Arbeitsmarkt

Mitarbeiter qualifizieren und so Fachkräfte gewinnen

Physiotherapeuten – hier beim Mobilisieren nach einer Sprunggelenk-OP – gehören ebenfalls zur Klientel der Agentur.

Physiotherapeuten – hier beim Mobilisieren nach einer Sprunggelenk-OP – gehören ebenfalls zur Klientel der Agentur.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Kreis Mettmann.  Firmen im Kreis Mettmann sollen Mitarbeiter qualifizieren, um so Fachkräfte zu gewinnen. Arbeitsagentur hat dafür den richtigen Hebel und Geld.

In vielen Branchen werden Fachkräfte geradezu händeringend gesucht. Man muss allerdings weder unbedingt nach Externen Ausschau halten noch beim Qualifizieren ganz bei Null anfangen. Denn es ist oft ein sehr sinnvoller und viel kürzerer Weg, die Potenziale in den eigenen Reihen in den Blick zu nehmen, sich auf die betriebliche Weiterbildung zu konzentrieren und exakt dort zu investieren. Die Arbeitsagentur unterstützt so etwas und hält für die Unternehmen attraktive, Fördermöglichkeiten bereit.

Was sinnvoll für den Arbeitsmarkt ist

Alles, was den Mitarbeiter nicht nur in seiner Firma weiterbringt, ist förderfähig“, sagt Karl Tymister. „Es muss aber sinnvoll für den Arbeitsmarkt sein.“ Solche und ähnliche Förderprogramme gebe es schon länger, doch mit dem neuen Qualifizierungschancengesetz sei „der Hebel nochmal mächtig länger“, seien die Fördermöglichkeiten nochmal erweitert worden. „Der Gesetzgeber hat erkannt“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Mettmann weiter, „dass es sinnvoll ist, den Umbau von Deutschland finanziell zu fördern und dafür zu investieren.“ Es werde sich ein mächtiger Wandel in Art und Ablauf vollziehen, „das betrifft alle Branchen“.

Zuschuss zum Arbeitsentgelt zahlen

Anfangs sei der Fokus auf Geringqualifizierte und Ältere gerichtet gewesen, das sei jedoch längst passé und heute wesentlich weiter gefasst. Neben Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren und Fahrtkosten kann den Arbeitgebern ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt als Ausgleich für den Arbeitsausfall während der Qualifizierung gewährt werden. Das seit Januar geltende Gesetz sei für alle; der Gehalts- oder

Lohnzuschuss sei jedoch speziell für kleinere Betriebe mit bis zu zehn Mitarbeitern interessant. „Das können durchaus 60.000 Euro pro Mitarbeiter im Jahr sein“. Das Gesetz verfolge zwei Ziele: „Die Mitarbeiter zukunftsfit machen und den Arbeitgebern zu Fachkräften verhelfen.“ Das Risiko der Arbeitslosigkeit sei bei ungelernten Kräften am höchsten: „Mit der Förderung verbessern wir langfristig die Perspektiven des Mitarbeiters.“

Stoff aus drei in zwei Jahren büffeln

Mohamed Amine El Mhdati ist der erste Mitarbeiter der Firma Mentor (Präzisionsbauteile), der mit Hilfe der Agentur qualifiziert wird. Der 29-Jährige absolviert eine betriebliche Einzelumschulung, macht also eine verkürzte reguläre Ausbildung. Konkret heißt das, dass er in zwei Jahren den Stoff aus drei Jahren für seine Ausbildung zur Fachkraft Lagerlogistik lernen muss.

Wissen aus der Praxis hilft

Von Vorteil ist seine Erfahrung in der Praxis, denn er ist seit rund drei Jahren als Lagerhelfer bei Mentor beschäftigt. Wenn er bis Juli 2021 in der Berufsschule wieder die Schulbank drückt, lernt er den theoretischen Hintergrund zu Handgriffen, die er in der Praxis häufig bereits angewendet hat. Mit der Prüfung im Juli 2021 hat er dann einen vollwertigen Berufsabschluss.

Unterstützung auch bei Neueinstellung

Die Fördermöglichkeiten der Agentur für Arbeit sind vielfältig. Es kann aber nicht nur wie bei Mentor die Qualifizierung von Beschäftigten unterstützt werden. Auch bei der Neueinstellung von Bewerbern ist eine Förderung möglich.

Am Ende sollen alle profitieren

„Immer mehr Arbeitgeber nehmen die Leistung an“, berichtet Sabine Mager-Falk, in diesem Jahr gebe es bereits 64 Fälle. „Vier Wochen sind das Minimum, das wir fördern können.“ Die Teamleiterin des gemeinsamen Arbeitgeber-Services von Agentur und Jobcenter „ME-aktiv“ hält das Gesetz für „eine gute Idee. Für jedes Unternehmen, ob klein oder groß. Am Ende profitieren alle.“ Was den Einzelnen am Arbeitsmarkt weiterbringe, sei förderfähig. Zur Klientel gehörten z. B. Physiotherapeuten, Kaufhausdetektive oder Fahrlehrer. Ebenso sei das Gesetz gut für Handwerksbetriebe, die einen Helfer zum Gesellen machen wollten. Und einen Mitarbeiter mit Social-Media-Kompetenzen, wirft Karl Tymister ein, könnten ja schließlich viele Betriebe gut brauchen.

Im Herbst für mehr Bekanntheit sorgen

Wir haben genügend Mittel, am Geld wird’s nicht scheitern“, verkündet Agentur-Chef Tymister, „wir können richtig mächtig investieren.“ Allerdings höre man auch öfter das Aufseufzen vieler Arbeitgeber „Wenn ich das eher gewusst hätte“. Deshalb werde die Arbeitsagentur ihre Möglichkeiten im Herbst mit einer großen Aktion publik machen.

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