Rettungsdienst

So sollen Notfallsanitäter in NRW künftig Leben retten

Notfallsanitäter wie der Velberter Jörn Pickartz erreichen oft vor dem Notarzt einen Unfallort. Sie dürfen dann bereits invasive Eingriffe durchführen, um dem Unfallopfer zu helfen.

Notfallsanitäter wie der Velberter Jörn Pickartz erreichen oft vor dem Notarzt einen Unfallort. Sie dürfen dann bereits invasive Eingriffe durchführen, um dem Unfallopfer zu helfen.

Foto: Heinz-Werner Rieck

Kreis Mettmann.   Sie verfügen jetzt über deutlich höhere Handlungsbefugnisse – und sollen in Situationen helfen, in denen der Notarzt noch auf dem Weg ist.

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„Durch den Einsatz von Notfallsanitätern gibt es definitiv eine Qualitätsverbesserung in der Betreuung“, sagt Bodo Keißner-Hesse, Leiter der Bildungsakademie für Gesundheits- und Sozialberufe des Kreises Mettmann.

Kreis hat Notfallsanitäterschule gegründet

Seit 1. Januar 2014 gibt es ein auf Bundesebene verabschiedetes Gesetz, das das Berufsbild des Rettungsassistenten abgeschafft hat – zugunsten der Einführung des neuen Notfallsanitäters. Mit der Umsetzung des Gesetzes begannen die Kommunen im Land NRW allerdings erst Mitte 2015.

Damals hatte der Kreis Mettmann eine staatlich anerkannte Notfallsanitäterschule unter dem Dach der Bildungsakademie gegründet. Dort haben bereits mehr als 1800 Rettungsassistenten und Notfallsanitäter ihr Wissen durch eine jährlich durchgeführte 30-stündige Fortbildung aufgefrischt.

Besondere Kompetenzen

„Rettungsassistenten gibt es nun offiziell nicht mehr“, sagt Gerd Böttcher, hauptamtliche Lehrkraft an der Bildungsakademie, „sie wurden zu Notfallsanitätern weitergebildet; auch wenn ihnen der Titel des Rettungsassistenten natürlich offiziell nicht aberkannt wird.“ Darüber hinaus hat die Bildungsakademie knapp 100 langjährig erfahrene Rettungsassistenten zu Notfallsanitätern weitergebildet.

Mehr Kompetenzen als andere Sanitäter

Doch warum das alles: Notfallsanitäter verfügen im Rettungs-Alltag über deutlich mehr Kompetenzen als andere Sanitäter. „Sie dürfen invasive Eingriffe durchführen, bereits während der Notarzt auf dem Weg ist. So können Notfallsanitäter zum Beispiel Zugänge legen“, sagt Keißner-Hesse.

„Für diese besondere Kompetenz sieht das Notfallsanitätergesetz ein ständiges Training und Überprüfung der Notfallsanitäter vor“, erklärt Dr. Arne Köster, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Mettmann. Seit Beginn dieses Jahres durchlaufen daher alle Notfallsanitäter im Kreis eine zusätzliche Fortbildung, in der ihre Handlungskompetenzen vertieft, überprüft und durch die ärztliche Leitung an der Bildungsakademie zertifiziert werden. Im Anschluss an eine praktische Prüfung konnten in der vergangenen Woche die ersten zehn Notfallsanitäter anerkannt werden.

Langer Ausbildungsweg

Doch bis ein junger und beruflich relativ unerfahrener Mensch Notfallsanitäter ist, geht einige Zeit ins Land. Wer bereits länger als fünf Jahre als Sanitäter gearbeitet hat, kann eine Ergänzungsprüfung ablegen. Die Akademie bereitet mit 80 Unterrichtsstunden darauf vor. Für alle, die drei Jahre im Beruf arbeiten, wird eine Ausbildung mit 480 Stunden Unterricht fällig. Alle, die noch keine Ausbildung im Bereich vorweisen können, müssen die Vollprüfung zum Notfallsanitäter wahrnehmen.

Nur Pädagogen dürfen ausbilden

Eine Besonderheit im Lehrwesen zum Notfallsanitäter stellt die pflichtgemäße akademische Ausbildung der Lehrenden dar. Mit anderen Worten: Jeder, der Menschen zum Notfallsanitäter ausbildet, muss studiert haben. „Bei uns haben die meisten ,Health Care Education’ studiert“, sagt Böttcher, „ein Pädagogikstudium ist also Pflicht“.

>>> EINE TOCHTER DES KREISES METTMANN

  • Die Notfallsanitäterschule ist der Bildungsakademie für Gesundheits- und Sozialberufe des Kreises Mettmann angegliedert.

  • Als 100-prozentige Tochter des Kreises Mettmann ist die Akademie ein fester Bestandteil des öffentlich verantworteten Bildungswesens im Kreis Mettmann und der umliegenden Städte.

  • Das Bildungsangebot reicht von der Qualifizierung zur Betreuungskraft, über die Altenpflegeausbildung bis hin zum Studium.

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