Feuerwehr

Nevigeser Feuerwehrmann löscht bald in Arabien

Kirill Selenin, hier vor der Wache in Neviges an der Siebeneicker Straße, freut sich riesig auf die Herausforderungen in dem fremden Land.

Kirill Selenin, hier vor der Wache in Neviges an der Siebeneicker Straße, freut sich riesig auf die Herausforderungen in dem fremden Land.

Foto: Feuerwehr Neviges

Neviges.  Kirill Selenin von der Feuerwehr Neviges löscht bald Brände in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Idee dazu kam ihm im Traumurlaub.

Die Vorfreude ist so groß wie die Aufregung. Die Koffer sind gepackt, die Arbeitsstelle bei einem Unternehmen für Fugensysteme gekündigt. Kirill Selenin, der bisher ehrenamtlich als Unterbrandmeister die Feuerwehr Neviges unterstützte, düst am Sonntag, 27. September, in die Vereinigten Arabischen Emirate und wird dort hauptberuflich Feuerwehrmann. „Ich war noch nie so lange weg von zu Hause, ich bin schon sehr gespannt.“ Gespannt auf ein fremdes Land, eine fremde Kultur und vor allem auf die Arbeit. Aber eines weiß Kirill Selenin schon jetzt: Trotz Sonne und Traumstränden wird er seine Kameraden aus Neviges vermissen. „Ich liebe Neviges. Und ich hätte nie gedacht, hier mal wegzugehen.“l

Im Urlaub eine Feuerwache besichtigt

Hätte er seiner Mutter im Dezember nicht einen Herzenswunsch erfüllt, er würde auch in den nächsten Monaten wie üblich an den Gruppenabenden teilnehmen. Doch der Trip im Dezember veränderte sein Leben von heute auf morgen. „Das war immer ein Traumreiseziel für sie“, erzählt Kirill Selenin, der im Westsibirien geboren wurde, als Kleinkind nach Neviges kam und seit dem zwölften Lebensjahr der Nevigeser Feuerwehr die Treue hält. Seine Leidenschaft ließ ihn auch im Urlaub nicht los. „Nicht weit von unserem Hotel entfernt stand eine Feuerwache“, erzählt er. „Das ist typisch Feuerwehr: Man schaut gern einmal bei den anderen vorbei, um zu erfahren, wie sie arbeiten.“ Große Überraschung: Der Team Head der Wache, vergleichbar mit einem hiesigen Zugführer, war ein Deutscher. Der Leiter der Wache drückte Kirill Selenin nach einer ausgiebigen Führung seine Visitenkarte in die Hand: „Mit der Bemerkung, falls ich mal eine Bewerbung schreiben möchte,“ erinnert sich der Nevigeser.

Daheim schnell beworben

Wieder zu Hause, machte er Nägel mit Köpfen. Auf die Bewerbung folgten viele Anfragen, sein zukünftiger Arbeitgeber interessierte sich sehr für seine Ausbildung hier bei der Feuerwehr und die bisherigen Einsätze, aber auch für die Infrastruktur von Velbert wie Verkehr und Industrie. Zudem musste Kirill Selenin in einem kurzfristig anberaumten Online-Interview mit der Feuerwehr in Ra’s al-Chaima viele Fragen beantworten, das alles auf Englisch. Nach einem ausführlichen Security Check der dortigen Behörden dann die mit Spannung erwartete Nachricht. „Ich bekam am 10. März eine Mail, dass man mich als Assistant Supervisor in Ra’s al-Chaima, einem von vier Feuerwehrstandorten im Emirat, einstellen will.“

Lange Drehleiter für Hochhäuser

Arbeiten, wo andere Urlaub machen – das sieht für Kirill Selenin künftig so aus: „48 Stunden Dienst, 96 Stunden frei.“ Und Geld, so hat er schon bei seiner Besichtigung im Dezember gemerkt, scheint bei der Ausstattung keine Rolle zu spielen. Zum hervorragend ausgestatteten Fahrzeugpark gehört zum Beispiel wegen der vielen Hochhäuser auch eine 52-Meter-Drehleiter. Woran er sich dagegen gewöhnen muss: „Es gibt ein sehr gutes Wasserleitungsnetz, aber keine Hydranten. Löschwasser wird in Tankfahrzeugen mitgenommen.“ Ansonsten sei die Feuerwehr auf dem neuesten Stand.

Visum zunächst für ein Jahr

Nach der Zusage passierte zunächst wegen Corona nichts. Der Flugverkehr war eingestellt, Reisen unmöglich. „Als Anfang August der Flughafen in Dubai wieder öffnete, kam umgehend die Anfrage, ob ich noch Interesse hätte und wann ich kommen könnte.“ Vor dem Abflug am Sonntag muss Kirill Selenin nur noch die letzte Hürde nehmen: Nämlich einen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 96 Stunden ist, den Termin dazu hat er am Donnerstag, 24. September. „Ich gehe davon aus, dass alles klappt.“ Die ersten Tage verbringt er in einem Hotel, sucht sich dann ein Domizil. Das Arbeitsvisum ist zunächst auf ein Jahr befristet, er würde aber schon gern länger bleiben. „Wer weiß - wenn es mir gefällt, hänge ich vielleicht zwei weitere Jahre dran.“ Seine Freunde bei der Feuerwehr in Neviges freuen sich jedenfalls mit dem 26-Jährigen; „Das ist eine ganz großartige Chance“, findet Stadtbrandinspektor TobiasFlentje-Meier. Der Einsatzbereichsführer Neviges wünscht Kirill Selenin alles Gute: „Ich hoffe, dass er eines Tages zurückkommt und seine Erfahrungen bei uns einbringt.“

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