Ende 2018/Anfang 2019 lag ursächlich in den zu niedrigen Artikelpreisen und nicht ausgelasteten Produktionsanlagen“, so Pfeffer weiter. Zur Deckung der Fixkosten und Erhaltung aller Arbeitsplätze wären jedoch die verhandelten Preis- und Mengenerhöhungen erforderlich gewesen.

„Insoweit ging es also nicht um eine Gewinn-Maximierung, sondern vielmehr um eine Verlust-Minimierung.“ Gleichzeitig seien die Kunden darüber informiert gewesen, dass der Geschäftsbetrieb dauerhaft nicht auf Basis der bisherigen Preise aufrecht erhalten werden könne. Pfeffer: „Ziel war es, von den Kunden belastbare Mengenzusagen zu erhalten, was aber auch aufgrund der derzeitigen Marktentwicklung im Automotive-Sektor nicht möglich war.“

Düsseldorfer Anwalt wehrt sich gegen Vorwürfe

Kritik gibt es aber nicht nur an Gramax. Auch der Restrukturierungsverantwortliche bei der Küpper-Insolvenz im vergangenen Jahr, der Düsseldorfer Anwalt Dr. Dirk Andres, wird vom IG-Metall-Bevollmächtigten scharf angegangen. „Er legte uns nahe, uns für Gramax zu entscheiden und steht meiner Meinung nach schon deshalb massiv in der Verantwortung.“ Zu diesem Zeitpunkt hätten auch Alternativangebote „seriöser Interessenten“ vorgelegen.

Dagegen wehrt sich Andres: Er habe vor der Situation gestanden, dass die Küpper-Hauptkunden nervös geworden seien und gedroht hätten abzuspringen. Es habe auch einen zweiten Interessenten gegeben. doch: „Dies war ein größerer Konzern, der allerdings nur wenig eigenes Geschäft in Küpper hätte einbringen können.“ Dieser sei auch in dem gesamten Verkaufsprozess „passiv“ geblieben.

Zweiter Interessent habe weniger geboten

Das sei nicht das einzige Problem gewesen: Der zweite Interessent habe auch einen niedrigeren Kaufpreis als Gramax geboten. Dazu Andres: „Wir brauchten dann eine Lösung, da sonst die Kunden abgesprungen und somit auch alle Arbeitsplätze weg gewesen wären.“ Am Tag vor der Gläubigerausschusssitzung habe der andere Konzern zudem verkündet, noch „mindestens acht Wochen zu benötigen“, um zu überprüfen, ob sich ein Kauf realisieren lasse.

So lange habe man aber nicht mehr warten können, so Andres. „Wir mussten auch nicht nur die Interessen der Arbeitnehmer wahren, sondern auch der Gläubiger. Hätten wir einen höheren Kaufpreis, der auch direkt bezahlt wurde, abgelehnt und wäre das Geschäft mit dem anderen Interessenten gescheitert, wären wir haftbar gewesen.“ Dies habe er dem Gläubigerausschuss und dem Sachwalter so mitgeteilt, schildert der Anwalt, der auch zu den Vorwürfen des Verdachts der Untreue gegenüber Gramax Stellung nimmt: „Wir wussten von dem Ermittlungsverfahren, doch es gilt auch die Unschuldsvermutung.“

Alles dransetzen, um Küpper zu retten

Hakan Civelek von der IG Metall will nun „auch nochmal ganz genau hinschauen müssen, welche Rolle die Berater, Eigenverwalter und Investoren bei diesem dubiosen Spiel gespielt haben und, ob auch in Velbert gegen Gramax ein Strafverfahren eingeleitet werden muss.“ Nun gelte es aber zunächst, Küpper zu erhalten: „Die entscheidende Frage wird jedoch sein, ob es uns gelingt, die verprellten Kunden wieder zurückzugewinnen. Wenn die Kunden nicht zurückkommen, müssen wir davon ausgehen, dass es keine Rettung mehr geben wird.“

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