Welttag des Radios

Ohne Langenberg gäb’s kein Radioprogramm

Der Volksempfänger kam Ende Januar 1933 auf den Markt und gilt als eines der wichtigsten Instrumente der NS-Propaganda.

Der Volksempfänger kam Ende Januar 1933 auf den Markt und gilt als eines der wichtigsten Instrumente der NS-Propaganda.

Foto: Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Langenberg.  Vor mehr als 90 Jahren begann das Zeitalter des Radios in Langenberg, der Sender nahm seinen Betrieb auf – und auch die ersten Empfangsgeräte.

Die Genehmigung trägt die Nummer 44 und ist ausgestellt auf Ernst Goldmann. Außerdem wird dem Webermeister bestätigt, dass er für November 1933 die fällige Gebühr von zwei Reichsmark bezahlt hat – so viel kostete die „Genehmigung zur Errichtung sowie zum Betrieb einer Rundfunkempfangsanlage oder zum Anschluß an eine Rundfunkempfangsanlage“ vor knapp 90 Jahren.

„Diese Genehmigung entspricht dem, was heute die GEZ ist“, erläutert Karl Goldmann. „Mein Schwiegervater war einer der ersten in Langenberg, der eine solche Genehmigung erhalten hat“, erinnert sich der Lokalhistoriker, der im Arbeitskreis Alt Langenberg aktiv ist.

Vor 93 Jahren ging der Sender ans Netz

Schon sechs Jahre zuvor, am 15. Januar 1927, hatte der Sender auf dem Hordtberg seinen Betrieb aufgenommen. Die Langenberger brauchten allerdings nicht unbedingt ein Rundfunkempfangsgerät, um Radio zu hören, weiß Karl Goldmann: „Der Sender war so stark, dass viele sich mit einfachen Mitteln behalfen.“ In so manchem Keller hätten ein paar blanke Drähte und einfache Kopfhörer genügt.

Warum Karl Goldmann diese Anekdoten erzählt? Er möchte an den Welttag des Radios erinnern, der seit 2012 immer am 13. Februar begangen wird. Die Unesco führte diesen Gedenktag auf Antrag Spaniens ein, das Datum fällt auf den Jahrestag zur Gründung des United Nations Radio, das am 13. Februar 1946 erstmals auf Sendung ging.

Langenberg hat eine besondere Beziehung zum Radio

Natürlich habe Langenberg eine besondere Beziehung zum Radio, der Sender dominiere schließlich das Stadtbild und sei die herausragende Landmarke des Velberter Stadtbezirks. Allerdings bekommt auch der Betreiber der Anlage – der Westdeutsche Rundfunk (WDR) – die Entwicklung der Technik zu spüren.

Im Sommer 2015 endete nämlich ein Stück Geschichte, der WDR stellte die Ausstrahlung des Programms über Mittelwelle ein. Dafür nutzte die Rundfunkanstalt den kleineren der beiden Sendemasten. Dem WDR war die Mittelwelle schlicht zu teuer geworden, digitale Programme waren da längst billiger.

Sender stört Telefonleitungen in der Redaktion

Doch schon knapp 20 Jahre vorher schienen die Programme, die über 720 kHz liefen, kaum noch Hörer zu haben – denn im September 1996 riss ein Halteseil am kleinen Sender, der Mast fiel um. Doch das „fiel nicht einmal jedem Langenberger auf“, schrieb WAZ-Redakteur Alfons van Bevern im Jahr 2015.

Und noch eine Anekdote gibt es zum Thema Langenberg und Radio, auch die hat der ehemalige WAZ-Redakteur Alfons van Bevern notiert: Als die Langenberger Redaktion der WAZ mit einem Computer ausgestattet wurde, „standen vier ratlose Diplomingenieure in dem kleinen Raum. Der Computer wollte absolut nicht funktionieren.“

Und weiter „Bis einer den Telefonhörer ans Ohr hielt und entgeistert ausrief: ,Wer ist denn da in der Leitung?’“ Was der Techniker hörte war das Mittelwellen-Programm, ein daumennagelgroßer Filter schuf damals Abhilfe.

Buch über die Geschichte der Masten

Der große Bruder – der zweite Sendemast – ging Mitte 1990 ans Netz. Mit 301 Meter Höhe ist er fast so hoch wie der Pariser Eiffelturm (324 Meter), über ihn laufen Programme der Ultrakurzwelle UKW.

Die ganze Geschichte des Senders hat der Heimatforscher Jürgen Lohbeck in seinem Buch „Der Langenberger Sender – 1926 bis heute“ aufgezeichnet. Das Buch ist 2016 im Scala-Verlag erschienen, hat 263 Seiten und informiert zusätzlich über die Geschichte des Radios in Deutschland.

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