Beton-Kunst

„Oma und Opa“ - als Betonfigur für die Gartenbank

Der Schöpfer und zwei seiner Werke: Rudolf Pietzonka mit seinen Betonskulpturen „Oma und Opa“.

Foto: Uwe Möller

Der Schöpfer und zwei seiner Werke: Rudolf Pietzonka mit seinen Betonskulpturen „Oma und Opa“. Foto: Uwe Möller

Langenberg.   Mit seinen lebensgroßen Betonskulpturen sorgt Rudolf Pietzonka Auf der Egge häufig für Aufsehen. Auch die Nachbarn erfreuen sich an der Kunst.

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Sein Alter Ego sitzt im blauen Pullover, auf der Bank vor dem Haus, einen Golfschläger über dem Kopf haltend. Neben ihm, im roten Pullover, seine Frau – aufmerksam in einem Buch lesend. Immer wieder bleiben Menschen vor dem Haus Auf der Egge 62 stehen, bestaunen die beiden lebensgroßen Figuren, und fast immer huscht den Betrachtern ein Lächeln übers Gesicht. „Opa, der Golfspieler und Oma, die Leseratte“, lacht Rudolf Pietzonka, der die beiden Skulpturen, die zusammen wohl eine halbe Tonne wiegen, erschaffen hat. Und die Selbstbildnisse sind nicht die einzigen Kunstwerke, die der pensionierte Bauingenieur aus Stahl und Beton modelliert hat.

Er entdeckte die Kunst als Ausgleich zur täglichen Arbeit

„Ich habe als Baudynamiker bei RWE im Kraftwerkbau und Kraftwerkbetrieb gearbeitet – da hat man den ganzen Tag den Kopf voll, da braucht man einfach etwas zum Ausgleich“, erinnert sich der 69-Jährige, wie das bei ihm mit den Betonskulpturen angefangen hat. Als er dann, auch inspiriert durch die lebensgroßen Figuren der Wittener Künstlerin Christel Lechner, das Buch „Kunst aus Beton“ seines Berufskollegen, des Bauingenieurs Sven Backstein in die Hand bekam, war seine Leidenschaft für die Betonkunst schnell entfacht.

„Opa und Oma“, „Feuervogel Pia“, die Beton-Blumen „Lichtblicke im Winter“, ein namenloses buntes Huhn, ein Beton-Brunnen mit übereinander schwebenden Vögeln, die „Petersburger Goldsäule“, und, und, und: Der gesamte Garten und nahezu jeder freie Platz rund ums Haus wurde mit den Jahren zu Ausstellungsfläche für Pietzonkas Betonkunst.

Um Auftragsarbeiten wurde er gebeten – lehnt sie aber ab

Und das nicht nur zur Freude der Kinder und Enkelkinder: Auch die Nachbarn versichern mir immer wieder, wie sehr sie der Blick auf die Skulpturen in unserem Garten erfreut“, erzählt der 69-Jährige. Und das, versichert er, sei ihm mehr Lohn, als es Geld je sein könne.

Denn – ja, auch das hat es schon gegeben: Anfragen „wildfremder“ Menschen, ob er ihnen nicht auch so eine schöne Skulptur für den heimischen Garten machen könnte. „Ich habe aber entschieden, solche Auftragsarbeiten nicht zu übernehmen. Zum einen, weil es sich nicht rechnet, zum andern, weil es mir bestimmt nicht so viel Spaß machen würde“, gesteht Pietzonka rundheraus.

Einen ganzen Sommer hat er zum Beispiel an jeder der beiden großen Figuren vor dem Haus gearbeitet, die er heute nur noch mit Hilfe eines Autokrans bewegen kann. Da wird zunächst ein „Gerippe“ aus Baustahl und Streckmetall gebogen, gefaltet und ineinander verschränkt, anschließend werden die Hohlräume mit Styropor gefüllt damit der Beton Halt findet.

Nun hat es ihm eine alte Tür angetan – für ein neues Kunstprojekt

Und da der nur schicht- und stellenweise aufgetragen wird, kann auch nur schrittweise gearbeitet werden: „Immer wieder muss ich die Skulptur drehen, dann kann ich alle zwei Tage für zwei bis drei Stunden daran arbeiten – insgesamt dauert das dann schon drei Monate“, erläutert der Ingenieur.

In diesem Sommer könnte es allerdings sein, dass der Betonmischer An der Egge nicht in Betrieb genommen wird. Hat Rudolf Pietzonka bei einem Besuch der Enkeltochter, die zum Schulaustausch in Grenoble war, doch in einem Museum eine andere Kunstform entdeckt, die ihn fasziniert: Bunt bemalte Holztüren, vor eine weiße Wand gehängt. „Freunde haben mir schon eine Tür geschenkt – die ist 120 Jahre alt“, verrät der rastlose Geist, dass er demnächst wohl ein ganz neues Projekt angeht.

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