Langenberg. Beim Wettbewerb „Jugend forscht“ treten zwei Schüler mit Mathe-App an. Die Anwendung spricht zu den schon 4000 Nutzern mit Sehbehinderung.
Barrierefreiheit für Blinde beim Berechnen von Gleichungen zu schaffen. Für diese Aufgabe haben sich Marvin von Hagen und Simon Bohnen eine Lösung ausgerechnet. Beim Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend forscht“ im Bereich Mathematik/Informatik konnten sie damit die Jury überzeugen: Diese verlieh den zwei Schülern aus Velbert und Essen einen ersten Preis. Ab Montag treten sie beim Landeswettbewerb an.
Schüler will mit der Anwendung seinem Cousin helfen
Inspiriert wurde die Idee der Schüler durch Marvins Cousin: „Von Geburt an ist er blind“, erzählt der 18-jährige Langenberger. Auf der „normalen Schule“ komme sein Cousin bestens zurecht: „Er ist ein sehr guter Schüler. Nur in Mathe, da gibt es Probleme“ — jedoch nicht etwa mit der Leistung, sondern mit dem Lesen von Gleichungen.
Anwende kann alle Teile der Gleichung vorlesen
Über drei Zeilen hinweg die Rechenwege mit Hilfe von Blindenschrift zu verfolgen und dabei verschiedene Zeichen, wie das der Wurzel, im Kopf speichern, das sei gar nicht so einfach. „Wie kann man mathematische Gleichungen also anders darstellen?“, überlegte sich Marvin gemeinsam mit seinem Freund Simon (17). Ein ganzen Jahr lang tüftelten die Schüler des Essener Maria-Wächtler-Gymnasiums an der Lösung: Eine App, die Gleichungen akustisch darstellen und mit einer simplen Wisch-Bewegung bedient werden kann.
Einfach zu bedienen wie ein Taschenrechner, aber eine riesige Erleichterung für diejenigen, die Formeln nicht auf dem Blatt Papier ablesen können. „4000 Downloads haben wir mittlerweile“, erzählt Simon, der sich ähnlich wie Marvin das Programmieren zum größten Teil selbst beigebracht hat. Eine große Zahl, finden die Entwickler, es gebe einen „enormen Markt“.
App löst ausschließlich quadratische Gleichungen
Die Anwendung „QuadraSolve“ löst quadratische Gleichungen. Mehr Funktion hätte am Ende mehr Zeit für die blinden Nutzer bedeutet. Für den Entscheid auf Landesebene haben die Schüler sogenannte „Skills“ für Sprachassistenten programmiert, die konkrete Fragen nach Rechnungen beantworten können. Die ursprüngliche App ist währenddessen für sehende Nutzer vor allem mit grafischen Elementen erweitert worden.
Nach dem Abitur steht ein Studium auf dem Programm
Nutzen dürfen die Schüler die Anwendung im Unterricht zwar nicht, Marvin und Simon tangiert das allerdings nicht mehr allzu sehr: Denn schon nächste Woche haben die Abiturienten ihren letzten Schultag, bevor sie beide - es lässt sich leicht ausrechnen - ein Studium im Bereich Mathematik und Informatik beginnen wollen.
Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Velbert