Gericht

Missbrauchsprozess: Angeklagte aus Velbert schweigt

Am Landgericht in Wuppertal hat der Prozess gegen eine Velberterin begonnen, die sich an ihrer Tochter vergangen haben soll.

Am Landgericht in Wuppertal hat der Prozess gegen eine Velberterin begonnen, die sich an ihrer Tochter vergangen haben soll.

Foto: Uli Deck / picture alliance/dpa

Wuppertal.  In Wuppertal steht eine Frau aus Velbert vor Gericht, die sich gemeinsam mit ihrem damaligen Ehemann an ihrer Tochter vergangen haben soll.

Erschütternde Vorwürfe gegen eine 33 Jahre alte, angeklagte Mutter aus Velbert in einem Kindesmissbrauchs-Prozess: Sie soll aktive Mittäterin gewesen sein und sich zusammen mit einem früheren Ehemann schwer an einer Tochter vergangen haben.

Während des Geschehens in der Wohnung der Familie sei das Mädchen vier Jahre alt gewesen. Das war 2013. Der Mann soll nach heutigem Stand Haupttäter gewesen sein. Er war Stiefvater des Mädchens und ist inzwischen verstorben.

Das Landgericht in Wuppertal muss den Fall unabhängig prüfen. Laut den Richtern stammt außer den Formalien jedes Wort der Anklage von der Mutter, die ihren Mann angezeigt und sich selbst dabei schwer mit belastet habe. Sie ist berufstätig und strafrechtlich ohne Vorbelastungen. Der vorsitzende Richter kommentierte: „Das hier ist kein normales Verfahren.“

Mutter griff nicht ein

Laut Staatsanwaltschaft lag das Paar im Bett, als der Mann die Angeklagte aufforderte, ihre Tochter zu rufen – um sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen. Dem sei die Mutter gefolgt und es sei zu Taten gekommen. Anschließend habe die Mutter das Kinder wieder zu Bett gebracht. Bei einer anderen Gelegenheit habe die Frau bei einem sexuellen Übergriff des Mannes tatenlos zugesehen. Einer Polizistin zufolge berichtete die Mutter, sie habe ein halbes Jahr nach der Heirat erstmals von der Tochter gehört, dass es Missbrauch gab. Der Mann habe das zugegeben. Sie habe heimlich seinen Computer durchsucht und Kinderpornos aus dem Internet gefunden. Dennoch habe sie ihre Kinder in seiner Obhut gelassen, als sie einmal ins Krankenhaus musste. Sie habe keine andere Möglichkeit gesehen.

Vor Gericht schweigt die Angeklagte. Der vorsitzende Richter stellte klar: „Ohne ihre Anzeige wären die Taten womöglich nie bekannt geworden.“ Bereits 2013 nahm das Jugendamt beide Töchter der Frau aus der Familie. Sie leben unter neuem Namen an unbekanntem Ort. Im Prozess aussagen werden sie nicht. Das hat eine Beamtin entschieden, die Vormund ist. Sie sagte aus, die Kinder wüssten von dem Prozess gegen die leibliche Mutter und vom Tod des Stiefvaters.

Der Anwalt der Mutter verwies auf den einzigartigen Verlauf des Strafprozesses: 2014 verhandelte zunächst das Amtsgericht Velbert – und zwar nur gegen die Frau, nachdem sie ihre ursprüngliche Aussage widerrufen hatte. Sie soll später begründet haben: Sie habe Angst vor dem Mann gehabt und gefürchtet, ihre Bleibe zu verlieren. Ein Urteil gab es zunächst nicht. Erst danach kam der Fall zum Landgericht.

Die Richterinnen und Richter haben zunächst drei weitere Verhandlungstermine bis Ende November 2020 anberaumt.

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