Exkursion

Mit der Volkshochschule auf Pilzsuche in Tönisheide

Was haben wir denn da? Die Biologin Regina Thebud-Lassak erläutert den Fund.

Foto: Uwe Möller

Was haben wir denn da? Die Biologin Regina Thebud-Lassak erläutert den Fund. Foto: Uwe Möller

Neviges.   VHS lud zum Sammeln nach Tönisheide ein. Teilnehmer erfuhren nicht nur viel über die Gewächse sondern erlebten auch eine Überraschung.

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In Gummistiefel und Regenjacke gekleidet versammelt sich der Trupp, der sich vom verregneten Oktoberwetter nicht hat abschrecken lassen. Die Biologin Dr. Regina Thebud-Lassak begrüßt die Wissensdurstigen am Parkplatz der „Kleinen Schweiz“, bevor es in den Wald geht. Sie bietet bereits seit 40 Jahren nebenberuflich ihr Fachwissen auf Erkundungstouren an, sammelt gelegentlich Pilze für den Eigenbedarf und teilt gerne ihre Erfahrungen mit Anderen.

„Das Bergische Land ist durch die verschiedenen Bodentypen und Vegetation sehr interessant in Sachen Pilzkunde. So auch hier in der Kalkzone: Im vergangenen Jahr fiel die Beute am Eignerbach gering aus, aber das feuchte Wetter ist ein Indiz für gutes Pilzpotenzial“, meint die Exkursionsleiterin optimistisch. Jetzt noch den Tragekorb für die eigene Suche aus dem Auto holen und ab geht es in das nasse Grün.

Lebensgemeinschaften in der Natur

Die Gruppe hat den Parkplatz gerade einmal verlassen und schon entdeckt jemand am Wegrand die ersten Exemplare. „Wenn die Lamellen auf der Unterseite der Tintlinge rein weiss sind, sind sie essbar. Das ist hier jedoch nicht der Fall“, erläutert Regina Thebud-Lassak, während sie den Pilz an die Teilnehmer weiterreicht – und fügt schmunzelnd an: „Mit sauberen Händen kommen Sie nicht nach Hause.“

Nebelkappe, Ästchen-Schwindling und Lackpilz

Wenige Meter weiter warten schon die nächsten Überraschungen: eine Nebelkappe, ein kleiner Ästchen-Schwindling und ein Lackpilz. „Sollte ein Pilz unbekannt für Sie sein, dann drehen Sie immer den ganzen Stil raus. Anhand bestimmter Merkmale am Stil kann man die Sorte leichter bestimmen. Achten Sie außerdem auf den Ort des Fundes, einige wachsen nämlich an Holz, um es zu verwerten“, rät die Expertin. „Pilze sind sozusagen eine Müllabfuhr für den Wald, die organische Abfälle zu Nährstoffen und Humus für neues Wachstum recyceln“, sagt Regina Thebud-Lassak mit einem Lachen.

Das Zusammenleben von Pilz und Baum nennt die Exkursionsleiterin eine Lebensgemeinschaften – quasi wie beim Menschen. Hierbei liefern die Pilze Nährsalze und Wasser im Tausch gegen Kohlenhydrate, die der Partner Baum durch Photosynthese herstellt. Diese Beziehung ist also für beide Parteien von Vorteil.

Sommerpilz ist der Überraschungsfund

„Pilze muss man mit allen Sinnen erfahren – fühlen, riechen und schmecken“, ist ihr die Begeisterung anzumerken. Aber Vorsicht: Neben einigen ungenießbaren Sorten gibt es auch viele giftige Pilze. Deren Gift sei aber nicht über die Haut übertragbar – doch gelte nach jedem Pilzgang: Hände waschen. Auf dem weiteren Weg macht einer der Sammler einen besonderen Fund: ein echter Pfifferling. Das Staunen ist groß, da dies eigentlich ein Sommerpilz ist und daher im Herbst nicht unbedingt erwartet werden kann.

Teilnehmer finden mehr als 50 Arten

Am Bach angekommen teilt sich die Gruppe auf und darf selber auf Erkundung gehen. Die Funde werden dann auf einer mitgebrachten Folie ausgelegt und begutachtet. Nach gut fünfzehn Minuten ist die Folie fasst voll. Regina Thebud-Lassak gibt nun Auskunft über die verschiedenen Arten mit unterschiedlichsten Formen, Farben und Gerüchen. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir in dieser kurzen Zeit so viele Arten finden würden! Grob geschätzt sind das über 50 verschiedene“, freut sich die Dozentin, während sie ein Foto der gefundenen Pilzarten für eigene Dokumentationszwecke schießt. Frische Exemplare der essbaren Arten werden natürlich unter den eifrigen Sammlern aufgeteilt.

Hallimasch und Co. nie roh essen

Wer in die Rezeptwelt der Pilz-Küche eintauchen möchte, sollte wissen, dass in der Natur gefundene Pilze nie roh gegessen werden dürfen, da das Pilzeiweiß roh unbekömmlich, bei einigen Arten wie Hallimasch oder Täublingsarten sogar giftig ist. Nach dem Putzen, Waschen und raschem Abtrocknen sollten sie mindestens 20 Minuten gegart werden. Meist werden die Pilze zusammen mit angedünsteten und gehackten Zwiebeln geschmort. Einige Arten müssen in heißem Fett gebraten, andere hingegen gedünstet werden.

Interessierte können neben Lektüre von Pilzbestimmungsbüchern auf www.pilzforum.eu in die Pilzwelt eintauchen und sich weiter informieren.

Regelmäßige Führungen

Außerdem gibt es regelmäßig Führungen von Vereinen, pilzkundlichen Arbeitsgemeinschaften und Volkshochschulen.

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