Behinderte

Neanderthal Museum räumt Steine aus dem Weg

Dieser so genannte „Stammbusch“ ist seit dem Update im Jahr 2016 ein fester Bestandteil der Dauerausstellung.   Foto: Museum/Lars Langemeier

Dieser so genannte „Stammbusch“ ist seit dem Update im Jahr 2016 ein fester Bestandteil der Dauerausstellung.   Foto: Museum/Lars Langemeier

Mettmann.   Team im Neanderthal Museum arbeitet an der diversen und inklusiven Öffnung des Hauses. Lösungen für Blinde und Sehbehinderte im Fokus.

Ein gutes Museum ist eigentlich nie ganz fertig. Es müsse sich ständig wandeln und auch immer wieder erneuern. Das sagt Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger. Der Museumsdirektor und Archäologe leitet das weltbekannte Neanderthal Museum. Dessen Dauerausstellung hat zuletzt in 2016 ein gründliches Update spendiert bekommen. Das Haus zieht jährlich rund 170 000 Menschen an.

Es könnten, ja dürften künftig noch deutlich mehr werden, denn aktuell ist die diverse und inklusive Öffnung des Museums in Arbeit.

Förderanträge bei Stiftungen eingereicht

Mit dem ersten Schritt wendet man sich z. B. Menschen aus anderen Kulturkreisen zu, die Museen – geschweige denn deren Besuche – nicht gewohnt sind, wie Dr. Bärbel Auffermann im Gespräch mit der WAZ erläuterte. „Wir sind ja schließlich Menschheitsmuseum und erzählen auch die Geschichte der gesamten Menschheit“, so die stv. Leiterin weiter.

Gerne würde man zeitlich befristet einen Referenten für gesellschaftliche Vielfalt einstellen; „ideal wäre ein Mensch mit Migrationshintergrund“. Hierfür und für den zweiten Schritt liefen Förderanträge bei Stiftungen.

Kinderwagen und Rollstuhl kommen durch

Hinsichtlich der inklusiven Öffnung geht’s vor allem um Blinde und Sehbehinderte, also eine zunehmend größere Gruppe. Und diesem Teil der Gesellschaft sind die Museen genau so verpflichtet wie allen anderen.

„Mit Kinderwagen und Rollstuhl kommt man bei uns gut zurecht. Hinsichtlich dieser Barrierefreiheit sind wir schon recht weit“, schildert Anna Riethus die Lage. „Die stufenlos Ausstellung ist problemlos zu besuchen.“

In Kopfhöhe droht jäh Gefahr

Schwierig wird’s hingegen etwa bei Displays oder Videos, womöglich noch mehrsprachig untertitelt. Oder an den Stellen, wo der Blindenstock zwar am Boden nichts Hinderndes ertastet, jedoch in Kopfhöhe ein schwerer Brocken hängt. Nach Auskunft der wissenschaftlichen Mitarbeiterin und Volontärin ist das Haus zwecks Abhilfe und Verbesserungen – die Umsetzung soll zwischen 2019 und 21 erfolgen – mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV) für den Kreis Mettmann und dem übergreifenden Verband Nordrhein in Kontakt.

Die Zielvorgabe lautet: sichere, selbstständige Orientierung, hochwertige Infos, das Ganze einfach und nicht zu komplex. Wünschenswert wären etwa ein taktiles Bodenleitsystem, taktile Pläne und deutlich mehr an- bzw. begreifbare Objekte, etwa Menschenrekonstruktionen, Steinwerkzeuge oder Schädel.

Immer zwei Sinne ansprechen

Ebenfalls auf dem Wunschzettel steht eine Smartphone-App im Zusammenspiel mit einem Sender an ausgewählten Exponaten. Über diese App soll auch noch ein inklusives Spiel entwickelt werden. Wobei überall prinzipiell eine Minimalanforderung gilt: „Ideal ist es, immer zwei Sinne anzusprechen“, sagt Anna Riethus. Die Audio-Führung mit Kopfhörer sei jedoch keine echte Hilfe, schließlich brauchten gerade Blinde und Sehbehinderte ihr Gehör für weitaus wichtigere Zwecke.

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