Der aktuelle Prozess

Prügelattacke: Student kommt mit Geldbuße davon

Wuppertal.   Nach der Berufungsverhandlung vorm Landgericht bleibt Studentem eine Vorstrafe erspart. Das Amtsgericht hatte ihn zu sieben Monaten verurteilt.

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Einem heranwachsenden Angeklagten bleibt nach einer schweren Prügelei auf dem Froweinplatz in Langenberg eine Vorstrafe erspart. Er zahlt 1500 Euro Schmerzensgeld an sein Opfer und zusätzlich 500 Euro wegen mehrfacher Beleidigung, dann ist die Sache für den Studenten aus angesehener Velberter Familie erledigt. Das ist das Ergebnis seiner Berufungsverhandlung am Mittwoch vor dem Landgericht in Wuppertal. Die Staatsanwältin kommentierte: „Damit kann ich leben.“ Der Prozess war ein Nachspiel vom Nikolaustag 2015. Der Angeklagte war alkoholisiert auf dem Heimweg von einer Feier gewesen. Der Staatsanwaltschaft zufolge zog sich das Geschehen über mehrere Stationen auf dem Platz hin - mit derben Ansagen gegen Umstehende im Stil von „schwule Sau“ und eben Prügel für einen Passanten.

Auch Polizisten wurden von den Angeklagten übel beschimpft

Laut früherem Urteil des Amtsgerichts ging der zu Boden. Ein fast gleichalter Mittäter habe sich drauf gesetzt, der Angeklagte habe zugetreten. Nicht einmal die Polizei habe Ruhe gebracht. Die Männer hätten die Beamten vielmehr mit beschimpft – als „dumme Hauptschüler“. Eine Blutprobe beim Mitangeklagten wies Drogen nach.

Zum Prozess liefen die beiden Angeklagte mit insgesamt drei Anwälten auf, in VIP-Besetzung. Verteidiger Professor Dr. Klaus Bernsmann bemängelte in der Berufungsverhandlung: „Da ist die Rede davon, dass mein Mandant die Unterstützung durch den Mitangeklagten genutzt habe. Aber es ist nicht beschrieben, dass sie sich abgesprochen hätten.“ Zuwenig wäre das, um gemeinschaftliche Körperverletzung nachzuweisen.

Ungleichbehandlung beim ersten Urteil ließ Fragen offen

Der Vorsitzende Richter Dr. Michael Börsch hingegen wies auf einen anderen Umstand hin: Das Amtsgericht hatte gegen den nicht vorbestraften Studenten sieben Monate Bewährungsstrafe verhängt. Der Mittäter aber sollte nur zur Drogenberatung und Schmerzensgeld zahlen – bei identischem persönlichem Hintergrund: „Da hat man sich seltsamer Weise nicht einmal an den Grundsatz gehalten: Wer schlägt, der sitzt. Es gibt keinen Wochenendarrest, gar nichts.“

Zu den beiden Angeklagten gewandt fügt der Richter hinzu: „Eins ist mal klar: Da ist was passiert. So verhält man sich nicht.“ Sein Vorschlag: Das Verfahren um Körperverletzung stellt das Gericht ein, es gibt mehr Schmerzensgeld für den Getretenen und es bleibt bei Geldstrafe für die Beleidigungen: „Im Jugendstrafrecht können wir mit der Ungewissheit zurecht kommen, wenn das Unrecht eingestanden wird.“

Bernsmann und Anwaltskollegin Dr. Katharina Rausch stimmten für ihre Mandanten zu, die mit diesem Urteil weiter als unbestraft gelten: „Das Geld ist kein Problem. Natürlich tut ihnen das Leid.“

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