Prozess

Richter rekonstruieren mutmaßliche Entführung von Jungen

Symbolfoto: Der Fall um die mutmaßliche Entführung eines Zehnjährigen beschäftigt das Gericht.

Symbolfoto: Der Fall um die mutmaßliche Entführung eines Zehnjährigen beschäftigt das Gericht.

Foto: Oliver Berg / dpa

Wuppertal.  Einem 22 Jahre alter Angeklagter wird vorgeworfen, einen Zehnjährigen in Langenberg entführt zu haben. Nun gab es die Aussagen der Ermittler.

Herbe Schelle für einen Velberter Polizisten im Prozess um eine mutmaßliche Entführung auf offener Straße und versuchten Missbrauch eines zehnjährigen Schülers. Der Beamte erklärte Mittwoch im Landgericht Wuppertal, er habe sich auf seine Aussage nicht vorbereiten können. Er habe keinen Zugriff mehr auf die Akten. Der Vorsitzende Richter stellte klar: „Das ist ein Fall, der durch die Presse ging. Der Albtraum aller Eltern. Und dann kommen Polizisten und sagen, sie wissen nicht bescheid. Das ist Mist!“

Das Gericht rekonstruiert die Fahrt eines 22 Jahre alten Angeklagten aus der Innenstadt vom 22. Februar 2019: Er soll mit einem Mietwagen den Jungen von dessen Schulweg in Langenberg entführt und bis auf Hattinger Stadtgebiet gefahren haben. Er habe behauptet, dass er zur Schule des Zehnjährigen wollte und den Weg nicht kenne. Er habe den Jungen schließlich ziehen lassen, weil er nach einem leichten Autounfall befürchtete, entdeckt zu werden. Die Schule löste am selben Tag Ermittlungen aus: Der Junge habe herum erzählt, er sei entführt worden.

Kriminalpolizistin wurde misstrauisch bei ihren Ermittlungen

Eine Spezialistin der Kriminalpolizei sagte aus, sie sei anhand von Notizen zu den Ermittlungen sofort misstrauisch geworden: „Der Junge war in das Auto eingestiegen und tatsächlich woanders gelandet, als er sollte. Das ging über ‚Ansprechen eines Kindes‘ weit hinaus. Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl.“

Der Zehnjährige hatte den Kleinwagen beschrieben. Außerdem sollte der Fahrer den Tretroller angefasst haben, den der Junge dabei hatte. Die Spurensicherung kümmerte sich sofort darum. Ein öffentlicher Warn- und Fahndungsaufruf führte schließlich zum Angeklagten: Ein Autovermieter vom Velberter Stadtrand meldete sich, weil er einen Kleinwagen beschädigt zurück erhalten hatte. Er kannte Name und Adresse des 22-Jährigen.

Der nun Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft und bestätigt, gefahren zu sein. Verbrecherische Absichten hingegen bestreitet er. Laut Staatsanwaltschaft soll er durch Daten in seinem Handy und seinem Computer belastet sein: Er habe im Internet ausführlich nach Material zu Entführungen und Kindesmissbrauch gesucht.

Das Gericht will im November weiter verhandeln.

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