Geschichte

Modell der Synagoge Velbert-Langenberg steht in Wuppertal

Sehr detailgetreu ist das Modell der ehemaligen Langenberger Synagoge geworden – zu sehen in der Gedenkstätte in Elberfeld.

Sehr detailgetreu ist das Modell der ehemaligen Langenberger Synagoge geworden – zu sehen in der Gedenkstätte in Elberfeld.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Langenberg/Wuppertal.  Einst gab es in Velbert-Langenberg eine Synagoge, die erste im Bergischen Land. Die Gebäude existieren nicht mehr, dafür aber ein Holz-Modell.

Kleine Säulen zieren den Eingang auf der Innenseite, Bänke sind akkurat an den Seiten des großen Innenraums platziert. In der Mitte steht das Lesepult, umgeben von einem Geländer. So oder so ähnlich hat er einst ausgesehen, der Innenraum der Langenberger Synagoge.

Das Holzmodell im Maßstab 1:50 steht seit November im Ausstellungsraum der Gedenkstätte Alte Synagoge in Wuppertal-Elberfeld – daneben Modelle der jüdischen Gotteshäuser aus Elberfeld, Barmen und Solingen.

Synagoge Langenberg war erste im Bergischen Land

„Die Langenberger Synagoge war die erste im Bergischen Land“, erzählt Frank Overhoff. Der ehemalige Schulpfarrer des Langenberger Gymnasiums forscht seit langem über die Geschichte der Juden vor Ort. Dabei hätte rein theoretisch noch viel früher ein Gotteshaus am Ort stehen können: „1785 gab es die Erlaubnis zum Bau“, hat Overhoff herausgefunden.

Doch die Sache hatte einen Haken: Um nämlich eine Synagoge bauen zu dürfen, muss nach jüdischem Gesetz eine Bedingung erfüllt sein: „Es müssen zehn religionsmündige jüdische Männer permanent vor Ort leben“, erläutert Historiker Overhoff. Religionsmündig sei man ab etwa 14 oder 15 Jahren.

Zwei Männer kaufen die Gebäude an der heutigen Kuhstraße

In Langenberg gab es um diese Zeit zwar schon eine kleine jüdische Gruppe – aber nicht genug Männer, um eine Synagoge bauen zu dürfen. Doch das änderte sich schon bald: Zwischen den Jahren 1800 und 1900 hatte das jüdische Leben in Langenberg seine Hochzeit. Bereits 1803 stimmten die Voraussetzungen und die Herren Simon Salomon und Herz David kauften zwei Gebäude (heutige Kuhstraße), eines davon wird in einem Registereintrag dieser Zeit dann auch als Synagoge bezeichnet.

„Die Spuren jüdischen Lebens reichen bis mindestens 1697 zurück“, berichtet Frank Overhoff. In diesem Jahr taucht ein Mann namens Samuel Abraham in einem Register auf, denn: „Juden waren damals abgabepflichtig“. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wächst die Gemeinde kaum, erst um das Jahr 1800 steigt die Zahl der Juden sprunghaft an.

Anteil an der Langenberger Bevölkerung beträgt 3,2 Prozent

„Aber“, sagt Frank Overhoff, „wir können mit den Zahlen für diese Zeit nicht viel anfangen.“ Denn im Jahr 1800 bildeten Langenberg und Neviges eine Verwaltungsunion, „und wir können die Zahlen nicht für die einzelnen Bezirke trennen“. Gesichert sei aber, dass 1858 rund 3,2 Prozent der Langenberger dem jüdischen Glauben angehörten – bei 3106 Einwohnern also um die 100 Menschen.

Doch ab da geht es bergab: „Das spiegelt die wirtschaftliche Situation wider“, erläutert Frank Overhoff. „Jüdische Familien haben versucht, in Langenberg Fuß zu fassen, das klappte aber oft nicht.“ Viele seien dann weg gezogen, oft Richtung Elberfeld. In dem Wuppertaler Stadtbezirk gab es damals die größte jüdische Gemeinde der Umgebung.

Modell basiert teils auf – gut fundierten – Vermutungen

Zurück zur Synagoge. Nach dem Kauf baut die Gemeinde das ehemalige Wohnhaus um, eine Zwischendecke wird entfernt, ein größerer Saal entsteht. Das ist auch gut auf dem Modell zu erkennen. So weit, so klar. „Wie der Innenraum aussah, das können wir heute nur vermuten“, erläutert Frank Overhoff. Quellen gebe es nämlich nicht. „Das Modell basiert daher auf Vermutungen.“

Die sind allerdings gut fundiert. Overhoff nimmt als Beispiel die Synagogen aus den Nachbarstädten: „Die sind später gebaut worden und orientieren sich im Aufbau eher an christlichen Kirchen.“ Denn in Elberfeld oder Barmen etwa verlagerten die Bauherren die so genannte Bima – das Lesepult für die Heilige Schrift – an die Stirnseite des Saals.

Die Heilige Schrift steht im Zentrum

Die Langenberger Synagoge aber sei wesentlich älter, „daher gehen wir davon aus, dass es dort anders aussah.“ Wie genau, zeigt das Modell: Die Bima ist zentral, mitten in dem großen Saal. „Das spiegelt die jüdische Tradition wieder, dass die Heilige Schrift im Zentrum steht.“

Daraus ergibt sich auch der Sinn des zweiten Gebäudes, das Salomon und David gekauft hatten: In dem kleineren Haus kam die jüdische Schule unter. „Es war zwingend notwendig, dass die Kinder Hebräisch lernten“, erläutert Frank Overhoff. „Nur so bestand die Chance, dass die jüdische Gemeinschaft weiter fortbestehen würde.“ Außerdem lernten die Kinder wichtige jüdische Gesetze – etwa zu Speisenregeln – kennen, wie man welche Feste feiert oder die Interpretation biblischer Verse.

Das Ende der jüdischen Gemeinde

Gegen Ende des 19 Jahrhunderts geht die jüdische Geschichte in Langenberg dann dramatisch schnell ihrem Ende entgegen. Die Gemeinde schrumpft und 1926 schließlich verkauft sie die beiden Gebäude an eine Langenberger Witwe. Die Gebäude werden umgebaut, es entstehen neue Wohnungen. Noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs schließlich werden die letzten beiden Langenberger jüdischen Familien deportiert. Die Gemeinde existiert nicht mehr.

1972 und 1978 dann verschwinden auch die ehemalige Synagoge und die ehemalige Schule endgültig aus dem Stadtbild – sie werden abgerissen.

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