Schulprojekt

Velberter Gymnasiasten auf Sondensuche im Sauerland

Letzte Startvorbereitungen: Bis der Ballon, der die Sonde in die Stratosphäre bringen soll, mit Helium gefüllt ist, dauert es eine Weile. Selbst der stellvertretende Schulleiter (links) packt mit an.

Foto: Uwe Möller

Letzte Startvorbereitungen: Bis der Ballon, der die Sonde in die Stratosphäre bringen soll, mit Helium gefüllt ist, dauert es eine Weile. Selbst der stellvertretende Schulleiter (links) packt mit an. Foto: Uwe Möller

Velbert/Bad Berleburg.   Schüler der 5. bis 11. Stufe des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums starten ihren Stratosphärenflug und gehen anschließend auf Suche nach dem Flugobjekt.

Die Nervosität ist den NEG-Schülern deutlich anzumerken – schließlich hatten die 28 Teilnehmer einer Projektgruppe lange auf diesen Moment hingearbeitet: Von einem Feld an der Donnenberger Straße soll eine selbst gebaute Sonde bis in die Stratosphäre aufsteigen.

„Wir könnten Glück haben und die Sonde landet wie hier auf einer Grünfläche, wir könnten aber auch Pech haben und sie landet auf einer Autobahn oder in einem See“, so schätzt Paul aus der Projektgruppe vor dem Start die Chancen ein, wo sie später die Sonde wiederfinden könnten.

Die Sonde fliegt

Top motiviert stehen nun also die Schüler samt ihrem Lehrer Tim Enßlen, der auch das Projekt leitet, und dem stellvertretenden Schulleiter Jens Raffenberg auf der Wiese. „Achtung! Gefährliches Wetterexperiment“ steht zusammen mit Kontaktdaten für mögliche Finder auf der Box, die gleich an einem Ballon in den Himmel steigen soll. Diesen Ballon mit Helium zu füllen dauert etwas länger als geplant, dann ein letzter Check: „Tschö“, ruft Enßlen noch – aber binnen Sekunden steigt die Sonde dutzende Meter in die Luft. Nach fünf Minuten ist sie nur noch als kleiner Punkt kaum noch zu erkennen und verschwindet schließlich hinter der Wolkendecke. Erste Erleichterung bei Tim Enßlen und seinen Schülern: Die Sonde fliegt.

Gruppenfoto und lange Autofahrt

Nun noch eben ein Gruppenfoto, dann heißt es: Ab in die Autos. Einer vor dem Start durchgeführten Simulation zur Folge soll die Sonde in der Nähe von Bad Berleburg landen. Vor der Gruppe liegen rund 160 Kilometer Autofahrt ins Sauerland. Kurze Pause in Kreuztal, da meldet sich die Sonde mit ersten Koordinaten: Laut Karte ist sie mitten in Bad Berleburg runter gekommen. Die Vorausberechnung der Schüler scheint perfekt.

Nach kurzem Warten überprüft Enßlen nochmal den Standort – und der verschiebt sich noch einmal ein klein wenig. In ein Waldgebiet. „Die ersten Koordinaten waren noch im Flug, aber jetzt haben sie sich eingependelt, also ist sie gelandet“, erläutert der Projektleiter. Also weitere 30 Minuten fahren. Dann geht es runter von der Landstraße auf einen kleineren Waldweg. Den Schülern wird langsam klar: „Wir sind gleich da.“ Der Weg wird enger, führt an einem Bauernhof vorbei. Dann ist endlich Platz, um die Autos abzustellen: „Laut GPS-Gerät sind es nur noch 1,6 Kilometer und bevor wir mit den Autos komplett rückwärts fahren müssen, können wir lieber laufen“, schlägt Enßlen vor. „Stellt euch vor die Sonde wäre mitten in der Stadt runtergekommen, dann wäre sie vielleicht geklaut worden“, ruft einer der Schüler.

Die erste Spur führt ins Nichts

Nun noch kurz die beiden GPS-Tracker vergleichen und dann geht es mit Videodrohne und Kamera ausgerüstet in den Wald. Bald schon muss die Gruppe den Weg verlassen, quer durch einen zugewachsenen Wald führt der GPS-Tracker die Schüler ein langes Stück bergab. „Noch 600 Meter“, die Aufregung steigt. Dichtes Gestrüpp macht das Fortkommen schwierig, „wer hat nochmal gesagt, dass es gut ist, dass die Sonde nicht in der Stadt runtergekommen ist?“, fragt einer der Schüler – spaßeshalber.

Dann scheint das Ziel erreicht: Der GPS-Tracker lokalisiert die Sonde neben ein paar Kühen auf einer Wiese. Doch es ist nichts zu sehen. Also wird der zweite Tracker der Sonde angepeilt. Der zeigt an, dass das Fluggerät ein paar hundert Meter weiter weg gelandet sein muss. Um sicher zu gehen werden die Koordinaten überprüft und andere Trackingmethoden genutzt.

Gefunden, aber nicht geborgen

Die Gegenprobe ist ernüchternd. 23 Kilometer vom jetzigen Standort soll die Sonde entfernt sein. „Was nun?“, fragend schauen sich die Schüler an. Die zweistündige Fahrt hatte sich bis hierhin zwar schon gelohnt – ein Wanderausflug mit einem hochmotivierten und bestens gelaunten Schülertrupp. Nur die Schuhe fanden es nicht so lustig, vor allem wenn sie einst komplett weiss waren. Die Waldwege sind doch ein wenig feucht.

Der Entschluss: „Erstmal die Anderen wieder einsammeln und zurück zu den Autos. Dann können wir nochmal näher ranfahren,“ schlägt Enßlen. Die Methode hat Erfolg: Ein kleinerer Trupp macht sich auf den Weg, nach 20 Minuten die Erlösung: „Wir haben sie gefunden.“ Doch die Sache hat einen Haken: „Aber sie hängt 20 Meter hoch in einem Baum fest.“ Klettern kommt nicht in Frage, die Leiter ist viel zu kurz, der Rest wäre zu gefährlich. Ein Schüler hat eine Idee: Eine Schnur um einen Stein wickeln, den über die Sonde werfen und dann das Gerät mit der Schnur aus dem Baum ziehen. Erfolglos.

Zweiter Versuch erfolgreich

David versucht’s per Telefon bei der örtlichen freiwilligen Feuerwehr, andere Schüler klingeln beim Förster und dem THW durch. Doch die können auch nicht helfen oder sind nicht erreichbar. „Wir müssen wohl morgen nochmal mit besserem Equipment wiederkommen“, schlägt ein optimistischer Tim Enßlen vor.

Gesagt getan: Der Lehrer fährt einen Tag später erneut ins Sauerland, nimmt eine Leiter und eine selbst gebaute Teleskopstange mit. Drei Stunden dauer die Bergung, aber sie klappt: „Bis auf die Frontkamera hat alles funktioniert, alles hat geklappt. Die Daten können nun ausgewertet werden.“

<<< PRÄSENTATION DER ERGEBNISSE

Die Sommerferien haben begonnen, trotzdem werden sich Schüler der Projektgruppe mit den Daten befassen.

„Die Auswertung wird etwas dauern, auch müssen wir noch die Freigabe von den jeweiligen Schülern für das Video einholen“, sagt Lehrer Tim Enßlen.

Die Ergebnisse werden sukzessive auf der Schul-Homepage veröffentlicht.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik