Ausbildung

Mindestlohn für Azubis stößt auf Zustimmung im Kreis

In allen Sparten sollen Auszubildende ab 2020 mindestens 515 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr verdienen.

In allen Sparten sollen Auszubildende ab 2020 mindestens 515 Euro pro Monat im ersten Lehrjahr verdienen.

Foto: Markus Joosten

Velbert.   Der Zentralverband des Deutschen Handwerks kritisiert den Gesetzesentwurf zum Mindestlohn für Azubis. Doch in Velbert gibt es eine andere Sicht.

Der von Union und SPD geplante Mindestlohn für Auszubildende sorgt derzeit für gespaltene Reaktionen – insbesondere kritisiert der Zentralverband des Deutschen Handwerks das Vorhaben, weil es kleine Betriebe über Gebühr belasten könne. Das ist in Velbert beziehungsweise im Kreis anders: Sowohl die Gewerkschaften als auch die Kreishandwerkerschaft begrüßen den Vorstoß der Großen Koalition – teils aber mit Abstrichen.

So sollen Azubis gemäß dem Gesetzesentwurf bei neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ab 2020 zunächst mindestens 515 Euro monatlich verdienen. Das sei jedoch ein Betrag, den die meisten Lehrlinge in Velbert und Umgebung ohnehin längst bekämen, sagt Martin Feißel, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft: „In fast allen Betrieben im Kreis wird zum Teil deutlich mehr gezahlt.“

Ausbildungsvergütung drücke auch Wertschätzung aus

Das finde er auch absolut richtig, so Feißel weiter, denn: „Das Ausbildungsentgelt ist auch ein Zeichen der Wertschätzung des Unternehmens und zeigt, dass die Arbeit der Azubis gewürdigt wird.“ So fegten Lehrlinge „nicht mehr nur den Dreck weg“, sondern leisteten Wertschöpfendes: „Die Betriebe verdienen durch sie auch Geld.“

Damit das so bleibe, müssten gerade Handwerksunternehmen ihren Auszubildenden etwas bieten - vor allem wegen der Konkurrenz durch die Industrie, deren Vergütungen „ein Stück weit höher“ als im Handwerk lägen. Und: Zudem könnten gute Leute nicht nur als Azubis gewonnen, sondern später auch übernommen werden.

Immer höhere Anforderungen bei Handwerksberufen

Zudem weist Feißel darauf hin, dass Handwerksberufe auch mit immer höher werdenden Anforderungen verbunden seien: „Dachdecker etwa müssen heutzutage auch über gute Kenntnisse der Chemie und Physik verfügen.“ Insofern sei nicht zuletzt aus diesem Gesichtspunkt heraus ein guter Mindestlohn während der Ausbildung vonnöten.

Das sieht Christian Deppe, Betriebsberater beim Fleischerverband NRW, genau so. „Unsere Mitgliedsbetriebe bezahlen schon jetzt mehr als der nun geplante Mindestlohn.“ Und zwar mindestens 650 Euro im ersten Lehrjahr, 750 Euro im zweiten und 850 Euro im dritten Jahr.

Gewerkschafter hätten höheren Mindestlohn begrüßt

Auch Zayde Torun von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht den Mindestlohn positiv – hätte aber sogar einen noch höheren Betrag für richtig erachtet. „Wenn das Ganze netto, also ohne Sozialabgaben, wäre, wäre es aus meiner Sicht angemessen“, meint die Geschäftsführerin der NGG-Region Düsseldorf-Wuppertal, wozu auch Velbert zählt. So weist die Gewerkschafterin darauf hin, dass Azubis auch mit dem Mindestlohn gerade auf einen Brutto-Stundenlohn von knapp 3,40 Euro kämen. „Eine ungelernte Kraft bekommt aber schon 9,19 Euro. Da ist bei den Azubis Luft nach oben.“

Dem stimmt Hakan Civelek, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Velbert, zu: „Unsere Mitgliedsunternehmen zahlen alle zum Teil deutlich mehr. Gerade in der Metall- und Elektroindustrie gibt es im ersten Lehrjahr auch schon um die 1000 Euro.“ Und: Dank der Ausbildung könnten Betriebe einem drohenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Dennoch ist Civelek mit den jetzt getroffenen Neuregelungen nicht unzufrieden, denn: „Künftig müssen auch nicht tarifgebundene Betriebe den Mindestlohn bezahlen.“

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