Weihnachten

Orthodoxe Christen feiern Weihnachten am 6. Januar

Kerzen und Lichter sind auch für die orthodoxe Weihnacht von zentraler Bedeutung.

Kerzen und Lichter sind auch für die orthodoxe Weihnacht von zentraler Bedeutung.

Foto: Ralf Hirschberger/dpa

Velbert.   Die WAZ-Mitarbeiterin Alina Kats ist gebürtige Ukrainerin. In dem überwiegend orthodoxen Land wird Weihnachten erst am 6. Januar gefeiert.

Das Weihnachtsfest wird von allen christlichen Völkern gefeiert. Es bringt viel Freude, Vergnügen – und auch Geschenke. Die Weihnachtszeit beglückt mit Ruhe, Besinnlichkeit und Hoffnungen auf eine gute Zukunft. Ein Teil der Christen feiert Weihnachten vom 24. bis zum 26. Dezember, der andere Teil am 7. Januar. In der orthodoxen Ukraine ist der 24. Dezember der offizielle Feiertag, obwohl die Ukrainer eigentlich erst am 7. Januar Weihnachten feiern.

Weihnachten beginnt am 6. Januar – Heiligabend. Dieser Tag ist mit einem leckeren Gericht, dem Kutya, verbunden. Es ist ein Brei aus Getreidekörnern, der mit Nüssen, Honig, Mohn und Rosinen gefertigt wird. Er steht mit noch elf weiteren Gerichten auf dem Tisch. In der Ukraine weiß jeder, dass zum heiligen Abend zwölf Gerichte zubereitet werden müssen, die die zwölf Apostel symbolisieren. Kutya ist das erste Gericht, das gegessen wird. Dann folgen die anderen.

Wer zum Essen zu spät kommt, ist das ganze Jahr spät dran

Zur Zeit der Kiever Rus (10. Jahrhundert) war es beliebt, am heiligen Abend Strohhalme unter das Tischtuch zu legen und darauf die Gerichte zu stellen. Das sollte daran erinnern, dass Jesus nicht in den Villen geboren wurde, sondern in einer Scheune. Mit der Zeit verschwand diese Tradition. Nur in einigen Gegenden im Westen der Ukraine wird an dem Brauch bis heute festgehalten. Zudem gibt es den Brauch, sich am Heiligen Abend mit der Familie zum Abendessen zu versammeln. Es ist ratsam, nicht zu spät zu erscheinen, da man sagt, dass man sich sonst das ganze Jahr verspäten wird.

Bräuche mit dem Fest verbunden

In Allgemeinen sind viele Volksglauben in der Ukraine mit Weihnachten verbunden. Wenn in den ersten drei Tagen des Festes Raureif an den Bäumen ist, wird es im Jahr viel Brot geben. Wenn es des Nachts viele Sterne zu sehen gibt, soll es eine gute Beerenernte geben. Der Frühling wird kalt, wenn der Weinachtstag warm ist.

Das Symbol dieses Feiertags ist ein grüner Tannenbaum. Der Stern, der normalerweise die Spitze des Baumes schmückt, ist ein Symbol für den Stern von Bethlehem, der den heiligen drei Königen den Weg zum Jesuskind erleuchtete. Mehrfarbige Kugeln, kleine Engel, Girlanden, Kerzen und Laternen erinnern an Lichter, die diese heilige Nacht für die Hirten von Bethlehem erstrahlen ließen. Und nun brennen diese Lichter in jedem Haus. Was die Geschenke betrifft – die werden in der Ukraine in der Silvesternacht unter einen Weihnachtsbaum gelegt.

Kinder und Erwachsene gehen von Haus zu Haus

An Heiligabend gehen Erwachsene und Kinder mit einem Bethlehem-Stern aus vergoldetem Papier von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder, so preisen sie die Geburt Jesus Christus. Und: An diesem Tag versöhnen sich Menschen mit denen, mit denen sie in Streit geraten sind. Sie vergeben alle Beleidigungen, um all die Freude nicht nur an den Feiertagen sondern darüber hinaus zu spüren.

<<< WARUM DIE ORTHODOXEN SPÄTER FEIERN

Rund 70 Prozent der 45 Millionen Ukrainer bekennen sich zum orthodoxen Christentum. Sowie die russische und die serbische orthodoxe Kirche und die Georgier begehen auch die Ukrainer das Weihnachtsfest nach dem älteren, östlichen (Julianischen) Kalender.

Der Julianische Kalender liegt seit der Kalenderreform aus dem Jahre 1582 um 13 Tage hinter dem damals eingeführten westlichen Gregorianischen Kalender. Die orthodoxen Weihnachtsgottesdienste finden demnach am 6. Januar (Heiligabend) und 7. Januar statt.

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