Natur

Rettungsaktion im hohen Gras

Ganz vorsichtig trägt Andreas Scheer das Rehkitz von der Wiese, die der Landwirt gleich mähen wird. Das Tier wir nicht mit den Händen berührt, sondern auf einem Grasbüschel liegend weggetragen. 

Ganz vorsichtig trägt Andreas Scheer das Rehkitz von der Wiese, die der Landwirt gleich mähen wird. Das Tier wir nicht mit den Händen berührt, sondern auf einem Grasbüschel liegend weggetragen. 

Foto: Oliver Karcher

Langenberg.  Jagdpächter am Sender haben an einem Tag fünf Rehkitze vor dem sicheren Tod durch Mähmaschinen bewahrt. Zum Einsatz kommen auch Wärmebildkameras

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Jetzt, im späten Frühjahr, erblicken die Rehkitze das Licht der Welt. Und jetzt beginnen die Bauern auch ihre Wiesen zu mähen und das Heu einzufahren. Das kann für Bambi und seine Freunde sehr gefährlich werden. Um die Jungtiere vor dem sicheren Tod durch die großen Mähmaschinen zu bewahren, haben die beiden Pächter vom Revier Langenberger Sender, Oliver Karcher und Andreas Scheer in enger Zusammenarbeit mit den hiesigen Landwirten mit dem Absuchen der Wiesen begonnen.

Jäger und Landwirte arbeiten hier eng zusammen

Dies geschieht immer kurz bevor der Landwirt mit dem großen Mähwerk kommt. Zu Wochenbeginn wurde nun mit der Maht der Wiesen im Revier begonnen. In den nächsten Tagen werden noch weitere „Such-Aktionen“ folgen, so die beiden Jäger.

Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgestattet

In enger Absprache mit den zuständigen Landwirten sind die Jäger dann auf den noch hoch stehenden Wiesen unterwegs. Hier liegen die Kitze im tiefen Gras. Entweder nehmen die beiden dann Jagdfreunden mit und entsprechend ausgebildete Jagdhunde, um so die Tiere zu entdecken. Oder aber die Waidmänner bedienen sich der modernen Technik.

Jetzt schon im dritten Jahr können die auf die Unterstützung eines Velberter Modellfliegers setzten. Seine Drohne ist mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet, damit fliegt er die Wiesen ab. Bereits am ersten Tag ihrer Aktion konnten die Jäger fünf Kitzen das Leben retten. Eine Vielzahl von Reviernachbarn in der Umgebung ist ebenfalls auf den Wiesen unterwegs, um die Kitze vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Den Kitzen fehlt noch jeglicher Fluchtinstinkt

Die Kitze werden von der Ricke, die auf Nahrungssuche geht, in das hohe Gras abgelegt – und dort bewegen sich diese praktisch nicht vom Fleck – bis die Ricke wieder kommt. Die Kitze sind so artig, dass sie auch dann nicht weglaufen, wenn sich die große, lärmende Ernte-Maschine nähert. Bei drohender Gefahr drücken sich die Rehe zum Schutz ins hohe Gras, anstatt zu fliehen. So bleiben sie zwar unentdeckt für ihre natürlichen Feinde wie Greifvögel oder Marder, aber eben auch für den mähenden Landwirt. Da den Kitzen derzeit noch jeglicher Fluchtinstinkt fehlt, sollen auch alle Hundebesitzer gerade zum jetzigen Zeitpunkt ihre Hunde angeleint lassen.

Kitze auf keinen Fall anfassen

Die beiden Jäger danken allen, die tatkräftig dazu beitragen, dass sie diese Art von Hege am heimischen Wild vollziehen können.

Sollten Spaziergänger ein Kitz finden, sollten sie es auf keinen Fall anfassen. Ansonsten wird es von dem Muttertier nämlich nicht mehr angenommen. Die Jäger haben bei ihrer Rettungsaktion stets Handschuhe an und heben die Kitze mit einer großen Portion Gras aus der Gefahrenzone.

<<<Rund 100 000 Kitze geraten in Mähmaschinen

Schätzungen gehen davon aus, dass allein in Deutschland über 100 000 Rehkitze durch Mähmaschinen schwer verstümmelt oder getötet werden. Hinzu kommen zahllose andere Jungtiere, die sich im hohen Gras oder auf Feldern verstecken, wie Feldhasen und am Boden brütende Vogelarten.

Denn ausgerechnet zur Mähzeit bringen Rehe und andere Tiere ihre Jungen zur Welt. Viele kommen nur zum Säugen zu den Kleinen.

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